Zu guter Letzt: Not macht kreativ

In China werden viele Inhalte aus dem Web herausgefiltert: Schimpfwörter, Pornographie oder Kritik am Regime haben keine Chance, von den Chinesen gelesen oder konsumiert zu werden. Neue Wortschöpfungen sollen Abhilfe schaffen.

Ein chinesischer Künstler hat die schönsten Sprachschöpfungen in Bildern verewigt. Da sieht man zum Beispiel Marilyn Monroes Körper mit Maos Kopf drauf – Maorilyn Maoroe – auf einem Alpaka sitzen. Im chinesischen Web sind diese Tiere als «Gras-Schlamm-Pferde» bekannt, die ein Symbol für den kreativen Widerstand gegen die Internetzensur sind. Hintergrund zum Gras-Schlamm-Pferd ist folgender: Zu den Kraftausdrücken, die in China herausgefiltert werden, gehört auch eines, das Cao Ni Ma ausgesprochen wird. Schreiben kann man diese Lautfolge sehr unterschiedlich, eine Variante heisst übersetzt «Gras-Schlamm-Pferd» – die andere Variante ist eine deutliche Aufforderung, mit der eigenen Mutter ins Bett zu hüpfen.

Auf dem Kopf des Maoroe-Alpakas sitzt die «Tal-Taube», ausgesprochen Gu Ge, was ähnlich tönt wie die Aussprache von Google. Vor dem Gras-Schlamm-Pferd laufen einige Maoroe-Fans, einer davon hält eine Flagge in die Höhe, auf der die Zeichen des Flusskrebses stehen – ein weiteres chinesisches Web-Fabelwesen: Die Schriftzeichen werden ähnlich ausgesprochen wie jene für Harmonie, was eine Anspielung auf die Filterung von Web-Inhalten ist; die Machthaber wünschen sich schliesslich eine «harmonische Gesellschaft»…

Die Website des Künstlers wurde übrigens – wie könnte es anders sein – in der Volksrepublik China blockiert; viel schneller, als er selbst es erwartet hat, sind die Behörden hinter seine revolutionären Absichten gekommen. Aber so schnell lässt er sich nicht unterkriegen – er versucht nun, seine Werke über Hintertürchen in China zu streuen. Wir wünschen ihm dabei viel Erfolg.

> Bilder des Künstlers auf Spiegel.de anschauen

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