Spamming für die Gehörgänge

Spamnetradio.ch produziert ab Januar Webradio für Werber

Spamnetradio.ch produziert ab Januar Webradio für WerberVon Bruno Amstutz Internetradio fristet in der Schweiz noch ein Mauerblümchendasein. Spamnetradio
.ch will diesem Missstand abhelfen – mit einem webbasierten Spartenradio, das die Werbebranche im Visier hat.
Ohne riesige Infrastruktur und Frequenzkonzession lässt sich ein Radioprogramm per Web verbreiten. Auf Empfängerseite reichen ein Computer und eine schnelle Verbindung ins Netz. Das Internet eignet sich ideal, um Spartenradio zu betreiben, trotzdem wird in der Schweiz noch kaum Gebrauch von dieser Möglichkeit gemacht.
Mit Spamnetradio.ch startet im Januar ein Pilotprojekt, welches das Potenzial des webbasierten Spartenradios aufdecken soll – mit Werbern als Versuchstieren. Sie dienen als Testpublikum für ein speziell auf die Werbebranche zugeschnittenes Programm, das jeweils am Freitagnachmittag redaktionelle Beiträge und den Rest der Woche Musik durch das Netz der Netze schickt.
Verantwortlich für das Projekt sind Roland Schmid von Jingle Jungle, zuständig für Produktion und Musikredaktion, Thomy Häusermann von Comzept, der die Technik betreut, und Dominik Schaetz von der Internetagentur Nikin, der die Website beisteuert. Sie sind überzeugt, dass Spartenradio das Radio der Zukunft ist. «Wir wollen kein massentaugliches Durchschnittsprogramm produzieren, wie es auf jedem Lokalradio zu hören ist», erklärt Schmid das Konzept, «sondern ein zielgerichtetes Programm, das die Hörer auch interessiert.» Die Werbebranche bietet dabei das ideale Tummelfeld für ein Pilotprojekt, da die Radiomacher mit der Szene bestens vertraut sind. Deshalb sehen sie auch den Freitagnachmittag als prädestinierte Sendezeit für das redaktionelle Programm, da in ihren Augen in den Agenturen bereits die Chill-out-Phase einsetzt.
Mit dem Namen Spamnetradio.ch wird schon angedeutet, worauf sich die Werber gefasst machen müssen: satirische Attacken auf die Branche und deren Exponenten und Infotainment aus der Szene über die Szene. «Das Programm wird nicht gradlinig sein, sondern mit Provokationen und Humor gespickt», kündet Häusermann an, «es soll witzig sein.» Die Moderation übernehmen gestandene Profis ihres Metiers, die auch für die Qualität der Sendungen garantieren.
Auch Häme lässt sich nun
öffentlich mitteilen
Internetradio hat neben dem einfachen Verbreitungsweg auch werbetechnische Vorteile: Für Radio im Web gelten gemäss aktuellem RTVG keine Werbebeschränkungen, und auch inhaltlich sind der Fantasie keine gesetzlichen Grenzen gesetzt. Diese Narrenfreiheit könnte allerdings das neue RTVG wieder beschneiden.
«Werber haben die Möglichkeit, nicht nur akustisch im Radio, sondern gleichzeitig visuell auf der Website oder dem Radioplayer präsent zu sein», erklärt Dominik Schaetz. Ausserdem bieten Foren auf der Website diverse Möglichkeiten, ein Feedback zu liefern.
Auf diese Weise können Anklang und Erfolg der Sendungen kontrolliert werden, und die Clickrates erlauben Rückschlüsse auf die Hörerzahlen. Wobei es den Radiomachern darum geht, die anvisierte Zielgruppe der Werber so komplett als möglich zu erreichen. Erweist sich das Projekt als Erfolg, könnten Spartenprogramme zu anderen Themenbereichen entstehen.
Am Montag, 14. Januar, geht Spamnetradio.ch zum ersten Mal auf Sendung und wird in dieser Woche die Wahl zum Werber des Jahres aufmerksam mitverfolgen und kommentieren. Unter anderem kann auf www.spamnetradio.ch als Alternative zum offiziellen Werber der Jahres der «spammigste» Werber gekürt werden. Heimliche Häme kann also ab Januar öffentlich gemacht werden.

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