Die Textperten

Rinaldo Dieziger, Fabian Dieziger und Rémy Blättler sind die Supertexter: 2005 haben der Texter, der Kaufmann und der IT-Profi in Zürich die Agentur Supertext gegründet. Sie koordiniert ein Netzwerk von rund 300 Schreib¬profis, die Texte und Übersetzungen aller Art produzieren. Über 1500 Unternehmen und Agenturen setzen bereits auf diesen Service – und es werden immer mehr.

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Schon so manch einer hat stundenlang über einer Pressemeldung, einem Slogan, einem Geschäftsbrief oder einer Übersetzung gebrütet mit dem festen Vorsatz, einen super Text zu formulieren. Heraus kam: eine Zumutung für den Leser. In solchen Nöten hilft Supertext, die erste Textagentur im Internet. Seit fünf Jahren textet und übersetzt die Agentur mit ihrem Netzwerk von rund 300 Textern, Autoren, Lektoren, Korrektoren und Übersetzern Webtexte, Newsletter, Mailings, Broschüren, Pressetexte, Slogans und Geschäftsberichte auf Deutsch, Französisch, Englisch und Italienisch. Und das funktioniert so: Wer einen Text braucht, kann unter www.supertext.ch auswählen, ob er einen bestehenden Text überarbeiten lassen will, einen neuen Text erstellen lassen möchte oder eine Übersetzung benötigt. Ist der Auftrag erteilt, sucht Supertext in seinem Freelancer-Pool nach dem richtigen Bearbeiter für diesen Auftrag. Bei Neukunden werden die Schreibprofis eruiert, deren Profil am besten zu den Ansprüchen des Auftraggebers passt; Aufträge von Bestandskunden werden stets von den gleichen Fachleuten bearbeitet, denn die sind bereits mit dem Wording und den spezifischen Anforderungen des Kunden vertraut. Welche Leistung er erwartet und worauf bei der Textproduktion besonders zu achten ist, hält der Auftraggeber in einem kurzen schriftlichen Briefing fest.

Die Freelancer, die zum Pool von Supertext gehören, haben nachgewiesene Qualifikationen und Erfahrung als Autoren, Journalisten, Texter, Lektoren oder Übersetzer. «Wir wurden zu Beginn grossartig vom Schweizer Texterinnen- und Texterverband Script unterstützt, bei dem ich heute auch im Vorstand bin», erklärt Supertext-Geschäftsführer Rinaldo Dieziger (36). «Wir arbeiten ausschliesslich mit Profis. Hobbyautoren und Nachttischpoeten haben bei uns nichts verloren.» Diese Profis sind entweder bekannte Köpfe der Branche, die die Agentur gezielt anspricht, oder Textspezialisten, die sich bei Supertext bewerben – pro Tag gehen etwa zwei bis drei Dossiers ein. Für die Bearbeitung der Bewerbungen und den Ausbau des Freelancer-Pools haben die drei Gründer deshalb einen eigenen «Poolwart» eingestellt.

Software als Herzstück

Die komplette Abwicklung der Text- und Übersetzungsaufträge inklusive Statusdokumentation läuft über eine webbasierte Software, die die Supertext-Gründer selbst konzipiert und entwickelt haben. «Unser System ist flexibel. Wir können Texte nach der Bearbeitung direkt ins Content-Management-System des Auftraggebers einbinden, beispielsweise in das fertige Layout eines Geschäftsberichts oder in den Blog auf der Unternehmenswebsite», erklärt IT-Profi Rémy Blättler (35). Ein Workflow ohne Unterbrechungen und zusätzliche Zwischenschritte für den Auftraggeber – komfortabler geht es nicht. «Unsere Software vereinfacht etliche Arbeitsschritte, die bei der Textproduktion oder Übersetzung anfallen, denn wir wollten eine möglichst einfache Lösung für uns und unsere Kunden», sagt Blättler. «Unser System lässt sich ohne Schwierigkeiten an jedes CMS unserer Auftraggeber anbinden. Damit haben wir auch vielen grösseren Konkurrenten etwas voraus.» 2009 war Supertext sogar als Finalist für den Red Herring 100 Europe nominiert, einen der wichtigsten Awards für Technologie-Start-ups.

