People‘s Car Project – der Volkswagen der Zukunft
China sind rund 470 Millionen Menschen online und nutzen aktiv das Internet. Sie vernetzen sich stark über soziale Plattformen, bloggen und stellen eigene Inhalte ins Netz. Doch nicht nur das Internet, sondern auch der Automobilmarkt in China boomt (+10 Prozent im Jahr 2012) und bietet gute Zukunftsperspektiven. Zwei optimale Voraussetzungen für den deutschen Automobilhersteller Volkswagen, sich auf eine besondere Art und Weise im Land der Zukunft zu engagieren.
Unglücklicherweise ist es für den Rest der Welt äusserst problematisch, wenn nicht beinah unmöglich, den Markennamen korrekt auszusprechen. Doch wer, wenn nicht der Bürger der mächtigen Volksrepublik China, sollte sich mit einem Wort wie Volkswagen identifizieren können? Der Wolfsburger Hersteller benötigte ein Projekt, welches nicht nur für jedermann zugänglich, sondern auch verständlich war: Der deutsche Autokonzern entwickelte eine so genannte Online-Crowd-Sourcing-Plattform mit dem Namen People’s Car Project (PCP). Auf der von ihnen erstellten Social-Media-Plattform www.zaoche. cn (bedeutet übrigens «ein Auto bauen») konnte sich jedermann nach Wunsch und Laune sein eigenes virtuelles Traumauto zusammenstellen.
Dieses Projekt half Volkswagen auf einer Seite dabei, die Vorlieben, Bedürfnisse sowie Anforderungen der chinesischen Kunden zu verstehen und auf der anderen Seite einen sicheren Platz im Markt zu behalten. Der Wunsch der Chinesen nach individuellem Automobil-Design schien gross zu sein, denn das Projekt People’s Car Project übertraf alle Erwartungen. Bereits nach elf Monaten zählte die Website 33 Millionen Besucher. Und dies ist nicht alles: über 119 000 verschiedene Konzeptideen wurden unter dem Strich eingereicht.
Doch welche dieser Innovationen sind realisierund welche unbrauchbar? Bewertet wurden die eingereichten Vorschläge in erster Linie durch die Community und anschliessend durch eine Reihe von Experten. Drei der von den Nutzern auf einer Online- Plattform entworfenen und von Volkswagen weiterentwickelten Fahrzeug- und Technologiekonzepte wurden auf der «Auto China 2012» in Peking vorgestellt. Wie darf man sich ein virtuelles selbstgebasteltes Auto vorstellen? Klar ist: Wenn es nach den Chinesen geht, sind Räder überflüssig. Dies zeigt der so genannte «Hover Car», ein schwebender Zweisitzer, welcher sich emissionsfrei über elektromagnetische Strassennetze fortbewegen könnte. Dieses futuristische Fahrzeug, welches eher an ein Gefährt aus einem Science-Fiction-Film erinnert, ist nicht nur mir besonders aufgefallen, sondern erregte auch beim Publikum und bei Fachleuten die grösste Aufmerksamkeit.
People’s Car Project, alles nur Spinnerei oder ernstzunehmende Ideen für die Mobilität von morgen? Wie hoch die Chancen effektiv sind, dass in Zukunft ein «Hover Car» durch unsere Städte schwebt, wird sich zeigen. Fakt ist: Das Ziel von Volkswagen, ihrer Marke mit diesem Projekt einen innovativen Anstrich sowie einen emotionalen zu geben, wurde zweifellos erreicht. Ausserdem wurde das Projekt, welches ursprünglich nur über ein Jahr geplant war, dank des grossen Erfolgs auf unbestimmte Zeit verlängert.
Manuel P. Nappo, Studienleiter CAS Social Media, Management HWZ Hochschule für Wirtschaft Zürich. www.fh-hwz.ch/smm
