Aufgefallen: Was hat eine Handtasche auf einem Frauenkopf verloren, und was steckt im Täschchen der langen Halbnackten?
AufgefallenWas hat eine Handtasche auf einem Frauenkopf verloren, und was steckt im Täschchen der langen Halbnackten? Wir wissens nicht und blicken verdutzt auf diese Accessoires-Kampagnen. Mag sein, dass während der Kreation der Biasia-Kampagne
Kolumne
Verdacht
Von Liz Sutter
Kapitel 48 ist dem Fleck gewidmet. Andere Kapitel sind mit «Sollbruchstelle», «Kollision» oder «Fischgräte» überschrieben. Das ganze Büchlein ist eine einzige Fundgrube für Verzwicktes und Vertracktes, ein Quell der Freude, der Schadenfreude vor allem. Es trägt den Titel «Die Tücke des Objekts» und ist der Katalog zur gleichnamigen Ausstellung, die 1991 im Museum für Gestaltung in Basel gezeigt wurde. Dem unscheinbaren Werk ist ein auffallend rotes Lesebändchen beigefügt. Dieses wurde aber – Tücke des Objekts – nicht festgemacht und geht deshalb sofort verloren. Noch tückischer ist der Umstand, dass das vielseitige Buch keine Seitenzahlen und also auch kein Inhaltsverzeichnis aufweist. So weit, so originell. Blöd ist nur, dass ausgerechnet diese kaum bekannte Publikation heimliches Vorbild für viele Gestalterinnen und Gestalter zu sein scheint. Wie anders ist es zu erklären, dass bei manchen Druckerzeugnissen alles daran gesetzt wird, dem Leser und der Leserin den Inhalt vorzuenthalten. Da werden Schriften gewählt, die vielleicht gut aussehen, aber sicher nicht gut lesbar sind, wenn möglich in einem Farbton, der sich nur minim vom Untergrund abhebt. Und da werden vor allem die Seitenzahlen an Orten versteckt, wo sie keiner erwartet. Auf Häuser übertragen würde das heissen: Man bringt die Hausnummern in Briefmarkengrösse neben dem Schlüsselloch an oder gleich auf dem Dach.
Meine kleinliche und humorlose Reaktion auf so viel Kreativität wird nur noch übertroffen von meinen Hintergedanken. Erst vermutete ich schlicht eine Verarschung der Leser. Mittlerweile fürchte ich, dass alles viel einfacher ist: So wie Frauenkleider in den meisten Fällen von Männern entworfen und Lebensmittelabteilungen von Menschen eingerichtet werden, die nicht kochen können, so wird Lesestoff eben von Nichtlesern gestaltet.
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Liz Sutter ist Journalistin.
Business Lunch
Nicht immer wirkt ein Balsamico auch wie Balsam
Zugegeben, ich mag die italienische Küche. Schliesslich bin ich damit gross geworden (mindestens 180 Zentimeter). Deshalb gabs auch keinen Widerspruch, als ein befreundeter Werber die Business-Lunch-Einladung per E-Mail zuschickte. Denn er ist klug, witzig und charmant, und noch keine Sekunde lang haben wir uns gelangweilt. Alles andere als eine greye Maus.
Stelldichein im «Gallo Nero». Schwarzer Hahn. Der war früher mal ein Qualitätsmerkmal für «Tschianti». Zum Glück wissen die beiden Chefs des Lokals, dass in Italien auch anderswo valable Crus vinifiziert werden. Auf den Tisch kam ein schöner, vollmundiger Roter aus Kalabrien. Das Menü pflegt Giovanni Annoscia den Gästen vorzutragen, das hört sich an, als stimmte Raimondo Ruggieri persönlich eine kleine Arie auf das Lob der italienischen Küche an. Die Mittagskarte lässt sich sehen, mit den Preisen (um die 30 Franken pro Teller) wird kein Schabernack betrieben. Die Entscheidung fällt auf ein Tris di Pasta für beide als Primo und auf Spargelrisotto für mein Gegenüber, während mir Kalbsleber, geschnetzelt, mit frischen grünen Spargeln und gehobeltem Parmesan aufgetischt wird. Und jetzt hört der Spass auf.
Denn Annoscia träufelt aus einem kleinen Plastikfläschchen 25-jährigen Balsamico Tradizionale di Modena über Kalbsleber und Spargel. Pech gehabt. Freunde, das war kein 25-Jähriger, nie und nimmer. Das war nicht dieser eingekochte Wein aus der Emilia-Romagna, der die letzten Jahre vor seiner Abfüllung im Maulbeerholz-Fass liegt und danach von einer gestrengen Jury (von der auch der ADC noch was lernen könnte – recte dicis, Frank Bodin, auf Seite 18) darauf hin geprüft wird, ob das Fläschchen, in das er abgefüllt wird, das begehrte Qualitätssiegel tragen darf. Der Balsamico im «Gallo Nero» lag flüssig auf dem Teller, der 25-Jährige besitzt die Konsistenz eines Sirups und ist von einem durchdringenden Aroma, das vor allem eine zart gebratene Leber noch einmal ins Schwitzen bringt, gar nicht zu reden von der grünen Spargel. Trotzdem: Geschmeckt hat sie schon, die Leber, und der Risotto präsentierte sich perfekt «all’onda». Nur beim Dessert wars wieder nicht besser. Der Cassata fehlten die kandierten Früchte. Der Hinweis, die Gäste mögen ihn ohne, passt nicht. Eine Cassata muss eine Cassata bleiben.
Aber in der Summe: Eine hübsch gelegene Location über dem See, Handys darf man auch eingeschaltet lassen. Carlo Bernasconi [email protected]
Gallo NeroMühlebachstrasse 36
8800 Thalwil
Tel. 01 720 22 32
Parkplätze 100 Meter weiter oben im Gemeindeparkhaus
