«Wir stellen die Marke in das Zentrum»

«Welche Signale muss eine Marke aussenden, damit der Konsument so belohnt wird, dass er in den Laden reingeht und weiss, dass er einen bestimmten Käse will?» – Seit etwas mehr als fünf Jahren haben Schoch & Sonders das Beantworten dieser Frage zu ihrer wichtigsten Kompetenz gemacht. Die Markenagentur gehört Dominik Schoch und Martin Sonders zu je 50 Prozent. Sie sind keinem Netzwerk angeschlossen und können damit «jederzeit selber entscheiden», was sie machen wollen und was nicht.

Eine neue Werbeagentur brauchte die Schweiz wirklich nicht mehr. Davon waren Dominik Schoch und Roman Sonders überzeugt, als sie im Jahre 2006 Schoch & Sonders gegründet haben. «Wir haben auch schon genug Werbung gemacht in unserem Leben, also wollten wir einen anderen Ansatz entwickeln.» Ihr individuelles Konzept für eine Agentur fanden die zwei Geschäftspartner, die sich erst nach einem langen und völlig anderen Berufsweg gefunden haben, in einer Agentur für Markenführung. «Wir sind der Meinung, dass Marken geführt werden müssen, und zwar von einer starken Hand – ein Leben lang. Das ist eine Grundphilosophie, die uns gemeinsam antreibt.»

Eine Marke hat für die beiden «Charakter und Persönlichkeit, genau wie Menschen. In wenigen Sekunden weiss ich, ob etwas mein Ding ist.» Der Weg zur erfolgreichen Marke ist für Schoch & Sonders «die aktive, konsistente, kontinuierliche und fokussierte Ausrichtung der ausgesendeten Signale, ausgerichtet auf alle Sinne». Denn ein Produkt oder ein Unternehmen sende unablässig, ob gewollt oder ungewollt, Nachrichten in den Markt. Der Mensch nimmt diese Eindrücke über alle seine Sinne auf. Erst die Summe der darauf folgenden Rückmeldungen «macht Unternehmen und Produkte zu Marken». Die gewünschte Reaktion der Zielgruppe «ist also nur indirekt beeinflussbar».

Mit dieser Prämisse agiert die Agentur gemeinsam mit den Markenverantwortlichen ihrer Kunden als Markenführerin. Als solche erarbeitet Schoch & Sonders die Markenstrategie und das Markendesign bis hin zum kompletten Markenerscheinungsbild. Zu ihren Kunden zählen seit den ersten Anfängen die Migros. Inzwischen werden gleich mehrere Marken auch für M-Electronics betreut. Die zweite Referenz holte sich das Start-up mit Emmi. Dieses Unternehmen ist Schoch & Sonders bis heute treu geblieben. In der Agentur an der Zürcher Stationsstrasse sind die edlen Verpackungen sowie die Markenstrategie für die höhlengereiften Käse von Kaltbach entstanden. Besonders stolz ist Schoch & Sonders auf den Erfolg ihrer «Wiederbelebung» von Gala-Käse, nachdem diese alte Kultmarke der Schweiz nach dem Transfer von Gerber zu Emmi neu verpackt werden musste.

Ebenso unübersehbar ist die Designarbeit von Dominik Schoch bei rund 100 Gewürzen im Sortiment der Migros. Die Buchhandelskette Orell Füssli präsentiert sich seit kurzem in einem umfassend neuen Look von Schoch & Sonders. Aktuell wird an der Präsentation für ein Unternehmen im Pharmabereich gearbeitet. Ein grosser Autokunde will spezielle Lichtinstallationen. Ein Schokoladenfabrikant lässt ein neues Design entwickeln.

