Dicker Rauch über der Jean Frey AG

Nachdem die Presse von drohenden Massenkündigungen bei der Beobachter-Belegschaft berichtet hatte und Chefredaktor Ivo Bachmann in der SonntagsZeitung

Nachdem die Presse von drohenden Massenkündigungen bei der Beobachter-Belegschaft berichtet hatte und Chefredaktor Ivo Bachmann in der SonntagsZeitungsagte, sein Team sei zum Äussersten bereit, reagierte das Management der Jean Frey AG am vergangenen Montag prompt. Nach einem Sitzungsmarathon mit der Beobachter-Crew und Vollversammlung mit der Belegschaft sämtlicher Titel gabs allerdings lediglich ein dürres Communiqué: Verhandlungen über einen isolierten Verkauf des Beobachters seien ausgeschlossen. Der Beobachter-Crew sei die Einhaltung des Redaktionsstatutes, die volle redaktionelle Unabhängigkeit sowie die Unterstellung unter den Gesamtarbeitsvertrag garantiert worden.Über weitere Zusagen an das Beobachter-Team war auch von Bachmann nichts zu erfahren. «Wir haben uns darauf verständigt, keine weiteren Kommentare abzugeben.» Und Swissfirst teilte ebenfalls mit, sie dürfe keine Auskunft mehr erteilen.
Bilanz-Chefredaktor Medard Meier, der Einzige, von dem vor Redaktionsschluss Auskunft zu erhalten war, widerspricht einem Beitrag in der NZZ am Sonntag, wonach sich auch die Bilanz-Redaktion gegen die Privatplatzierung der Jean Frey AG ausgesprochen habe. «Neun von zehn Mitgliedern der Bilanz-Redaktion können damit leben, denn viel wichtiger ist für uns alle, dass wir wissen, wem die Jean Frey AG gehören wird.» Meier verlangt aber: «Jeder Aktionär, der einen Anteil von mehr als fünf Prozent erwirbt, muss bekannt gegeben werden.»
«Keine Freude» an den Beobachter-Wirren hat Walter Bosch als Vertreter eines europäischen Private Equity Fonds und anderer, der Jean Frey AG zugeneigter Investoren (WW 10/02). Dennoch sei der Fonds nach wie vor «interessiert» am Kauf von Jean-Frey-Anteilen, sagte Bosch. Wie andere Investoren auch warte man noch etwas zu, «bis sich der Rauch verzogen hat». Die Zeichnungsfrist laufe erst am 27. März ab.
Den Entscheid der Swissfirst, den Beobachter nicht separat zu veräussern, findet Bosch richtig. «Dieser Titel gehört zur Jean Frey AG. Und solange er dort ist, ist auch die Jean Frey AG interessant», sagt er. Der Verbleib des Beobachters sei «eine Grundvoraussetzung» für Investitionen in das Verlagshaus.
Was, wenn die Beobachter-Redaktion ihre Drohung wahrmacht und kollektiv kündigt? Bosch reagiert unwirsch: «Wenn die Redaktion mutwillig das Produkt gefährden will, soll sie nur kündigen. Der Beobachter würde zwar in eine Krise geraten, doch man könnte ihn trotzdem weiter- führen – auch mit anderen Leuten. Rechte und Abonnentenstamm verbleiben ja bei der Jean Frey AG.» (mk/dse)

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