Aufgespiesst: Dr. Best is the best

Anne-Friederike Heinrich, freie Mitarbeiterin der Werbewoche über Werbung, die Sicherheit und Wärme vermittelt.

Werbung ist anstrengend: Überall gut aussehende, zahlkräftige, junge, glückliche Menschen, die wollen, dass wir wollen, wir wären so wie sie. Wie schön ist dagegen Werbung mit Dr. Best, dem Trigema- Affen, Herrn Fischer von Fischers Bettwarenfabrik in «Wädenschwil» oder mit der Ich-empfehle- Perlweiss-Zahnarztfrau. Denn verglichen mit diesen Figuren sehe ich endlich einmal besser aus als die in der Werbung (vielleicht abgesehen von der Zahnarztfrau), habe weder Zahnfleischbluten, noch brauche ich ein garantiert in Deutschland (von einem Affen) produziertes Hemd, geschweige denn ein persönliches Wunsch-Duvet. Glücklich, ohne Bedürfnisse und ein Lachen im Mundwinkel – das Leben kann so schön sein! Leider gibt es viel zu wenig Werbung dieser Façon.

Jetzt, endlich, kommt das Dr.-Best-Revival. Die Reinkarnation des Zahngutonkels heisst Dr. Klenk, stammt aus dem nordrhein-westfälischen Bielefeld und wirbt für die fantastische Wirkung von Koffein. Als «Doping für die Haare». In Form eines Shampoos. Für die Kosmetikmarke Alpecin.

Der «jut und jünstisch» produzierte TV-Spot zeigt Laborchef Dr. Adolf Klenk im Bielefelder Alpecin- Labor. Während die Kamera auf den Koffeinkenner zufährt, wirft der Sprecher im Off die Frage auf, ob das Koffeinshampoo von Alpecin verhindern kann, dass sich die Wachstumsphasen der Haarwurzeln verkürzen – denn eben diese verkürzten Phasen seien der Grund dafür, dass alternden Herren die Haare ausfallen. Schwungvoll dreht Dr. Klenk im frisch gebügelten weissen Kittel sich von seinem Computer zur Kamera und antwortet vorgeschobenen Unterkiefers mit einem gedehnten «in der Taaaaat!» (in der englischen Version «indeeeeed»). Dazu belegt er seine Aussage mit einer absurden Wachstumskurve. Herrlich. Komisch. Wundervoll.

Lächerlich? Quatsch? So funktioniert Werbung nicht? Eben doch. Der handgedrechselte Spot hat gewaltig eingeschlagen: Alpecins Koffeinshampoo findet reissenden Absatz, Dr. Klenk, der wirklich so heisst und tatsächlich Laborchef ist, kann in seinem Wohnort Verl nicht mehr aus der Haustür treten, ohne dass ihm jemand durchs volle, silbergraue Haar wuscheln will, auf Facebook und Twitter tummeln sich jede Menge Klenk-Fans und -Friends und «in der Taaaaat!» hat als Klingelton virale Furore gemacht. Offenbar hat die Welt genug von den zu jungen, zu schönen, aalglatten oder aktuell bärtigen Werbegesichtern. Was ist die raumgreifende Ödnis makelloser Schönheit gegen die Sicherheit und Wärme, die der etwas eckige Dr. Klenk ausstrahlt?! Titel und Kittel geben wieder ein bisschen Halt inmitten des verbreiteten Blingblings.

Dr. Best und Dr. Klenk tun aber nicht nur unseren perfektheitsgestressten Augen und gerauften Haaren gut. Man sollte auch die beiden Doktores einmal miteinander bekannt machen. Denn Dr. Best braucht dringend ein paar Haare an der richtigen Stelle (Koffein soll da helfen, habe ich in irgendeinem Werbespot gesehen), und Dr. Best müsste sich mal Dr. Klenks Unterkiefer genauer anschauen. Für eine bessere, duvetweiche Welt. In der Taaaaat.

Die Spots
Dr. Klenk: http://www.youtube.com/watch?v=o8W0CxWYkbo
Dr. Best: http://www.youtube.com/watch?v=qkugFArSlqE
Trigema: http://www.youtube.com/watch?v=SLdWn_0zEEE
Fischer Bettwaren: http://www.youtube.com/watch?v=9RMvEmvOb-o
 

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