Keine Ruhe im Contentmarkt

Swisscontents Aktivitäten zeigen neue Tendenzen im Geschäft mit Inhalten

Swisscontents Aktivitäten zeigen neue Tendenzen im Geschäft mit InhaltenVon Alessandro MonachesiDie horizontalen Portale sind gebaut und mit News versorgt. Doch die Jagd nach vertikalen Inhalten ist immer noch in vollem Gange. Swisscontent versucht, sich in eine gute Ausgangslage zu manövrieren.
Die Jahre 1999 und 2000 müssen Contentlieferanten im Rückblick wie das goldene Zeitalter erscheinen: Portale und neue Websiteprojekte schossen damals wie Pilze aus dem Boden. Und alle brauchten sie Content. In der Folge wimmelte es im Netz bald von Onlineredaktionen und Medienunternehmen, die sich ein Stück vom Kuchen sichern wollten.
Heute ist die Zeit der grossen Portalankündigungen vorbei. Allenfalls längst angekündigte Nachzügler versuchen noch, ihren Platz an der Sonne zu ergattern. Wer nun aber glaubt, damit sei im Contentmarkt ebenfalls Ruhe eingekehrt, der irrt: Die letzten drei Monate haben neue Partnerschaften, Kundengewinne und Tendenzen an den Tag gebracht.
Denn die Aussage, die Schweizer Portallandschaft sei gebaut, trifft nur begrenzt zu. Umfassende horizontale Portale werden zwar kaum noch gebaut werden, das gilt aber nicht für Plattformen, die sich einem bestimmten Thema widmen: Im Gebiet Finanz und Wirtschaft beispielsweise sind mehrere Projekte angekündigt. Erst vor kurzem ist mit Moneycab.ch ein neues Finanzportal online gegangen. Moneycab-CEO Markus Gisler bringt gleich seine eigene achtzehnköpfige Redaktion mit. Noch immer erwartet werden der Netzauftritt der Postfinance und das Finanzportal Redsafe der Swisslife sowie weitere Bankenprojekte.
Nach wie vor gefragt sind zur Hauptsache Finanzinfos
Doch nicht nur die neuen vertikalen Portale sind potenzielle Abnehmer spezialisierter Inhalte. Günther Nierlich, CEO von
T-Online Schweiz, ist überzeugt, dass neben Reisen und Hobby vor allem der Finanzbereich der gefragteste Content ist. T-Online möchte seinen Content ausbauen und Teile davon kostenpflichtig machen. Der Finanzbereich dürfte dazu gehören.
Sunrise will mit Hilfe der Basler Mediengruppe und deren attraktiven Titeln (Basler Zeitung, Beobachter, Bilanz, TR7, Weltwoche) den Content des Portals erweitern. Da Sunrise bereits über eine breite Newspalette verfügt, ist anzunehmen, dass auch hier grosses Interesse an vertikalen Inhalten vorhanden ist.
Der Swisscontent-Motor läuft auf vollen Touren
Das immer noch wachsende Bedürfnis nach vertikalen Inhalten kommt der Inhaltsanbieterin Swisscontent Corp. wie gerufen. Diese hatte mit der schweizerischen Post die Verlagsgesellschaft Yellowcontent Corp. gegründet, die die publizistischen Inhalte für Yellowworld liefert.
Als die Post Mitte Mai vor den Medien zugab, dass das Konzept mit einer breiten Service- und Newspalette die erhoffte Eigenwirtschaftlichkeit klar verfehlt habe, rechneten Insider damit, dass Yellowworld sich vermehrt auf die Kernkompetenzen der Post besinnen und mitunter starke Einschneidungen im Newsbereich vornehmen würde. «Wir werden die News nicht streichen», widerspricht dem Oliver Flüeler, Pressesprecher der Post: «Ein attraktives Portal braucht guten horizontalen Content.»
Noch ist die Stossrichtung der angekündigten Straffungen nicht entschieden, doch laut Flüeler wird die Zusammenarbeit mit Swisscontent nicht tangiert. In erster Linie sollen die erst geplanten vertikalen Channels gestrafft werden.
Good News für Swisscontent, die in den letzten Monaten zudem eine ganze Reihe neuer Kunden bekannt geben und damit das Klumpenrisiko deutlich vermindern konnte: Ende März das E-Board im HB Zürich, Mitte April das Portal Orangeworld und Ende April Redsafe.
Mit der Wirtschafts-Medien AG, Herausgeberin der Bilanz, hat Swisscontent eine Kooperation in umgekehrter Richtung vereinbart und nimmt künftig selber Inhalte der Bilanz entgegen. Neben der Bilanz sind gemäss Bendicht Luginbühl, CEO von Swisscontent, weitere Kooperationen mit Lieferanten von Wirtschaftscontent geplant. Dies, obwohl die eigene Wirtschaftsredaktion erst kürzlich ausgebaut wurde. «Auch Postfinance beliefern wir demnächst insbesondere mit Wirtschaftscontent», lässt Luginbühl verlauten.
Der Bilanz-Deal zeigt eine neue Qualität im Geschäft mit vertikalen Inhalten auf: Der Contentlieferant fokussiert sich auf den lukrativen Schwerpunkt Finanz und Wirtschaft und wird dabei selber zur Contentempfängerin. Die Vorzeichen wechseln, wohl nicht nur bei Swisscontent; eine interessante Entwicklung, die zeigt, dass noch lange keine Ruhe im Contentmarkt einkehren wird.

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