Zu guter Letzt: Bestechung – eine Grauzone in den Medien

Die Organisation Transparency International hat schärfere Regeln gegen Bestechung und Bestechlichkeit in deutschen Medien gefordert. Noch zu Beginn des letzten Jahres wollten diverse Unternehmen ihren Ruf als «Journalistenbestecher» abstreifen.

Darunter waren gemäss Wuv.de die Telekom, die Presserabatte auf bestimmte Mobilfunkverträge gestrichen habe. Zuvor hätten Deutsche Bahn und Air Berlin ihre Vergünstigungen zu den Akten gelegt. Zur gleichen Zeit gab der Springer-Verlag bekannt, dass die Redakteure vereinbart hätten, künftig keine Presserabatte mehr anzunehmen. Wie Wuv.de schreibt, vereinbarte etwa das Verlagshaus Gruner + Jahr: «Redakteure dürfen sich nur noch bis zu 40 Euro einladen lassen.»

Journalisten haben von Wirtschaftsunternehmen immer wieder Vorteile und Einladungen angenommen. Dies zeigt unter anderem die Studie von Transparency und der Journalistenvereinigung Netzwerk Recherche, «Gefallen an Gefälligkeiten: Journalismus und Korruption». Der Studie zufolge ist in den Medienhäusern das Interesse am Thema Korruptionsbekämpfung gering. Die redaktionellen Leitlinien seien ausserdem oft nicht klar genug, es fehle an verbindlichen Konsequenzen. «Gerade in unserer Branche, in der Glaubwürdigkeit ein hohes Gut ist, sollte mehr Transparenz und bessere Korruptionsprävention möglich sein», sagt Günter Bartsch, Geschäftsführer von Netzwerk Recherche, gegenüber Wuv.de.

Vereinbarung wie beim Verlagshaus Gruner + Jahr lösen die Grauzone aber nicht generell auf: Wie die Pressesprecherin des Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger BDZV, Anja Pasquay, gegenüber der Nachrichtenagentur DPA sagt, gebe es immer noch Verbesserungsmöglichkeiten, etwa wenn bei Reiseberichten klar gekennzeichnet werde, wie sie zustande kämen. «Das wird auch durchaus schon genau so gehandhabt», führt sie aus. Der stellvertretende Transparency-Vorsitzende Jürgen Marten ist nicht ganz dieser Meinung. Wie er gegenüber Wuv.de sagt, würden sich anscheinend viele Häuser einfach auf dem Glauben ausruhen, dass ihre Journalisten nicht bestechlich seien, anstatt systematisch Korruption vorzubeugen und Transparenz zu schaffen.

Doch die Bereitschaft zur Bestechlichkeit im Journalismus ist nicht nur abhängig von der Regulierung, sondern auch eine Frage des persönlichen Ehren-Kodex. Und vielleicht, aber auch nur vielleicht, ist in der Bestechlichkeits-Grauzone auch irgendwo eine Verbindung zu finden zur abnehmenden Qualitätskontrolle einiger Verlage zugunsten eines gewinnorientierteren Grundkonzepts. (uma)

 

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