Je nach Arbeitsanfall acht bis zwölf Festangestellte und Freelancer sind permanent für Schoch & Sonders engagiert. Im «optimalen Fall» will die Agentur bereits beim Entwickeln einer neuen Strategie bei ihren Kunden zum Einsatz kommen. «Wer nur eine neue und möglichst witzige Kampagne bestellt», ist bei den Markenentwicklern an der falschen Adresse. «Die Kunden kommen zu uns, weil wir mit ihnen zusammen einen ganzen Prozess durchlaufen.» Dazu kann es auch immer wieder sehr wertvoll sein, dass die Agentur mit dem Kunden zusammen die Aufgabenstellung in einem gemeinsamen Workshop definiert.

Eine weitere Spezialität von Schoch & Sonders ist, dass sie eng auch mit Spezialisten aus dem Bereich der Neuropsychologie zusammenarbeiten. «Welche Signale muss eine Marke aussenden, damit der Konsument so belohnt wird, dass er in den Laden reingeht und weiss, welches Produkt er schliesslich aus dem Gestell nehmen will?» Die möglichen Antworten dazu haben die beiden Geschäftsführer auf völlig verschiedenen Berufswegen gefunden.

Dominik Schoch hat fünf Jahre lang die Ausbildung an der Kunstschule in St. Gallen genossen. Anschliessend folgte in Zürich die Einführungstour durch verschiedene Agenturen. «Wichtig für meine Entwicklung waren zehn Jahre im Team von By Heart», blickt er zurück. Hier durfte Dominik Schoch prägend für Feldpausch, PKZ, Burger und andere Marken aus dem Bereich Mode und Beauty wirken. Auch Passugger war ein dankbarer Kunde.

In dieser Phase habe er seine «Leidenschaft für Marken» entdeckt und realisiert, dass er in Zukunft etwas mehr Konsistentes als nur klassische Kommunikation und Werbung machen will.

«Meine Erfüllung sah ich immer mehr darin, schöne Bildwelten zu kreieren und ein Gefühl für erfolgreiche Marken zu entwickeln.» Als ihn dieser Ansatz immer mehr faszinierte, wollte Schoch in seiner Karriere wieder einmal einen Schritt weiter¬gehen. Mehr als zehn Jahre verbrachte Dominik Schoch vor seiner Selbständigkeit in Agenturen mit der Arbeit von Design für nationale und internatio¬nale Marken. Aber die neue Herausforderung sollte nicht einfach ein Stilwechsel zu einer anderen Agen¬tur sein. «Ich wollte meine eigenen Ideen und Vor-stellungen ausleben.» Genau in dieser Phase ist Do¬minik Schoch seinem späteren Partner Roman Son¬der vorgestellt worden. Mit diesem hat er sich auf Anhieb verstanden. Nach kurzer Zeit haben die beiden «auf einem weissen Blatt Papier die Agentur gegründet» und all ihre Ideen, Abläufe und Visionen gemeinsam skizziert.

Roman Sonders ist «nicht so gradlinig» zur Marke gekommen. Nach einer Lehre als Maschinenmechaniker arbeitete er zuerst ein halbes Jahr auf diesem Beruf. Er realisierte aber früh, dass Maschinen nicht sein Ding sind. Sonders begab sich zuerst einmal auf Reisen. Die längere Zeit in Frankreich, den USA und Australien nutzte er zum Lernen der Sprachen. Zurück in Zürich ist er im Gastgewerbe «hängen geblieben». Heute weiss der Markenspezialist, dass ihm das für die spätere Entwicklung «sehr viel gebracht hat».

Im Gastgewerbe lernte Sonders «richtig fleissig zu arbeiten». Trotzdem wurde es ihm nach drei Jahren Getränke mixen «zu langweilig, obwohl ich in einer sehr gediegenen Cocktailbar arbeiten durfte». Beim Beobachten seiner Gäste interessierte sich der Barkeeper immer mehr auch für die Mechanismen des Marketings. Sonders besuchte berufsbegleitend Marketingkurse und ist dann bei der Firma einge¬stiegen, die damals die Hooth-Getränke in die Schweiz importiert hat.

