Neuer «Geyst» in der Agenturwelt

Anfang 2014 haben die drei Firmen Straumann, Hesskisssulzersutter und Profil1 fusioniert. Damit entsteht eine Kommunikationsagentur mit über 50 Mitarbeitern und einer breiten Angebotspalette.

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In Kürze
Die Kommunikationsagentur Geyst entstand Anfang 2014 durch die Fusion von den drei Firmen Straumann, Hesskisssulzersutter und Profil1. Geyst vereint mit über 50 Mitarbeitenden Know-how aus den Bereichen Beratung, Kreation, Realisation und Systeme (Webentwicklung, Web2Print). Unter der Leitung von CEO Florian Walz (bislang CEO Straumann) wird Geyst von insgesamt 10 Managing Partnern geführt, die alle auch am Unternehmen beteiligt sind. Verwaltungsratspräsident und Partner ist Daniel Straumann (bislang VR-Präsident/Inhaber Straumann). Zu den Kunden gehören Unternehmen wie Alprausch, Heineken, Mercedes oder Lalique.

Ganze 1200 Quadratmeter, zwei Grossraumbüros, die den Namen verdienen, ein Fotostudio, Sitzungszimmer, Aufenthaltsräume und ein «Kulturraum/Labor». Platz gibt es in Zürich-Altstetten für die neu gegründete Agentur Geyst wahrlich genug. 52 Personen haben zu Jahresbeginn die Büroräume bezogen – sämtliche bisher bei Hesskisssulzersutter, Profil1 und Straumann beschäftigten Mitarbeiter. Die Wände wurden frisch gestrichen, die Teppiche gereinigt. Ansonsten halten sich die Investitionen in Grenzen. Die Büros im älteren Gebäudekomplex, dessen Zukunft noch ungewiss ist, konnten kostengünstig zur vorübergehenden Nutzung gemietet werden. Wenn alles nach Plan läuft, wird dies für die nächsten zwei bis vier Jahre das Zuhause von Geyst sein. Der Grundstein zur Entstehung der Agentur wurde von Straumann und Profil 1 gelegt. Der auf visuelle Kommunikation und die Entwicklung entsprechender Webapplikationslösungen spezialisierte Dienstleister und die Grafikund Webdesignagentur haben letztes Jahr beschlossen, gemeinsame Wege zu gehen. Expertise in weiteren Bereichen, etwa was Text anbelangt, wollte man sich durch Kooperationen erschliessen. Das war die ursprüngliche Idee. Als Hesskisssulzersutter von der geplanten Fusion vernahm und als Kooperationspartner ins Spiel kam, wurden alsbald Pläne für eine Dreierfusion geschmiedet. Die Chemie stimmte. Und mit Hesskisssulzersutter erweiterte Profil1 und Straumann die Stärke im Text- und klassischen Beratungsbereich. Zu Jahresbeginn war es so weit, der Zusammenschluss vollzogen. Geleitet wird Geyst von 10 Managing Partnern. Dazu gehören u.a. Tamás Kiss (bislang CD/Geschäftsleitungsmitglied Hesskisssulzersutter) und Johannes Just (bislang Geschäftsleiter/Partner Profil1). Den Posten als CEO übernommen hat Florian Walz, der bis anhin bei Straumann die Geschäfte führte.
 
WW: Wie kam es zur Fusion?
Florian Walz: Wir wollten alle Dienstleistungen im Kommunikationsbereich auf einer Ebene unter einem Dach vereinen: Kreation, Beratung, Text, Grafik, Design, Digital, Entwicklung, Software, Infrastruktur, Forschung etc. Mit dem Zusammenschluss zu einer Agentur können wir Kunden ganzheitlich betreuen. Gleichzeitig soll es für Kunden möglich sein, nur einen Teilbereich oder eine spezifische Dienstleistung zu beziehen, etwa Animationen oder Kreativretouche.
 
Wie viel bleibt von der Struktur der bisherigen Agenturen erhalten?
Johannes Just: Die Strukturen lösen sich vollends auf.
 
Wie funktioniert die neue Führung?
JJ: Jeder Managing Partner hat ein Kompetenzfeld, das er organisiert. Alle Mitarbeiter sind aber auf einem Level. Wir wollen uns die Flexibilität, die wir als Kleinagenturen hatten, aufrechterhalten. Die Gesamtverantwortung trägt am Schluss der CEO.
 
Tamás Kiss, Ihr früherer Geschäftspartner Roland Sutter hat Hesskisssulzersutter Anfang 2013 verlassen. Hat die Fusion damit zu tun?
Tamás Kiss: Nein, wir haben nach Rolands Weggang nicht nach einer neuen Lösung gesucht. Ausschlaggebend war vielmehr die Kraft der Idee. Es war die Vision von Geyst, die uns überzeugt hat.
 
Wie sieht diese Vision aus?
FW: Viele Agenturen haben sich aus strategischen Gründen oder zur Erweiterung der Wertschöpfungskette in den letzten Jahren Dienstleistungen im Webbereich und der Druckvorstufe einverleibt. Der Schulterschluss ist jedoch nur wenigen gelungen. Das Anstellen von zehn Polygrafen allein ergibt eben noch keine Druckvorstufe, fünf Mediaspezialisten machen noch keine Mediaagentur. Das Problem ist das Fehlen einer übergreifenden Gesamtkultur: Die Disziplinen wurden zwar integriert, erfahren aber nicht mehr Wertschätzung als früher. Die Dienstleister im klassischen Druckvorstufen- und Mediabereich – jene, die früher als «Polygrafenzombies » und «Erbsenzähler» bezeichnet wurden – werden nach wie vor zu wenig wertgeschätzt. Eine Integration kann aber nur funktionieren, wenn sich alle auf gleichem Level begegnen. Diese Vision leben wir. Bei Geyst laufen alle Bereiche auf gleicher Ebene.
 
