«Programme abschalten ist unpopulär»
Viele Privatradioveranstalter glauben, mit der Konzession auch die Distributionsfrage gelöst zu haben
Viele Privatradioveranstalter glauben, mit der Konzession auch die Distributionsfrage gelöst zu habenBegehrlichkeiten der Zweitprogramme nach einem Kabelnetzplatz zwingen Cablecom zu einer Präzisierung ihrer Sortimentspolitik. Weder der Anspruch auf eine Aufschaltung noch die Kostenneutralität sind aber laut Paul Winiker realistisch.Die geplanten Kabelradios gelangen nicht so einfach in die Kabelnetze? Wo klemmts?
Paul Winiker: Wir wurden geradezu bombardiert mit Aufschaltgesuchen für zweite, dritte und vierte Radioprogramme. Diese Gesuche erfolgen aber zum Teil aus rein taktischen Gründen, weil man sich eine bessere Ausgangslage bei der Frequenzverteilung erhofft. Nur deswegen gehen wir aber nicht einfach so bestehende Radioprogramme abschalten. Da sind wir sehr, sehr restriktiv.
Im Kabelnetz sind rund 40 Radioprogramme empfangbar. Warum ist es so schwierig, einige dieser zumeist ausländischen Sender gegen die neuen Gesuchsteller aus der Schweiz auszuwechseln?
Winiker: Das Abstellen von Programmen ist sehr unpopulär. Dies geht nie, ohne eine Vielzahl von Kunden zu verärgern. Das heisst für die Cablecom: Rechtfertigt die Aufschaltung eines neuen Programmes, einer bestimmten Kundengruppe ein Programm wegzunehmen? Eine sinnvolle Sortimentspolitik, welche die Wünsche ihrer Kunden ernst nimmt, ist für die Cablecom von grösster Bedeutung.
Die Wünsche der Kabelkunden sind aber auch Thema einer im vergangenen Herbst erschienenen Kabelradiostudie (siehe dazu auch WW 46/01). Die von Swisscable, SRG, Radiotele und diversen Radiostationen initiierte Studie nennt klare Prioritäten für das Ab- und Aufschalten von Radioprogrammen.
Winiker: Die Studie ist uns bekannt, sie gibt uns aber kaum mehr Informationen, als wir schon vorher hatten. Bereits vor rund einem Jahr hatten wir über 20000 Cablecom-Kunden zu ihren Prioritäten bei der Nutzung von Radiosendern im Kabelnetz befragt. Dabei sagten 96 Prozent, sie seien mit dem Kabelradioangebot «zufrieden» bis «sehr zufrieden».
Verschiedene der projektierten Kabelradios scheinen sich in Sachen Distribution tüchtig verrechnet zu haben. Worin lag deren Fehlüberlegung?
Winiker: Die Distribution ist für sämtliche Medien ein sehr wichtiges Thema. Dieser Umstand wird leider von einigen Veranstaltern total vernachlässigt. Diese Veranstalter glauben, sie könnten beim Bundesamt für Kommunikation eine Konzession beantragen und hätten mit der Konzession dann auch gleich die Distribution im Sack. Dem ist aber nicht so. Andererseits ist die Distribution ja auch nicht gratis. Jede Programmaufschaltung setzt den Einsatz technischer und personeller Infrastruktur der Kabelnetze voraus. Die Frage ist natürlich immer, wer diese Kosten bezahlt.
Veranstalter wollen die Aufschaltung möglichst gratis von den Kabelnetzbetreibern. Was können Sie ihnen anbieten?
Winiker: Das ist Verhandlungssache. Eine allgemeingültige Regelung gibt es hier nicht. Für die Beurteilung wird aber immer zentral sein, ob ein Programm im vorhandenen Sortiment einen echten Mehrwert bietet. Wenn dem so ist, werden wir die Kostenfrage nicht in den Vordergrund stellen. Eine andere Frage ist dann allerdings, wie die nicht zur Cablecom gehörenden Kabelnetze reagieren. Dort haben wir keinen Einfluss. Interview: Daniel Schifferle
Paul Winiker: Wir wurden geradezu bombardiert mit Aufschaltgesuchen für zweite, dritte und vierte Radioprogramme. Diese Gesuche erfolgen aber zum Teil aus rein taktischen Gründen, weil man sich eine bessere Ausgangslage bei der Frequenzverteilung erhofft. Nur deswegen gehen wir aber nicht einfach so bestehende Radioprogramme abschalten. Da sind wir sehr, sehr restriktiv.
Im Kabelnetz sind rund 40 Radioprogramme empfangbar. Warum ist es so schwierig, einige dieser zumeist ausländischen Sender gegen die neuen Gesuchsteller aus der Schweiz auszuwechseln?
Winiker: Das Abstellen von Programmen ist sehr unpopulär. Dies geht nie, ohne eine Vielzahl von Kunden zu verärgern. Das heisst für die Cablecom: Rechtfertigt die Aufschaltung eines neuen Programmes, einer bestimmten Kundengruppe ein Programm wegzunehmen? Eine sinnvolle Sortimentspolitik, welche die Wünsche ihrer Kunden ernst nimmt, ist für die Cablecom von grösster Bedeutung.
Die Wünsche der Kabelkunden sind aber auch Thema einer im vergangenen Herbst erschienenen Kabelradiostudie (siehe dazu auch WW 46/01). Die von Swisscable, SRG, Radiotele und diversen Radiostationen initiierte Studie nennt klare Prioritäten für das Ab- und Aufschalten von Radioprogrammen.
Winiker: Die Studie ist uns bekannt, sie gibt uns aber kaum mehr Informationen, als wir schon vorher hatten. Bereits vor rund einem Jahr hatten wir über 20000 Cablecom-Kunden zu ihren Prioritäten bei der Nutzung von Radiosendern im Kabelnetz befragt. Dabei sagten 96 Prozent, sie seien mit dem Kabelradioangebot «zufrieden» bis «sehr zufrieden».
Verschiedene der projektierten Kabelradios scheinen sich in Sachen Distribution tüchtig verrechnet zu haben. Worin lag deren Fehlüberlegung?
Winiker: Die Distribution ist für sämtliche Medien ein sehr wichtiges Thema. Dieser Umstand wird leider von einigen Veranstaltern total vernachlässigt. Diese Veranstalter glauben, sie könnten beim Bundesamt für Kommunikation eine Konzession beantragen und hätten mit der Konzession dann auch gleich die Distribution im Sack. Dem ist aber nicht so. Andererseits ist die Distribution ja auch nicht gratis. Jede Programmaufschaltung setzt den Einsatz technischer und personeller Infrastruktur der Kabelnetze voraus. Die Frage ist natürlich immer, wer diese Kosten bezahlt.
Veranstalter wollen die Aufschaltung möglichst gratis von den Kabelnetzbetreibern. Was können Sie ihnen anbieten?
Winiker: Das ist Verhandlungssache. Eine allgemeingültige Regelung gibt es hier nicht. Für die Beurteilung wird aber immer zentral sein, ob ein Programm im vorhandenen Sortiment einen echten Mehrwert bietet. Wenn dem so ist, werden wir die Kostenfrage nicht in den Vordergrund stellen. Eine andere Frage ist dann allerdings, wie die nicht zur Cablecom gehörenden Kabelnetze reagieren. Dort haben wir keinen Einfluss. Interview: Daniel Schifferle