Bei dieser Markteinführung lernte Sonders «on the job», wie ein noch unbekanntes Getränk innert kürzester Zeit zur Trendmarke werden kann – und wie man anschliessend die Nachfrage kommerziell auch optimal nutzbar macht. Sonders konnte wert¬volle Erfahrungen sammeln in den Bereichen Marketing, Werbung und Promotion. «Wir arbeiteten viel below-the-line mit Aktionen am POS im Restaurant, was mir als ehemaligem Gastgewerbler natürlich zugute gekommen ist.»

Als Folge dieser Erfolgsstory mit Hooth ist Roman Sonders auf den Geschmack gekommen. Er wollte sich weiterbilden als Marketingplaner und hat später auch noch den Kommunikationsleiter abgeschlossen. In dieser Zeit hat er sich berufsbegleitend sowohl auf Kundenseite wie Agenturseite durch die verschiedensten Bereiche gearbeitet. Neben dem Eventmanagement konnte er auch das Sponsoring kennen lernen. Die wichtigsten Kunden damals waren Feldschlösschen und Smirnoff. Für diese hat Sonders die ersten Eventplattformen konzipiert und überwacht, ohne dass es für die Zielgruppe zu kommerziell und damit anbiedernd werden durfte.

In diesen Zeiten hat sich Roman Sonders auch ein weitreichendes Netzwerk anlegen können mit vielen «Kontakten, die heute noch relevant sind und funk¬tionieren». Einer dieser Kontakte führte zu einem neuen Job als Onlinevermarkter bei Qualiclick. Ge¬rade rechtzeitig vor dem grossen Platzen der IT-Blase hat sich Sonders noch einmal neu orientiert als Kommunikationsleiter bei Ford. Dort durfte er die ganze Marke in der Schweiz betreuen und neben der klassischen Werbung immer mehr auch ganzheitlich kommunizieren. Mit besonderem Stolz erinnert sich Sonders daran, wie er dank seinen Ideen den Auftritt von Ford am Genfer Automobilsalon zu seiner Verantwortung machen konnte. «Ich habe den Wert des Salons erkannt, weil ich aus der Eventbranche kam.» Diese Station war die letzte von Roman Sonders vor der Gründung der eigenen Agentur.

Roman Sonders holt seine Kraft auch heute noch gerne aus dem Sport. Er war früher mehrfacher Schweizer Meister im Schwimmen mit der Staffel und gehörte zum Jugendkader der Schweiz. Auch Dominik Schoch hat eine Affinität zu anspruchsvollem Sport. Rund um seine Jobwechsel ist er im¬mer wieder für längere Zeit nach Asien gereist und hat sich dort in asiatischer Kampfkunst ausgebildet. Schoch hat mehrere Prüfungen absolviert und unterwarf sich zuletzt auch dem harten Training in einem Shaolin-Kloster. Gleichzeitig hat den Designer natürlich die asiatische Bildwelt bei diesen auch heute noch regelmässig – wenn auch kürzer – unter¬nommenen Reisen entscheidend beeinflusst. «Man kann als Kreativer viele Informationen aufnehmen, wenn man mit offenen Augen durch diese Länder reist.»

Und die Ziele von Schoch & Sonders? Die Räume in der Agentur bieten Platz für 20 Mitarbeitende. Ab dann würde es zu einem strategischen Entscheid, ob noch ein optional bereits reserviertes Stockwerk und damit auch eine weitere Hierarchiestufe dazukommen soll. Oder vielleicht die Anbindung an ein internationales Netzwerk? «In New York oder Shanghai ist sicher niemand am Warten auf uns», witzeln Schoch und Sonders. Irgendein «New Busi¬ness auf höherem Niveau» würde sie aber locken. Eine internationale Marke zum Beispiel, die von Schoch & Sonders aus der Schweiz heraus geführt wird. «Am liebsten aus der Modebranche.»

Andreas Panzeri

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