Aufgespiesst: Fronkreisch, Fronk-«kreisch!»

Werbewoche-Redaktorin Anne-Friederike Heinrich über verständliche Sprachprobleme im Nachbarland.

Die spinnen, die Römer!», heisst es immer bei Asterix. Spätestens jetzt ist klar: Die Franzosen spinnen auch. Dass die Herrschaften aus der Grande Nation, sagen wir, ein wenig eigen sind – vor allem wenn es um ihre Kultur (Sie wissen schon: «Jeanette, Baguette, Cigarette») und ihre Sprache geht –, mussten schon viele von uns am eigenen Leib erfahren. Beim Versuch, ein Stangenweissbrot zu kaufen zum Beispiel. Oder bei der Frage nach dem Weg in nicht ganz perfektem Französisch. Es ist, als spräche man mit Schwerhörigen. Oder Tauben. Aber jüngste Ereignisse zeigen, dass die (Sprach-) Macke der Franzosen noch viel schlimmer ist, als bisher gedacht. Seit 1994 wacht das Sprach-FBI «Délégation générale à la langue française (DGLF)» darüber, dass für Werbung, Beschriftungen und Bedienungsanleitungen aller in Frankreich angebotenen Produkte sowie für Publikationen, im Fernsehen und im Radio Französisch verwendet wird. Und zwar Französisch-Französisch. Wer lebendig spricht und es zulässt, dass sein französischer Wortschatz durch Fremdwörter bereichert wird, muss per Gesetz mit drakonischen Strafen rechnen. Vor allem die durch viele technische Neuerungen eingeschleppten Anglizismen haben die Grenouilles auf dem Kieker. Man munkelt, in den Gemächern der DGLF sei eine Köpfmaschine (franz. «Guillotine») aus Robbespierres Privatsammlung aufgestellt. Bereits einige Freisprecher seien nach einer Vorladung bei der Behörde spurlos verschwunden …

So viel Zeit muss sein

Jetzt mal im Ernst: Natürlich haben die Franzosen recht. Klingt doch «fournisseur d'accès à l'internet» einfach schöner als «Internetprovider», «accès sans fil à l'internet» besser als «wireless Internet Access», «informatique en nuage» aparter als «Cloud-Computing», «l'ordinateur» hochwertiger als «Computer» und selbst «bloc» hat einen edleren Touch als «Blog» (weitere Begriffe: http://franceterme.culture.fr). Das französischfranzösische Sprechen ist zwar ein wenig komplizierter und dauert ein wenig länger – aber entschuldigen Sie mal, das Französische hat Jahrhunderte für seine Entstehung gebraucht. Da wird ja wohl genug Zeit für ein paar längere Sätze sein!

Nach den Social Networks, die logischerweise in Frankreich nur «les réseaux sociaux» genannt werden dürfen, geht es jetzt auch Twitter und Facebook an den Kragen. Schliesslich sind beides Marken, ihre Nennung ist Schleichwerbung und die ist seit 1992 – ein weiteres Gesetz – auch verboten. Darauf kam kürzlich die französische Regulierungsbehörde für Fernsehen und Rundfunk «Conseil supérieur de l'audiovisuel». Stimmt eigentlich. Pardon, correctement complètement! Im Radio oder im Fernsehen darf also nicht mehr auf Facebook- oder Twitter-Accounts hingewiesen werden, jedenfalls nicht mit den bösen F- und T-Worten. Allerhöchstens ein Verweis allgemeiner Art ist gestattet, etwa so: «Suivez-nous sur réseaux sociaux.» Na prima. Womit telefonieren die Franzosen eigentlich? Sicher nicht mit dem iPhone. Und mit dem Smartphone wohl auch nicht. Merde! Dagegen ist der Kampf gewisser Parteien um Schweizerdeutsch im Kindsgi ja geradewegs harmlos. Immerhin sind bei der Kinderbetreuung alle Schweizer Dialekte gestattet. Sogar Walliserdiitsch.

Abschaffung der Lebendigkeit

Von wegen Grande Nation. «Kreisch», kann ich da nur kommentieren. Verrate bloss keiner den Franzosen, dass viele Elemente und Begriffe ihrer Sprache dem Germanischen, dem Fränkischen und gar dem Keltischen entstammen, zum Beispiel die Zählweise im Zwanziger-System, die das Standardfranzösische bis heute beibehält. Sonst kommen die Seine-Söhne glatt auf die Idee, sich selber abzuschaffen. Obwohl, vielleicht sollte es ihnen mal jemand sagen …
 

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