Zur Sache: Perfektes Timing
Nachdem unser aller Bundespräsident, passionierter Grasschmöcker und bekennender Nichtmedienkonsument Ueli Maurer am Kongress der Schweizer Medien kurz in seine Rolle als austeilender Parteipräsident zurückfiel und die Qualität und Themensetzung der Medien pauschal verdammte, wurde er von einem Teil der Teilnehmer ausgepfiffen. Zu Recht?
Kritik ist ja gut, aber wenn man nur das verdammt, was nicht dem eigenen Weltbild entspricht, wird es ein wenig öd. Vom Auspfeifen kann man halten, was man will, aber wer austeilt, muss auch einstecken können. Dem war nicht so! Der sonst nicht so zimperliche Maurer beklagte sich, dass er seit 35 Jahren nie mehr so ausgepfiffen worden sei. Glück für ihn – aber das weiss er ja nicht, denn er liest ja keine Medien – war auch, dass die Leserkommentare auf die diversen Artikel zur Medienschelte mehrheitlich positiv waren. Tatsache ist, viele Leser haben an den heutigen Medien was auszusetzen.
Die alljährliche Qualitätsdiskussion war lanciert. Am Dienstag dieser Woche dann der Medien-Club unter dem Titel «Ueli Maurers Medienschelte». Es diskutierten Roger de Weck, Generaldirektor SRG, Norbert Neininger, Verleger und Chefredaktor Schaffhauser Nachrichten, Kurt Imhof, Professor für Publizistikwissenschaft und Soziologie Universität Zürich, Patrik Müller, Chefredaktor Schweiz am Sonntag, und Iwan Rickenbacher, VR Tamedia. Ich fand die Diskussion, von wenigen Ausnahmen abgesehen, interessant. Das konnte auch die grottenschlechte Moderation von Karin Frei, die wie schon im ersten Medienclub nicht gerade glänzte (Steilpässe verpasst, dafür abrupt Diskussionen beendet und zum nächsten geschweift, Faden verloren, nicht nachgehakt und zu nerviges Zeigefingerfuchteln) nicht verhindern. Bemerkenswert der Satz von de Weck: «Wenn die Kunden wegfallen, sagen alle anderen Branchen, das Produkt muss besser werden. Ausser die Medien …» Hat etwas. Auf Seite 6 findet sich eine Auswahl von Tweets zur Sendung.
Dann am Mittwoch die Präsentation der vierten Ausgabe des Jahrbuchs «Qualität der Medien». Zeitgleich mit der Pressemitteilung der Herausgeber kam auch eine Pressemitteilung des Verbandes Schweizer Medien, die prophylaktisch das Jahrbuch schon mal verteufelte. Und ganz zufällig gab es dann noch einen Artikel in der BaZ online unter dem Titel «Wäre Kurt Imhof eine Zeitung, sie hiesse Blick». Das kann es ja wohl nicht sein. Man kann über die Methodik und über die imhofsche Definition des Qualitätsbegriffes sehr wohl geteilter Meinung sein. Man kann ihn mögen oder nicht, aber einer Diskussion über die Qualität unserer Medien dürfen wir uns nicht entziehen. Diese muss geführt werden – und zwar ohne Vorurteile und Scheuklappen.
Pierre C. Meier, Chefredaktor
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