Sprachpapst Wolf Schneider prägte das Bonmot: «Beim Text muss sich einer quälen, der Absender oder der Empfänger. Besser ist, der Absender quält sich.» Das ist auch das Argument, mit dem Supertext seine Kunden ködert. Über 1500 Auftraggeber zählen bereits zum Kundenstamm der Agentur, unter ihnen die Marketing-und Kommunikationsabteilungen von mittleren und grösseren Unternehmen, Agenturen wie Wirz, Unic und Burson-Marsteller sowie Marken wie Ovomaltine, Swissmilk, Toshiba, Digicomp, Ochsner-Sport, OBI, Amag Retail oder Ebay. Der Texteinkauf rechnet sich: «Wir sind kein Billiganbieter und machen bei der Textqualität keine Abstriche. Aber durch die automatisierten Prozesse sind wir effizienter und können einen erstklassigen Preis bieten», sagt Fabian Dieziger (34), der bei Supertext für das Kaufmännische zuständig ist. «Wir verkaufen Lösungen: Wir liefern beispielsweise innerhalb von 24 Stunden zehn Slogans für knapp 1000 Franken.» Wer schon einmal unter Termindruck einen Slogan kreieren musste, weiss, dass das nicht teuer ist.

Die Bearbeitung oder Erstellung von Texten rechnet Supertext nicht nach Stunden ab, sondern nach Textkomplexität, Zeichenmenge und der Anzahl der aufgebotenen Texter: Ein Text für ein Inserat beispielsweise ist günstiger als ein Pressetext; wenn der Kunde statt von einem Texter Vorschläge von drei Textern wünscht, muss er dafür tiefer in die Tasche greifen. Auch Express¬lieferungen kosten extra, Auftraggeber können zwischen fünf Tem-po-und Preisstufen wählen: 6 Stunden, 24 Stunden, 48 Stunden, drei Tage oder eine Woche. Für den Auf¬traggeber ist von Anfang an klar, was ihn die Quälerei der Supertexter kosten wird.

Für die Qualität der ausgelieferten Texte sorgt Supertext mit Netz und doppeltem Boden: Jeder deutsche Text wird vor der Auslieferung von einem Korrektor gegengelesen, Übersetzungen werden nur von Muttersprachlern durchgeführt und danach noch einmal von einem Native Speaker redigiert. Denn eine gute Übersetzung ist nur eine, die nicht als Überset¬zung erkennbar ist. Ausserdem durchlaufen alle Übersetzungen ein Software-Tool, das sicherstellt, dass firmenspezifische Formulierungen und Begriffe nicht in jedem Text anders übersetzt werden. So bleibt das Wording auch in der Fremdsprache einheitlich. Und sollte ein Auftraggeber trotzdem einmal nicht zufrieden sein: Eine Nachbearbeitung ist bei jedem Auftrag im Preis inbegriffen.

Vielseitiges Trio

Rinaldo und Fabian Dieziger und Rémy Blättler sind in Eschenbach SG geboren und aufgewachsen. Rinaldo ist eineinhalb Jahre älter als sein Bruder, Fabian und Rémy gehen in die gleiche Schulklasse. Die beiden werden Freunde und auch Rinaldo versteht sich gut mit dem Jugendfreund seines Bruders. Trotzdem laufen die Wege der drei nach dem Schulabschluss erst einmal auseinander: Rinaldo, der als Bub eigentlich Sportreporter, Astronaut, Archäologe oder Gemeindeammann wie sein Vater werden wollte, geht nach der Matura für drei Jahre als Juniortexter zur St. Galler Werbeagentur Tomcat. Danach wechselt er nach Zürich zu Publicis und textet schliesslich für Spillmann/Felser/Leo Burnett. Nach einer Weltreise unterstützt er auf Einladung eines Freundes das St. Galler Institut für Jungunternehmen bei einem Messeauftritt und verfasst als Freelancer die Websitetexte des Instituts. Fortan will Rinaldo nur noch ei¬nes: Unternehmer werden. «Wenn jeder im Raum ein eigenes Unternehmen hat, nur du selbst nicht», sagt er, «dann kommst du schon ins Grübeln.»