Worin liegt die Stärke von Geyst?
JJ: In der eben erwähnten Vision. Und in der Breite der Dienstleistungen und unserer Erfahrung in den Disziplinen. Jede Agentur hat sich klare Leistungsmerkmale erarbeitet. Straumanns Tradition ist im Druckvorstufenbereich und im Bereich der webbasierten Branchenlösungen, die Stärke von Hesskisssulzersutter liegt bei der Markenstrategie/-führung und im Textbereich, Profil1 verfügt mit einem jungen Team aus Grafik- und Webdesignern über einen engen Bezug zu Künstlern und Street-Art.
 
Wie haben die Kunden auf die Fusion reagiert?
FW: Sehr wohlwollend und herzlich. Viele halten die Fusion für äusserst mutig. Wir sind überzeugt: Gerade jetzt, da sich die Branche im Wandel befindet, braucht es diesen mutigen Schritt. Wir sind sicher, dass wir damit ein Bedürfnis abdecken.
 
Welche Kunden wünschen Sie sich im Portfolio?
FW: Unsere bestehenden Kunden, mit denen uns langjährige Beziehungen verbinden. Neukunden, die sich eine Agentur, wie Geyst sie ist, wünschen. Und: Wir sind offen, wie bis anhin eng mit Agenturen zusammenzuarbeiten. Vorausgesetzt, diese betrachten uns nicht als Konkurrenten, mit dem sie nichts mehr zu tun haben wollen. Wir können mit allen Agenturen zusammenarbeiten.
TK: Generell freuen wir uns auf Kunden, die wie wir etwas Neues ausprobieren, etwas bewegen wollen.
 
Zu den bisherigen Kunden gehören Unternehmen wie Alprausch, Heineken oder SBB. Für Citroën hat Profil1 die Einführung eines neuen Modells in den Schweizer Markt begleitet (Xaver-Award «Best Live Communication Campaign»). Bei Hesskisssulzersutter entstanden Imagespots für Aldi Suisse, Straumann entwickelte für Roche eine Web2Print-Lösung (Gold beim Best of Swiss Web, Bereich Business Efficiency). Einen Neukunden kann Geyst zum Start bereits vermelden: die ZKM (Zürcher Kantonale Mittelstufenkonferenz). Ihren auf Lehrmittel spezialisierten Verlag, der heute v.a. für das Übungsmaterial zur Gymi-Vorbereitung bekannt ist, soll durch ein Redesign gestärkt werden. Das ZKM-Logo und der Auftritt wurden überarbeitet. Zudem sollen in Zukunft viele der ZKM-Publikationen in einem zeitgemässeren Look erscheinen.
 
Wird die Arbeit für bestehende Kunden teurer? Die Büros sind ziemlich gross …
JJ: Für unsere bisherigen Kunden bleibt preislich alles beim Alten. Wir wollen uns die Freiheit bewahren, auch in Zukunft «kleinere» Arbeiten zu gestalten. Durch die Fusion werden wir nicht nur grösser, sondern auch effizienter. Ein Beispiel: Einen Flyer haben wir bei Profil1 früher in Kürze gestaltet. Dafür mussten wir relativ viel Zeit investieren, um ihn druckfähig zu machen. Zeit, die dem Kunden nicht verrechnet werden konnte. Heute haben wir die Kompetenz im Haus und lösen das Problem viel schneller. Das kommt dem Kunden zugute.
TK: Die Büroräume sind zwar gross – aber nicht luxuriös und ohne Monsterinfrastruktur. Dank der Möglichkeit zur Zwischennutzung hält sich die Miete in Grenzen. Wir haben das Geld nicht in Schein, in Prunk und Luxus, sondern in Ressourcen und Tools investiert.
 
Geyst betreibt eine Plattform für mediale Experimente, Forschung und Kunst. Wie muss man sich das vorstellen?
JJ: Unser Ziel ist es, eine Begegnungsplattform für die Kreativbranche zu schaffen. Viele Agenturen verschliessen sich Talenten, da sie lieber autark funktionieren. Wir wollen die Agentur gegenüber dem Kreativmarkt und – bis zu einem gewissen Grad – auch gegenüber der Konkurrenz öffnen.
 
Wie?
 JJ: Das Fotostudio möchten wir Fotografen z.B. für Shootings zur Verfügung stellen. Künstlern bieten wir die Möglichkeit, ihre Bilder bei uns auszustellen. Das kann auch ein AD einer anderen Agentur sein.
TK: Ein Buchautor könnte für seine Vernissage unseren «Kulturraum» nutzen, ein Kunde, der noch keine Ladenlokalität gefunden hat, vorübergehend einen Showroom einrichten.
FW: Der Forschungsgedanke gehört ebenfalls zum Konzept. Wir möchten Kommunikation als Ganzes begleiten und mit Hochschulen und Forschungsinstituten kooperieren. Heute kommen Ergebnisse aus der Forschung leider oft nicht im Alltag an.
JJ:. Denkbar ist etwa, dass wir Studenten für wissenschaftliche Arbeiten mit Agenturen zusammenbringen. Geyst soll kein geschlossener Rahmen sein.
TK: Wir wollen neue Wege gehen und Neues ausprobieren. Der Tüftlergeist vereint uns bei Geyst.
 
 Isabel Imper

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