Der Formenfinder
Seit über 30 Jahren kommuniziert André Hauser mit seinem Unternehmen für Kunden in der dritten Dimension. Ob Schaufenster, Rauminstallation oder Eventmarketing – er verleiht Botschaften die richtige Präsenz.

Himbeer-Rosa, Pistache-Grün, Schoko-Braun. Seit einigen Jahren werden die Luxemburgerli der Confiserie Sprüngli nicht mehr in der weiss-blauen Kartonschachtel verkauft, sondern nach dem Vorbild der süssen Makrönchen verpackt. Inhalt und Verpackung passen zusammen, das Drinnen entspricht dem Draussen. «Eine perfekte Symbiose», so André Hauser, der dem Traditionsprodukt zu einer neuen Hülle verholfen hat. Mit seiner Firma Hauser & Partner kommuniziert der Inhaber seit 32 Jahren für Unternehmen, Marken, Agenturen. Über dreidimensionale Kommunikationsmittel werden Botschaften und Emotionen transportiert. Mit einer Verpackung, in einem Schaufenster, über das Design eines Messestandes, Corporate Architecture oder Eventmarketing. Für die Kosmetik-Kette Marionnaud betreut Hauser & Partner das gesamte Filialnetz in der Schweiz; Hunderte von Schaufenstern, die alle zwei Wochen erneuert werden. McDonald’s hat das Unternehmen zu einem passenden Auftritt an der OLMA verholfen, für die Agentur Wirz einen multifunktionalen Aufenthaltsraum realisiert. Anlässlich der Generalversammlung der Credit Suisse wurde das Zürcher Hallenstadion umgebaut – inklusive Empfang, Bühnenbereich, Konferenz- und Apérozonen sowie einem Wegleitungskonzept.
Das Ziel ist stets, für jedes Unternehmen, für jedes Produkt die perfekte Form zu finden. Aus einer schwarzen Kartonschachtel zieht Hauser ein neues Herrenparfum heraus. Eine schlanke, zylinderförmige Flasche, an deren Enden Verschlüsse aus Bakelit sind. «Die Form drückt aus, was darin steckt.» Rund, schlicht und stark, wie das Produkt selbst – ein herber Duft, der an Weihrauch erinnert. Hauser sieht alles in Bildern. Zahlen sind für ihn nicht abstrakt, sondern tragen eine bestimmte Farbe. Die 3 etwa ist immer grün. Anders geht es nicht. «Die Synästhesie war der Grund, weshalb ich beim Kopfrechnen länger brauchte als die anderen.» Dass er einst gestalten würde, wusste Hauser schon früh. Als Traumberuf hatte er als Jugendlicher jedoch Architekt im Kopf. Die Ausbildung zum Hochbauzeichner, die er begann, hängte er bereits nach drei Monaten an den Nagel. Die war ihm «zu eng».
Mit der nachfolgenden Lehre als Schaufensterdekorateur tat sich ihm eine Welt auf. Er hatte mit Agenturen, Herstellern, Handwerkern und Kunden zu tun, gewann Einblick in den gesamten Prozess, vom Konzept über die Herstellung bis zur Präsentation am POS. «Ich wusste relativ viel, von allem ein bisschen, aber nichts richtig.» Dabei wollte er es nicht belassen. Hauser wollte jeden einzelnen Schritt eigenständig nachvollziehen. Damit er seine Ideen einst selber produzieren könnte. Heute deckt Hauser & Partner den gesamten Verlauf ab: vom ersten Gedanken über die Planung, die Produktion, den Auf- und Abbau bis hin zur Entsorgung. Auf knapp 3500 Quadratmetern wird in Dübendorf konzipiert, entworfen, designt, gedruckt und produziert. 75 Mitarbeiter sind dafür beschäftigt: Polydesigner, Innenarchitekten, Werbetechniker, Grafiker, Bau- und Möbelschreiner, Tiefbauzeichner, Modellbauer, Textiltechniker etc. Eine Vielzahl der dreidimensionalen Kommunikationsmittel wird gleich vor Ort, im 2012 bezogenen Neubau hergestellt. Hauser führt durch das Gebäude, zeigt Druckmaschinen und Produktionsstätte. Mit dem Lift geht es ins Untergeschoss. Hier lagern auf 9000 Kubikmetern Theken, Tische, Stühle, Sessel, Kronleuchter, Scheinwerfer, Kissen und vieles mehr. Alles, was es zur Eventveranstaltung braucht.
