Neue Handicaps für die Golftitel

St. Galler Tagblatt lanciert im Frühjahr ein neues Golfermagazin

St. Galler Tagblatt lanciert im Frühjahr ein neues GolfermagazinVon Daniel SchifferleDie Golfzeitschriften sind in Aufruhr: Eine weitere Neulancierung für diesen Trendsportbereich aus dem Hause St. Galler Tagblatt sucht ab Frühjahr Leser und Inserenten. Doch im kleinräumigen Schweizer Markt habe ein weiterer Golfertitel nur Platz, wenn einer der bisherigen verdrängt werde, sind sich die Konkurrenten einig.
Der Markt der Golftitel kommt nicht zur Ruhe. Kaum hat sich das Nebeneinander von Urs Dilliers Golf & Country und Ursula Meiers Verbandszeitschrift Golf Suisse einigermassen eingependelt, ist bereits wieder ein neues Konkurrenzprodukt unterwegs. Dieses Mal ist es die NZZ-Tochter St. Galler Tagblatt, die im Frühjahr ein monatliches Magazin rund um den Golfsport lancieren will. Dies bestätigte Hans-Peter Klauser, Geschäftsleiter des St.Galler Tagblatts, der WerbeWoche. Details mochte Klauser allerdings keine verraten, da man noch voll in der Planung des neuen Magazins drin stecke.
Eines ist hingegen bereits jetzt klar: Das neue Heft wird den Markt der Golftitel erneut aufmischen – und für blutige Köpfe sorgen –, darüber sind sich die Kontrahenten einig. «Der Markt ist voll abgedeckt», ist Urs Dillier überzeugt. Auch Ursula Meier glaubt: «Ein neues Heft kann sich nur auf Kosten der bestehenden Titel etablieren.»
Das sind derzeit in erster Linie die beiden Marktleader Golf & Country und Golf Suisse, die beide sowohl den Deutschschweizer wie den Westschweizer Markt bedienen. Von der angekündigten neuen Konkurrenz weniger zu fürchten haben hingegen Golf & Sports Events, das nur in der Romandie erscheint, sowie das viermal jährliche publizierte Golf & Life, das mit seiner zweisprachigen Ausgabe ebenfalls den Tessiner Markt abdeckt.
Im Markt der Golftitel herrschen Saisonzwänge
Doch für die beiden Marktleader dürfte es mit einem weiteren Konkurrenten eng werden. Insbesondere im Inserentenmarkt sieht Piero Schäfer Engpässe. Er besorgt mit seinem Büro für Publizistik Redaktion und Desktop-Publishing für Golf Suisse. «Wir machen heute sechs Ausgaben pro Jahr und kommen damit über die Runden», sagt Schäfer, «zusätzliche Ausgaben würde der Anzeigenmarkt aber kaum finanzieren.»
Eine weitere Klippe, die Piero Schäfer in den drei Jahren seit Bestehen von Golf Suisse kennengelernt hat, ist die enorme saisonale Abhängigkeit: «Im Frühjahr boomt jeweils der Inserentenmarkt, denn zum Auftakt der Saison wollen jeweils alle inserieren, die mit Golf etwas zu tun haben. Doch im Herbst und Winter wird es dann sehr schwierig.» Und auch Konkurrent Dillier ist überzeugt, dass die Zielgruppe Golfer grenzenlos überschätzt werde.
Und er muss es ja wissen, denn als Ursula Meier vor etwas mehr als drei Jahren ihr Golf Suisse auf den Markt brachte, bahnte sich für Golf & Country ein schmerzhafter Aderlass an. Allein zwischen 1998 und 1999 schrumpfte die verkaufte Auflage von 8239 auf 5420 Exemplare. Und dabei hatte Dillier das neue Heft selber provoziert.
Gerade erst hatte er das von seinem Vater vor rund 50 Jahren gegründete Golf & Country von den Berner Tagblatt Medien zurückgekauft und mit seinem Golfmagazin zusammengelegt, als er sich auch schon mit Piero Schäfer überwarf, der für das fusionierte Heft Redaktion und Desktop-Publishing besorgt hatte. Der geschasste Schäfer gründete daraufhin zusammen mit dem Volketswiler Medienverlag Meier das Magazin Golf Suisse.
Dabei gelang ein wichtiger Schachzug: Golf Suisse wurde Mitgliederzeitschrift des Golf-verbandes Association Suisse de Golf (ASG), während Golf & Country seine bisherige Funktion als Publikationsorgan des Verbandes einbüsste. Mit den erwähnten fatalen Folgen für die Entwicklung der Auflage.
Ein Golfmagazin als Ersatz für das geschwächte Smash?
Wie wichtig die Zusammenarbeit mit dem Golfverband für den Erfolg eines Magazins ist, hatte sich bereits vor drei Jahren deutlich gezeigt. Eine Zusammenarbeit, an der sich laut Golf-Suisse-Herausgeberin Ursula Meier vorderhand auch nichts ändern werde. «Denn wir haben mit der ASG einen mehrjährigen und exklusiven Vertrag», sagt Meier.
Aber weshalb will das St. Galler Tagblatt trotzdem den Versuch mit einem neuen Golfer-heft wagen? Ein wichtiger Grund könnte der bevorstehende Aderlass für das Tennismagazin Smash sein, neben dem man rechtzeitig ein weiteres Standbein im Bereich Sportmagazine etablieren möchte.
Golfer spielen die Tennis-Cracks an die Wand
Denn per Januar 2002 hat der Verband Swiss Tennis den Pflicht-Abonnement-Vertrag mit Smash gekündigt. Der Grund für dieses Vorgehen: Der Tennisverband setzt künftig auf das Internet für die Information seiner Mitglieder und ist deshalb nicht mehr im gleichen Umfange wie bisher auf ein Partnermagazin angewiesen. Das heisst, Smash muss der Übergang zu einem ganz normalen, marktfähigen Magazin gelingen.
Und das ist angesichts der aktuellen Entwicklung gar nicht so einfach. Denn wie sich seit einigen Jahren zeigt, wird Tennis immer mehr vom Golfsport abgelöst. Da macht es durchaus Sinn, auch publizistisch auf den neuen Trend zu setzen.

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