Zu guter Letzt: nehmen und geben

Schweizer Medien wollen Google zur Kasse bitten. Wieso genau, scheint Laien noch unklar. Zumal die Newsportale auch von Google profitieren - in vielerlei Hinsicht.

Nicht nur Ringier-CEO Marc Walder scheint von der Idee, ein Stück von Googles Gewinnkuchen abzuschneiden, angetan – schliesslich betreibe der Suchmaschinenanbieter «eine moderne Art des Diebstahls in digitaler Form» (Werbewoche.ch berichtete). Auch Sonntagszeitung-Chefredaktor Martin Spieler schreibt in seinem Editorial, die Freiheit im Netz bekomme eine andere Bedeutung, «wenn Konzerne wie Google diese für sich in Anspruch nehmen, um damit auf Kosten anderer Milliarden zu verdienen».

Das klingt auf den ersten Blick richtig dramatisch. Auch wenn nicht ganz klar wird, wo genau das Problem liegt. Google listet und verlinkt zwar Online-Inhalte von Zeitungshäusern und schaltet dazu gewohnt Werbung – bringt den Portalen aber auch die wichtigen Besucherströme, die wiederum der Werbung der Websites Beachtung schenken. Wer nicht von Google erfasst werden möchte, kann dies unterbinden. Nur tut dies niemand, denn wer möchte schon auf die zahlreichen Besucher verzichten und der Konkurrenz das Aktualitäts-und Aufmerksamkeits-Feld überlassen?

Man könnte also meinen, die Beziehung zwischen Google und den Newsseiten beruhe auf einem wechselseitigen Geben und Nehmen. Kein Wunder, sieht der Suchmaschinen-Gigant keinen allzu dringenden Handlungsbedarf, etwas daran zu ändern (Werbewoche.ch berichtete). Vielleicht sollte der Verband Schweizer Medien bei den Verhandlungsversuchen vermehrt Blick.ch ins Rennen schicken. Die Seite scheint mit Google nämlich ein konstruktives Verhältnis zu pflegen. Die Erlaubnis, Googles Youtube-Videos herunterladen zu dürfen, sie mit eigenem Wasserzeichen zu versehen und diese dann in eigene Werbung eingebettet im eigenen Videoportal abspielen zu dürfen, ist beeindruckend. Denn auf diesem Weg tritt Google die Werbehoheit an die Newsseite ab und verlangt im Gegenzug nicht mal mit einem Link zur Originalquelle. Weniger privilegierte Onlineportale betten die Videos derweilen mt dem dafür vorgesehenen Code ein. Ein uninformierter Schelm, wer… Vielleicht ist Google doch nicht so ein böser digitaler Datendieb, wie Herr Walder behauptet. (hae)

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Bilder: Screenshots Blick.ch, 2.Dezember 2012

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