Eine grosse Halle im Zentrum des Gebäudes bietet Platz, Installationen aufzustellen – und den Kunden zu präsentieren. Momentan werden an der Betonwand gerade riesige Leuchtketten montiert. «Dreidimensionale Kommunikation muss man erleben », ist Hauser überzeugt. «Nur so entfaltet sie ihre Wirkkraft.» Er nimmt erneut die Verpackung des Parfums zur Hand. «Wenn ich diese Schachtel als Bild sehe, ist es bloss eine schwarze Box. Erst wenn ich sie anfasse, bekomme ich ein Gefühl dafür, was wirklich ist. Wie gross sie ist, wie rau die Oberfläche. » Während des Gangs durch die Büros kommt Hauser auf die Firmenphilosophie zu sprechen. Er legt Wert darauf, dass seine Mitarbeiter von der Konzeption bis zum Ergebnis in den Arbeitsprozess involviert sind und Verantwortung übernehmen. Das erhöht die Arbeitszufriedenheit und die Motivation, ist der Inhaber überzeugt. Auch bei der Gestaltung und Einrichtung des Bürogebäudes wurde nichts dem Zufall überlassen. Die Arbeitsplätze sind flexibel eingerichtet. Die Tischhöhe lässt sich beispielsweise per Knopfdruck verstellen. Im obersten Stock wurde eine Cafeteria mit grossem Innenhof eingerichtet. Hier wird jeweils zusammen gegessen. Kurz vor Mittag ist in der offenen Küche gerade ein Koch mit der Zubereitung beschäftigt.
«Für mich ist André Hauser ein vorbildlicher Unternehmer », so Dominique von Matt, Inhaber Jung von Matt/Limmat. «Er hat es geschafft, eine besondere Firmenkultur aufzubauen: offen, partizipativ, inspirierend, mit einer Leichtfüssigkeit und hoher Menschlichkeit. Das ist in unserem Business der Schlüssel zum Erfolg.» Mit dem neuen Firmensitz ist für Hauser ein Wunsch in Erfüllung gegangen. Nun entspricht auch das Umfeld dem Unternehmen. Der kühle und unaufgeregte Aluminium-Glas-Bau bietet den 3‑DSpezialisten ein ideales Umfeld, um zu gestalten. «Unsere Arbeiten sind laut, dafür muss das Drumherum dezent sein», erklärt Hauser.
Laut, das bedeutet, aufzufallen. Hauser & Partner überrascht, ohne auf die Stilmittel «noch grösser », «noch schreiender» zurückgreifen zu müssen. Für die Einführung des neuen Mini-Cabrio hat Hauser das Verdeck eines gewöhnlichen Mini mit einem 250 cm langen Dosenöffner geknackt. Detailgetreu umgesetzt bis auf die letzte Schraube. «André Hausers Arbeiten zeichnen sich durch Stilsicherheit und Eigenständigkeit aus», so von Matt. Hauser denkt über das Gegebene hinaus. Damit punktet er bei Auftraggebern. «Seine dreidimensionalen Lösungen sind keine 1:1-Umsetzungen eines bestehenden Kommunikationskonzeptes. Stets überrascht er mit eigenen Ideen und schafft so einen Mehrwert. Das ist das Faszinierende an der Zusammenarbeit. » «Er ist ein kreativer und visionärer Kopf, der hohe Anforderungen an sich stellt, was Organisation, Perfektion und Durchführung betrifft», sagt Tomas Prenosil, CEO der Confiserie Sprüngli. Das Familienunternehmen lässt sich seit Jahren von Hauser & Partner ganzheitlich betreuen. «André Hauser ist ein feinfühliger und zuverlässiger Partner und hat ein Gespür dafür, was ein Unternehmen braucht.» Oftmals bestehe bei Auftraggebern die Tendenz, möglichst viel zu zeigen, viel zu kommunizieren, so Hauser. Das führe zu einem Durcheinander, in dem nicht mehr klar sei, was das Ganze soll. «Die Kunst heisst Weglassen.» Hausers Credo: So wenig wie möglich zeigen – das dafür richtig laut. Das hat er beispielsweise für Sprüngli bei der Inszenierung der Truffes-Kreation «Blanc&Noir» vorgeführt: ein weisses Schaufenster, darin lediglich vier schwarzen Balken, die eine kleine Glasvitrine mit dem Produkt umfassen.
