Zur Sache: und es gibt sie doch
Gemeint sind die Innovationen in der Medienszene. Da gab es in den letzten Monaten und Wochen einige. Zum Teil erst angedacht, teils geplant und zum Teil schon realisiert. Nicht nur im Ausland, sondern auch in der Schweiz.
Amazon-Chef Jeff Bezos hat die Washington Post gekauft. David Pogue, der zum Teil umstrittene Tech- Journalist der New York Times, geht zu Yahoo, um dort ein Tech-Nachrichtenangebot zu lancieren. Der E-Bay-Gründer Pierre Omidyar plant ein 250 Millionen Dollar schweres Joint Venture mit dem Guardian- Enthüllungsjournalisten Glenn Greenwald. Anfang 2011 kaufte der Online-Riese AOL die Huffington Post für rund 315 Millionen Dollar von der Gründerin und Chefredakteurin Arianna Huffington. Huffington, eine ehemalige Autorin von Biografien, die sich erfolglos in der Politik versuchte und schliesslich 2006 mit einem Partner die Huffington Post gründete. Jetzt hat AOL zusammen mit Tomorrow Focus, einer Burda-Tochter, eine deutsche Ausgabe lanciert. Immerhin schon die sechste ausländische Ausgabe.
Hansi Voigt, der ehemalige Chefredaktor von 20min.ch, werkelt still und leise an seinem Online- News-Projekt Watson, bei dem notabene auch AZVerleger Peter Wanner dabei ist. Ringier denkt laut über ein Buzzfeed-ähnliches Produkt nach, das sich an den Blick am Abend anlehnen soll. Ähnliche Überlegungen gibt es bei Springer Deutschland. Und schliesslich kann sich Jean-Claude Biver, der begnadete Kommunikator und Uhrenmanager, vorstellen, Le Temps zu kaufen.
Gibt es Gemeinsamkeiten? Es gibt deren zwei. Erstaunlich – oder eben vielleicht gerade nicht erstaunlich: Die Investoren sind mehrheitlich branchenfremd. Und sie sind allesamt bekannt als Querdenker, in vielen Fällen haben sie etwas aufgebaut, das es vorher so nicht gab. Und sie suchen sich journalistische Partner, die auch keine 08/15-Journalisten sind.
Am diesjährigen Medienkongress referierte Eran Davidson, Ex-CEO des Venture-Capital-Unternehmens Hasso Plattner Ventures über den «Clash of Innovation Cultures» zwischen den USA und der Schweiz. Ein Beispiel: «You have a great idea and want to share it with an engineer: The response in the US: Let’s do it today. In Switzerland: It can’t be done.» Perfection is the goal in Switzerland in the US Perfection means Inefficiency. Er gab auch einen Rat, wie man erfolgreich jegliche Innovation abwürgen kann: Ein etabliertes Unternehmen, das ein Start-up kauft, soll dieses sofort in die bestehende Organisation integrieren und es an der kurzen Leine führen. Warum kommt mir das alles gerade jetzt wieder in den Sinn? Raten Sie mal.
Pierre C. Meier, Chefredaktor [email protected]
