Podiumsdiskussion: «Qualität in den Medien – kontrollier- und finanzierbar?»
Die vom Präsidenten der Schweizer Werbung SW und Präsidiumsmitglied der Schweizer Medien, Ständerat Filippo Lombardi (CVP, TI), mitinitiierte neue parlamentarische Gruppe Medien und Kommunikation (GMK) traf sich Mitte März erstmals zu einem Podiumsgespräch in Bern. Diskutiert wurde die Frage der Qualität in den Medien.
Lombardi machte in seiner Begrüssung klar, dass es sich bei der GMK nicht um eine Gruppe für oder gegen die SRG handle. Vielmehr werde in der Politik zu wenig über Medien oder auch die kommerzielle Kommunikation diskutiert, und das wolle man ändern. Unter der Leitung von Filippo Leutenegger, Verleger und Nationalrat (FDP, ZH) diskutierten danach Kurt Imhof (Professor an der Universität Zürich), Matthias Ramsauer (Vizedirektor Bundesamt für Kommunikation Bakom), Jürg Bachmann (Präsident Verband Schweizer Privatradios) und Marc Friedli (Geschäftsführer Tele M1) über die Qualität der Medien sowie deren Finanzierbarkeit. Grundlage der Diskussion waren zwei Studien, einerseits Imhofs Studie «Qualität der Medien», welche mit den Schweizer Medien hart ins Gericht geht, andererseits die Bewertung der konzessionierten elektronischen Medien der Schweiz durch das Bakom.
«Und sie schenkten sich nichts, die Gesprächsteilnehmer», kommentiert Urs Schnider, Kommunikationsbeauftragter bei der SW, die Diskussion. Marc Friedli stellte die Qualität der Studie in Frage: Mit dieser Studienanlage, so Friedli, hätte ein x-beliebiger Privat-TV-Sender, der ganz ohne Eigenleistungen auskommt, der Primus dieser Studie werden können, das könne ja wohl nicht sein. «Die Studie hat unser Produkt geschädigt», so der Geschäftsführer von Tele M1. Und bei den Quoten, welche Tele M1 ausweise, könne man ja nicht ganz falsch liegen mit dem Programm. Daraufhin prangerte Imhof den «Ratingfetischismus» an: Es sei falsch, ausschliesslich die Quote als Kriterium für Qualität heranzuziehen, so Imhof. Tele Zueri und Tele M1 seien die Speerspitze des Trash – und deren Nachrichtensendungen seien « reiner Trash», so Imhof ungnädig.
Der Schlagabtausch fand vor rund 35 Gästen, Parlamentarier verschiedener Parteien sowie einigen Verlegern statt. Ein Thema war auch das Gebührensplitting (RTVG). Jürg Bachmann bot schliesslich einen möglichen Ansatz, wie die (Schuldzuweisungs-)Diskussion beendet werden könne: Das Problem sei nicht die Qualität, sondern die Definition der Qualität. Hier müssten sich die Kontrollierten und die Kontrollierenden zusammensetzen und Kriterien ausarbeiten, die mit einer hieb- und stichfesten Methodik überprüft würden.
Selbstkannibalisierung und Qualitätszerfall
(Gastkommentar von Stephan Russ-Mohl, Leiter des Europäischen Journalismus-Observatoriums an der Universität Lugano, zum Jahrbuch «Qualität der Medien».)