Auch wenn heute niemand mehr – ausser vielleicht an Weihnachten – in die Stadt geht, um sich die Schaufenster anzuschauen, ist Hauser von der Stärke des Mediums überzeugt. «Es ist ein effizientes Mittel, um Werte und Strategien zu kommunizieren », findet der Unternehmer. Kurzfristig, um die Aufmerksamkeit auf ein Produkt zu lenken und den Absatz zu steigern, aber ebenso längerfristig, zur Markenbildung und Positionierung des Unternehmens. Dies betont auch Prenosil. «Das Schaufenster ist für uns ein sehr wesentliches Kommunikationsmittel, und auch ein gutes Messinstrumentarium für unsere Aktionen», so der Geschäftsführer der Confiserie Sprüngli. «Die Reaktionen der Kunden sind unmittelbar spürbar.» So lässt sich zumindest der kurzfristige Erfolg, nachdem ein Produkt neu präsentiert wurde, unkompliziert anhand der Verkaufszahlen feststellen.
Neue Medien in die dreidimensionale Kommunikation zu integrieren, findet Hauser spannend. Technisch seien die Screens ja langsam so weit, dass man sie einsetzen könne. Doch häufig werde unterschätzt, dass ein digitales Medium den Leuten vorgebe, alles sei neu und aktuell. Die Inhalte müssen deshalb ständig wechseln. «Wenn auf einem Screen dreimal dasselbe läuft, ist das viel schlimmer als eine gute Installation.» In einer schnelllebigen Zeit, in der Passanten mit Nachrichten, Bildern und Musik berieselt werden, findet Hauser es denn auch ebenso spannend, alles wegzulassen und sich auf nur etwas zu konzentrieren. «Ich will etwas schaffen, das haften bleibt.» Etwas, das die Leute dazu bringt, wieder hinzuschauen, sich Zeit zu nehmen und etwas auf sich wirken zu lassen. «Wir haben verlernt, mit den Augen zu fühlen.» Kein Wunder, gefällt Hauser das um die Fassade gespannte Rauten-Netz aus Stahl am Firmensitz besonders. Denn hinschauen muss man hier genau. Von vorne ist der Scherenschnitt praktisch unsichtbar, gewinnt an Intensität, je schärfer man im Winkel zur Fassade darauf schaut, bis schliesslich nur noch Stahl, kein Glas mehr zu sehen ist. Die Fassade scheint sich stetig zu bewegen, bis man realisiert, dass man es selbst ist, der sich bewegt. «Das ist wie im Leben. Nichts passiert von alleine, man muss es selbst tun», sagt Hauser. «Wenn man das erstmals erkannt hat, schafft man relativ viel.»
Isabel Imper
In Kürze
Nach der Ausbildung zum Schaufensterdekorateur arbeitete Andre Hauser (59) ab 1975 bei Jelmoli (Polydesigner 3‑D/ Marketing/Merchandising). 1981 grundete er Hauser & Partner. Mit 75 Festangestellten und einem Freelancer- Netzwerk kommuniziert das Unternehmen in der dritten Dimension. Das Spektrum umfasst Schaufensterdekorationen und Objektinszenierungen, Verpackungen, Raumgestaltung, Messe-Design, Beschriftungssysteme sowie Ausstellungen und Eventmarketing. Zu den Auftraggebern zahlen Unternehmen wie Beyer Chronometrie AG, Chocoladefabriken Lindt & Sprungli (Schweiz) AG, Confiserie Sprungli AG, Credit Suisse AG, Engadin St. Moritz Mountains AG, Exersuisse Service AG, Flughafen Zurich AG, Gais Center Aarau, KPMG AG, LVMH PC Parfums Cosmetiques SA, Marionnaud Switzerland AG, Shoppingcenter Gaupark, Shoppi Tivoli, Sihlcity Center, Tissot S.A., UBS AG, Walo Bertschinger AG.
