Zu guter Letzt: Mögen Sie Ihre Medienlandschaft lieber mit «Pseudo-Objektivität» oder doch lieber mit «Quoten-Anti-Blocher»?
Wie links sind die Schweizer Medien wirklich? Zu dieser Frage diskutierten letzte Woche Roger Köppel und Cédric Wermuth in der Kion Galerie beim Viadukt in Zürich.
Die Gesprächsituation lieferte nicht nur viel Zündstofff, sondern auch einen Einblick in die Denkweise der zwei Diskussionsteilnehmer und in ihre Einschätzung der Schweizer Medienlandschaft. In den wenigen ersten Minuten kamen bereits grundsätzliche Fragen auf: «Wie müssten Zeitungen die politischen Meinungen gewichten – nach Wählerprozent, oder sollten sie sich einfach klar positionieren? Vertritt die Medienlandschaft vor allem die Interessen einer politischen Gruppe? Und hängt die politische Positionierung der Medien damit zusammen, welche Themen im Vordergrund stehen und wie kritisch die Journalisten gegenüber dem Staat und dessen Machtansprüchen sind?»
Roger Köppel betonte, dass es zur Zeit einfach sei, beispielsweise die Vorzüge von Micheline Calmy-Rey hervorzuheben, «aber schreiben sie einmal, der Blocher hat was gut gemacht, dann spüren sie was Liebesentzug ist». Köppel outete sich dabei als grosser Bewunderer aller Personen, die den Mut aufbringen in einer Gruppe Gleichgesinnter aufzustehen und die eigenen Meinung vertreten – er sei kein Quoten-Anti-Blocher.
Auch Cédric Wermuth sieht eine Problematik in der Positionslosigkeit, der sogenannten «Pseudo-Objektivität». Nach der Nennung gewisser Zeitungen, die in den letzten Jahren von «Protagonisten der SVP» aufgekauft wurden, betont Wermuth, dass es in der Schweizer Medienlandschaft an Medien mit einem klaren Standpunkt mangle. Wie solle man die sogenannten unpolitischen Medien einschätzen, wie beispielsweise Gratiszeitungen, fragt er. So seien diejenigen Zeitungen am schwierigsten einzuschätzen, bei denen man nicht genau wisse, wo sie sich positionieren. Er nennt als Beispiel den Tages-Anzeiger. Da sich einige Zeitungen nicht klar positionieren, seien diese auch schwer fassbar.
Eine objektive Zusammenfassung der weiteren Diskussion würde diesen Standpunkten jedoch zuwiderlaufen. Sehen Sie daher hier die ganze Diskussion, unzensiert und ohne pseudo-objektive Einschätzungen. (uma)