Fabian orientiert sich Richtung Logistik: Nach der Lehre als Speditionskaufmann bei Welti-Furrer geht er als Distributionslogistiker zu Mettler-Toledo, macht an der Zurich Business School eine Weiterbildung zum Betriebswirtschaftler, wechselt 1998 als Verkaufslogistiker zur Dübendorfer Ascom Telematic und übernimmt schliesslich die stellvertretende Leitung des Bereichs Internationale Umzüge bei Welti-Furrer. 2002 übernimmt er dort als Mitglied der Geschäftsleitung die Verantwortung für den Bereich Kunsttransporte und -lagerungen.

Rémy, der als Knabe davon geträumt hatte, Autodesigner oder Architekt zu werden, macht eine Elektronikerlehre bei der Siemens-Tochter Cerberus, absolviert an der HSR Rapperswil einen Bachelor in Informatik und geht anschliessend mit einem Siemens-Stipendium an die Northwestern University Chicago. Dort macht er seinen Master in Computer-Enginee¬ring. Danach startet Blättler in der IT-Abteilung der New Yorker UBS-Filiale. Zwei Jahre später wechselt er zu Sungard, einem auf Finanzsoftware spezialisierten Hightechunternehmen. Dort erreicht ihn 2005 eine Anfrage aus der alten Heimat: Die beiden Dieziger-Brüder wollen wissen, ob er sich vorstellen könne, mit ihnen ein Text-Unternehmen zu gründen.

Plan mit Zukunft

Während seiner Zeit am Institut für Jungunternehmen ist Rinaldo Dieziger von etlichen jungen Unternehmern umgeben. Das inspiriert ihn. Er entwickelt verschiedene Businesspläne, darunter auch den für eine Internet-Textagentur, der er 2005 Leben einhauchen will. Sein Bruder Fabian ist sofort von der Geschäftsidee begeistert und beschliesst, Rinaldo bei der Firmengründung zu unterstützen – auch wenn die Selbstständigkeit für ihn ein «Retour zur Bescheidenheit» bedeutet. Immerhin ist Fabian Dieziger inzwischen in der Direktionsetage angelangt, mit Verant¬wortung für zwölf Mitarbeiter und einem entsprechenden Gehalt. Trotzdem tauscht er Chefses¬sel gegen Ikea-Stuhl: «Mich hat es gereizt, ein eigenes Unternehmen mit aufzubauen, etwas in Bewegung zu setzen und etwas ganz Neues zu lernen», sagt er. «Bis März 2007 war ich fest bei Welti-Furrer engagiert und konnte es kaum abwarten, endlich mit voller Kraft bei Supertext zu starten.»

Rémy Blättler fühlt sich sehr wohl in New York. Trotzdem verlässt er die Stadt schweren Herzens, weil ihn die Herausforderung, eine eigenes System zur Geschäftsidee seiner beiden Schulkollegen zu programmieren, allzu sehr lockt. In langen New Yorker Nächten ertüftelt er einen ersten Software-Prototyp und schlägt Ende 2006 für Supertext sogar einen lukrativen Job bei einer Grossbank aus. Anfang 2007 steigt der IT-Experte schliesslich endgültig bei Super¬text ein. «Eigentlich war ich davon ausgegangen, dass das Supertext-IT-Projekt nach etwa zwei Wochen abgeschlossen ist», erinnert sich Blättler und lacht. «Darum bin ich zwei Jahre zwischen Zürich und New York gependelt, bevor ich 2009 meine Zelte in den USA abgebrochen habe. Inzwischen bin ich fünf Jahre bei Supertext und es macht mir riesigen Spass. Es ist ein tolles Gefühl, aus absolut nichts etwas aufzubauen. Ausserdem muss ich nie etwas machen, weil mir jemand sagt, dass ich das muss – ich weiss immer, wieso ich es tue.» Rinaldo Dieziger blickt stolz auf die vergangenen fünf Jahre zurück: «Als ich 1997 als Juniortexter in die Werbung einstieg, hat mir der Spruch von Tom Monahan gefallen: ‹Werbung ist der Rock ’n’ Roll der Geschäftswelt.› Kürzlich hat einer unserer grössten Konkurrenten über Supertext gesagt: ‹These are the Rock ’n’ Roll Guys of the Industry.›» Welch ein Kompliment.

