Hofsprecher und Hofnarr zugleich
Der reformierte Kirchenbote für acht Kantone erhält ein neues Konzept und Layout
Der reformierte Kirchenbote für acht Kantone erhält ein neues Konzept und LayoutVon Markus Knöpfli Auf das Jahr 2002 hin wird eine Reihe reformierter Mitgliederzeitungen erneuert. Die drittgrösste von ihnen, der interkantonale Kirchenbote, erscheint neu in acht Kantonen im Kopfblattsystem mit 13 Splitausgaben. Ohne Anzeigen.
Am 28. Dezember erscheint der interkantonale Kirchenbote, die Mitgliederzeitung der evangelisch-reformierten Kantonalkirchen von Basel-Stadt, Baselland, Solothurn, Schaffhausen, Luzern, Obwalden, Schwyz und Uri, erstmals mit neuem Konzept und Layout in 160000 Haushalten. Das Layout stammt vom Zürcher Grafiker Karl Heinz Gebert (NZZ Folio, Nikon News).
Der bisherige interkantonale Kirchenbote hatte einen gemeinsamen Mantel und im zweiten Bund verschiedene Regionalteile. Neu jedoch soll das Blatt näher zu den Gläubigen und erscheint deshalb im Kopfblattsystem mit 13 kantonalen und teils auch regionalen Splits.
Auch das journalistische Konzept ändert. Statt wie bisher primär PR- und Pressetexte kirchlicher Gruppen und Gremien abzudrucken, soll die Redaktion in Basel mit ihren insgesamt 520 Stellenprozenten nun das kirchliche Geschehen in den Kantonen beobachten und recherchieren, gemäss Leitbild «in kritischer Loyalität zur Kirche».
Jörg Ferkel, Präsident der Herausgeberkommission, sagt es so: «Der Kirchenbote soll nicht nur 100-prozentiger Hofsprecher, sondern auch Hofnarr sein.» Die Grenzen sind allerdings klar: Die Kantonalkirchen und Gemeinden finanzieren das Blatt. «Deshalb besteht auch eine innere Abhängigkeit», sagt Ferkel. Der neue Chefredaktor Tilmann Zuber, Pfarrer, MAZ-Absolvent und zeitweise Leitender Redaktor beim Zürcher Kirchenboten, will aber durchaus auch heisse Eisen anpacken.
Zudem soll das Blatt explizit nicht nur Kirchenmitglieder, sondern auch Kirchenferne ansprechen. Unter anderem mit Themen, die auch mal kirchenintern provozieren, wie die kürzlich erschienene Nummer zum Thema Esoterik.
Der interkantonale Kirchenbote hat ein jährliches Budget von 1,2 Millionen Franken, Versandkosten exklusive. Auf Inserateeinnahmen wie etwa beim Zürcher Kirchenboten (siehe Kasten) wird verzichtet. Zwar bestehe gemäss Publicitas ein gewisser Markt, sagt Ferkel, das würde jedoch lediglich die Mehrkosten für die dafür notwendige Erweiterung des Blattes auf 16 Seiten decken. «Zudem wollten wir jetzt das Fuder nicht überladen», sagt Ferkel.
Übrigens: Die Kirchenboten von St.Gallen (70000 Exemplare) und Glarus (8700 Exemplare) erhalten ebenfalls per 2002 ein neues Design. Der St.Galler Kirchenbote wurde vom Büro TGG in St.Gallen gestaltet. Der Glarner Kirchenbote hingegen gehört derzeit noch zum interkantonalen Kirchenboten, sprang beim Neukonzept aber ab, aus Angst, der Kanton werde von der Basler Redaktion nicht genügend abgedeckt. Neu heisst das Blatt Reformiert GL. Layout und Inhalt des Mantels stammen von den Reformierten Medien in Zürich.
