Aufgespiesst: Worte zum Jahresende
Simone Fankhauser über Ruhm und Ehre.
Haben Sie sie bereits durchlebt, Ihre 15 Minuten Ruhm? Können Sie von sich behaupten, mindestens 900 Sekunden lang einer breiten Öffentlichkeit aufgefallen zu sein? Durften Sie Ihren Namen schon in der Spalte einer Zeitung lesen oder über einen TV-Bildschirm flimmern sehen? Es erstaunt mich immer wieder, wie viele Menschen nur dafür leben, berühmt zu werden. Aber wie gelingt es einem, die notwendige Uniqueness zu erreichen, um aus der Masse herauszustechen? Nicht jeder verfügt über einen angeborenen USP wie eine tragende Stimme, ein markantes Gesicht oder ein besonderes Talent. Wer von Mutter Natur vernachlässigt worden ist, muss versuchen, durch eine herausragende Leistung von sich reden zu machen. Allerdings sollte bei dieser Strategiewahl der Return of Investment genau überprüft werden, da sie sehr ressourcenintensiv ist. Natürlich fällt auch den USPlern die Bekanntheit nicht einfach so in den Schoss. Man denke dabei an die Marke «Roger Federer» und die jahrelange harte Arbeit, die hinter der Positionierung steht. Auch Berühmtheiten wie Robert de Niro, Angelina Jolie, ihr fast Göttergatte Brad Pitt oder Julia Roberts mussten zuerst unten durch, bevor sie ganz oben ankamen. Einfacher haben es da die Gewählten und Hochwohlgeborenen. Ihnen gelingt es meist ohne ein offensichtliches Talent, nur durch Geburt oder die Wahl in ein Amt, in die Liga der bekanntesten Marken aufzusteigen. In diese Sparte gehören Staatschefs, Blaublütler und der Papst. Eine Unterkategorie davon sind die Trittbrettfahrer der Ruhmreichen, die Angeheirateten und die LebensabschnittspartnerInnen. Die Huckepack-Strategie empfiehlt sich allerdings wieder eher für Mutter Naturs Günstlinge: Marktforschungen belegen nämlich, dass der Erfolg dabei massgeblich von Faktoren wie Oberweite, Beinlänge oder Gesichtszügen beeinflusst wird.
Für alle, die nicht gerne langfristig planen, empfiehlt sich eine einmalige Aktion. Betrachtet man die lange Liste von Casting-Show-Teilnehmenden rund um den Globus, scheint dies eine äusserst beliebte Strategie zu sein. Allerdings ist die Erfolgsquote extrem niedrig. Wer nicht mit einer Glanzleistung punkten kann, sollte wenigstens so schlecht sein, dass er oder sie im Negativbereich aus der Mittelmässigkeit heraussticht. Menschen, die zum Fremdschämen anregen, sind gerade bei TV-Stationen und im Internet sehr beliebt. Was diejenigen, die sich zum Affen machen, mit ein paar Minuten Ruhm belohnt. So auch «Where the hell is Matt»-Star Matthew Harding, der sich trippelnd und zappelnd vor Sehenswürdigkeiten auf der ganzen Welt filmen lässt.
Dass selbst die schrägsten Kauze für ihr Produkt eine Zielgruppe finden, ist ein erstaunliches Phänomen. Wechseln wir wieder in die Schweiz, nach Zürich, um genau zu sein. Hier gelingt es einem dauerbesoffenen, pöbelnden und fluchenden Sozialhilfeempfänger, regelmässig in den Zeitungsspalten erwähnt zu werden. Hans Ulrich Flückiger – besser bekannt als «Hanf-Ueli» – scheint insbesondere im Pendlerblatt 20 Minuten eine Hauszeitung gefunden zu haben. Zwar nicht das grosse Geld, aber immerhin eine neue Bleibe in Form eines Wohnwagens haben die entsprechenden Berichte dem Zürcher schon beschert. Wenn das kein Return on Investment ist! Und, haben Sie nun Ihre 15 Minuten schon gehabt? Nicht? Dann geht es Ihnen wie mir. Ein besonderes Talent kann ich leider nicht vorweisen, die Aussicht auf einen Bundesratssitz ist mangels Parteizugehörigkeit sehr gering. Blaues Blut fliesst auch nicht in meinen Adern und für die Trittbrett- Strategie ist der Zug seit meiner Heirat abgefahren – auch wenn Hanf-Ueli meines Wissens noch zu haben wäre. Was bleibt also? Die herausragende Leistung und daran arbeite ich noch …