Drei an einem Strang

Die drei Supertext-Inhaber könnten unterschiedlicher nicht sein. Der Texter, der Kaufmann und der IT-Spezialist haben nicht nur ganz verschiedene Ausbildungen und Kompetenzen, sondern auch sehr unterschiedliche Charaktere. Doch genau das macht ihren Erfolg aus: Sie ergänzen sich perfekt und decken alle zentralen Verantwortungsbereiche im Unternehmen ab, von der Kreation über die Administration bis zur IT. Gleichzeitig sind sie sich einig darüber, dass «ihr Baby» wachsen und gedeihen soll. Rinaldo Dieziger: «Wir hatten von Anfang an ehrgeizige Ziele, schliesslich haben wir mit Supertext eine Marktlücke entdeckt.»

Offenbar: Die Agentur hat sich in den vergangenen fünf Jahren vom ambitionierten Drei-Mann-Unternehmen zur gut laufenden Textagentur mit neun fest angestellten Mitarbeitern, einem Texterpool mit über 300 Fachleuten und mehr als 1500 Kunden gemausert. «Bis 2007 haben wir alle Kraft in das Konzept und in die Entwicklung gesteckt und die Aufträge nebenbei abgewickelt», erzählt Fabian Dieziger. «Dann haben wir eine telefonische Verkaufsoffensive gestartet, die Supertext den entscheidenden Kick gegeben hat. Auf Drängen unserer Kunden haben wir 2007 ausserdem den Übersetzungsservice lanciert. Seither sind wir keine reine Textagentur mehr, sondern ein Sprachdienstleister.»

Die drei Supertexter haben weitere grosse Pläne: Sie wollen in den nächsten ein, zwei Jahren Agentur-Filialen im Ausland eröffnen, zunächst in Deutschland und Frankreich, später auch in den USA und Südamerika. Blättler und sein IT-Team sind bereits dabei, die Supertext-Software mehrsprachig aufzubauen.

Seltener Filmriss

Natürlich hat es in der Entwicklung von Supertext auch schwarze Tage gegeben. Zum Beispiel den vergeblichen Besuch eines Fernsehteams vom SF, über den die drei Firmengründer heute zum Glück lachen können: «In unserer Firmengeschichte gab es exakt einen Tag, an dem niemand im Büro war», erzählt Fabian Dieziger. «Ausgerechnet als ein SF-Fernsehteam bei uns vorbeischaute, um für die ‹Tagesschau› einen Bericht über Start-ups zu drehen und mit uns ein Interview zu führen, waren wir alle drei in New York. Fast eine Million Schweizer schauen die Tagesschau und hätten von uns erfahren – und wir sind nicht im Büro!»

Diese Panne belegt: Für Rinaldo und Fabian Dieziger und Rémy Blättler gibt es trotz allem Einsatz für ihre Agentur ein Leben neben Supertext. Rinaldo Dieziger ist derzeit vor allem mit seiner sieben Monate alten Tochter Estella beschäftigt, die ihn begeistert und mitreisst. Ausserdem träumt er davon, einmal etwas zu schreiben, das auch in 100 Jahren noch gelesen wird, und versucht, das Klavierspielen nicht zu verlernen. Auch sein Bruder Fabian ist ein Familienmensch: Als Vater einer zwölfjährigen Tochter und dreifacher Götti ist er permanent mit jungen Leuten auf Achse. In ruhigeren Stunden liest, backt und kocht er gern, Inspiration findet er auf Reisen. Rémy Blättler braucht als Ausgleich zur Programmierarbeit Reisen und Töfffahren und hegt insgeheim den Traum, einmal ein Boutiquehotel mit einer fantastischen Aussicht zu eröffnen. Wer dann die knackigen Werbeslogans für das Hotel texten wird, dürfte bereits heute klar sein.

Anne-Friederike Heinrich

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