Andernorts sind Inserate nicht Tabu
Am 28. Dezember erscheint der interkantonale Kirchenbote, die Mitgliederzeitung der evangelisch-reformierten Kantonalkirchen von Basel-Stadt, Baselland, Solothurn, Schaffhausen, Luzern, Obwalden, Schwyz und Uri, erstmals mit neuem Konzept und Layout in 160000 Haushalten. Das Layout stammt vom Zürcher Grafiker Karl Heinz Gebert (NZZ Folio, Nikon News).
Der bisherige interkantonale Kirchenbote hatte einen gemeinsamen Mantel und im zweiten Bund verschiedene Regionalteile. Neu jedoch soll das Blatt näher zu den Gläubigen und erscheint deshalb im Kopfblattsystem mit 13 kantonalen und teils auch regionalen Splits.
Auch das journalistische Konzept ändert. Statt wie bisher primär PR- und Pressetexte kirchlicher Gruppen und Gremien abzudrucken, soll die Redaktion in Basel mit ihren insgesamt 520 Stellenprozenten nun das kirchliche Geschehen in den Kantonen beobachten und recherchieren, gemäss Leitbild «in kritischer Loyalität zur Kirche».
Jörg Ferkel, Präsident der Herausgeberkommission, sagt es so: «Der Kirchenbote soll nicht nur 100-prozentiger Hofsprecher, sondern auch Hofnarr sein.» Die Grenzen sind allerdings klar: Die Kantonalkirchen und Gemeinden finanzieren das Blatt. «Deshalb besteht auch eine innere Abhängigkeit», sagt Ferkel. Der neue Chefredaktor Tilmann Zuber, Pfarrer, MAZ-Absolvent und zeitweise Leitender Redaktor beim Zürcher Kirchenboten, will aber durchaus auch heisse Eisen anpacken.
Zudem soll das Blatt explizit nicht nur Kirchenmitglieder, sondern auch Kirchenferne ansprechen. Unter anderem mit Themen, die auch mal kirchenintern provozieren, wie die kürzlich erschienene Nummer zum Thema Esoterik.
Der interkantonale Kirchenbote hat ein jährliches Budget von 1,2 Millionen Franken, Versandkosten exklusive. Auf Inserateeinnahmen wie etwa beim Zürcher Kirchenboten (siehe Kasten) wird verzichtet. Zwar bestehe gemäss Publicitas ein gewisser Markt, sagt Ferkel, das würde jedoch lediglich die Mehrkosten für die dafür notwendige Erweiterung des Blattes auf 16 Seiten decken. «Zudem wollten wir jetzt das Fuder nicht überladen», sagt Ferkel.
Übrigens: Die Kirchenboten von St.Gallen (70000 Exemplare) und Glarus (8700 Exemplare) erhalten ebenfalls per 2002 ein neues Design. Der St.Galler Kirchenbote wurde vom Büro TGG in St.Gallen gestaltet. Der Glarner Kirchenbote hingegen gehört derzeit noch zum interkantonalen Kirchenboten, sprang beim Neukonzept aber ab, aus Angst, der Kanton werde von der Basler Redaktion nicht genügend abgedeckt. Neu heisst das Blatt Reformiert GL. Layout und Inhalt des Mantels stammen von den Reformierten Medien in Zürich.
Andernorts sind Inserate nicht Tabu
Der Berner Sämann und der Kirchenbote des Kantons Zürich sind mit 287000 beziehungsweise 260000 Exemplaren nicht nur die grössten kirchlichen Mitgliederzeitungen, sie nehmen seit gut einem Jahr auch Inserate an. Grund: Die allgemeine Finanzknappheit der Kirchen. Beide Blätter haben strenge Kriterienkataloge. Der Zürcher Kirchenbote besorgt seine Inserateakquisition selbst (eine Seite kostet 8000 Franken), der Sämann hat sie verpachtet. Beim Kirchenboten rechnet man dieses Jahr mit rund 60000 Franken Werbeeinnahmen, im 2002 mit 100000 Franken. Keine Zahlen gibt es beim Sämann, nur so viel: Die Inserate decken nicht nur die Zusatzkosten.
