«Du warst ein Künstler»
Andreas Prokesch, Vorstandsvorsitzender ADC Schweiz, nimmt Abschied von Claude Martin
Andreas Prokesch, Vorstandsvorsitzender ADC Schweiz, nimmt Abschied von Claude MartinLieber Claude, eigentlich lese ich nie Todesanzeigen, und ich weiss nicht, warum ich ausgerechnet heute Morgen auf die Seite mit den schwarzen Rändern blickte. In einer stand dein Name. Gross und endgültig.Wir sind uns das erste Mal an der Dufourstrasse in Zürich begegnet. In einer Agentur, die sich Young & Rubicam Zürich nannte und aus Urs Beer, seiner Assistentin Irène Kuhn und dir bestand. Ich kannte dich damals noch nicht, sondern lernte dich erst im Laufe der Zeit im Art Directors Club (ADC) kennen. Du warst jener Typ, der einem beim Betreten eines Raumes auffiel. Der aber auch inmitten einer Menge gleich gearteter Menschen, wie sie die jährliche Zusammenkunft der Juroren darstellt, herausstach.
Obwohl du die letzten Male nicht mehr daran teilnehmen konntest, sehe ich dich noch genau vor mir. Wie du eher leicht nach hinten als nach vorne gebeugt die Szene betratst. Und wie du jeden mit deinem berndeutsch angehauchten «Ciao», deinen interessiert leuchtenden Augen und deinem von Herzen kommenden Lachen in Empfang nahmst. Es war dein Markenzeichen. Genauso wie die Eleganz deiner textilen Erscheinung, zu der stets ein Veston gehörte, dazu ein paar Schuhe, von denen ich bewundernd vermutete, dass du sie dir auf Mass anfertigen liessest.
Damit man dich (und mich) richtig versteht: Du warst nicht ein Mann der Mode, der heute dies und morgen jenes verkörpert. Du warst es erst recht nicht, wenn es bei der ADC-Jurierung ordentlich zur Sache ging. Bei vielen der zu beurteilenden Arbeiten hast du nichts gesagt – weil sie dir nichts sagten. Bei anderen hast du leidenschaftlich debattiert. Manchmal hoch lobend, manchmal aber auch tief verletzend und so oder so immer völlig gänzlich ungeachtet davon, ob dir jemand applaudierte.
Claude Martin durchbrach stets die Normen
Du hattest wie wenige andere ein Anrecht auf das dezidierte, unnachgiebige, kompromisslose Votum. Denn du hast derart oft Bronze, Silber und Gold gewonnen wie wenige andere. Ein Beispiel genügt, um dich bleibend in Erinnerung zu rufen: Du hast aus gefriergetrocknetem Kaffee die Glut des Südens gemacht und aus dem Reklamebüro Farner eine Werbeagentur – eine der grössten und allerbesten hierzulande.
Ein einziges Mal hätte ich Gelegenheit gehabt, mit dir zusammenzuarbeiten – für Swatch und den damaligen Zeitgeist, den man heute Lifestyle nennt. Ich habe sie verpasst, weil ich bereits anderweitig engagiert war. Oder hatte ich nur falschen Respekt oder gar ein bisschen Bammel?
Kollegen, von denen man das nicht behaupten kann, schildern dich auch im Daily Business als sehr fröhlich, sehr kreativ und sehr verspielt und fügen bewundernd an, dass du dich nicht durch strategische Vorgaben einschränken liessest. Markus Gut meint zum Beispiel, dass du stets die Normen durchbrachtest, und zwar in allen Dingen, und dass du – «im positiven Sinn» – ein Künstler warst.
Das letzte Mal habe ich dich an der Vernissage deiner Bilder so richtig wahrgenommen. Ich kaufte eines. Es war genau jenes, das auch Helen Müller am liebsten gehabt hätte. Es hängt seither als Leihgabe in der ADC-Geschäftsstelle. Jedes Mal, wenn ich dort aufkreuze, schauen wir es miteinander an.
An der diesjährigen Jurierung erfuhren die ADC-Mitglieder, dass du sehr krank seiest. Martin Fueter und André Benker besuchten dich an deinem Geburtstag im Februar und brachten dir im Namen des ADC ein Geschenk. Sie berichteten, dass du dich gefreut hättest, auch wenn du sie nicht mehr richtig wahrnehmen konntest.
Was für ein Zufall: Heute Abend war ich bei Publicis, in deiner Agentur – eingeladen zur famosen Sechseläuten-Party. Claude, wir haben dich dabei sehr vermisst.
Obwohl du die letzten Male nicht mehr daran teilnehmen konntest, sehe ich dich noch genau vor mir. Wie du eher leicht nach hinten als nach vorne gebeugt die Szene betratst. Und wie du jeden mit deinem berndeutsch angehauchten «Ciao», deinen interessiert leuchtenden Augen und deinem von Herzen kommenden Lachen in Empfang nahmst. Es war dein Markenzeichen. Genauso wie die Eleganz deiner textilen Erscheinung, zu der stets ein Veston gehörte, dazu ein paar Schuhe, von denen ich bewundernd vermutete, dass du sie dir auf Mass anfertigen liessest.
Damit man dich (und mich) richtig versteht: Du warst nicht ein Mann der Mode, der heute dies und morgen jenes verkörpert. Du warst es erst recht nicht, wenn es bei der ADC-Jurierung ordentlich zur Sache ging. Bei vielen der zu beurteilenden Arbeiten hast du nichts gesagt – weil sie dir nichts sagten. Bei anderen hast du leidenschaftlich debattiert. Manchmal hoch lobend, manchmal aber auch tief verletzend und so oder so immer völlig gänzlich ungeachtet davon, ob dir jemand applaudierte.
Claude Martin durchbrach stets die Normen
Du hattest wie wenige andere ein Anrecht auf das dezidierte, unnachgiebige, kompromisslose Votum. Denn du hast derart oft Bronze, Silber und Gold gewonnen wie wenige andere. Ein Beispiel genügt, um dich bleibend in Erinnerung zu rufen: Du hast aus gefriergetrocknetem Kaffee die Glut des Südens gemacht und aus dem Reklamebüro Farner eine Werbeagentur – eine der grössten und allerbesten hierzulande.
Ein einziges Mal hätte ich Gelegenheit gehabt, mit dir zusammenzuarbeiten – für Swatch und den damaligen Zeitgeist, den man heute Lifestyle nennt. Ich habe sie verpasst, weil ich bereits anderweitig engagiert war. Oder hatte ich nur falschen Respekt oder gar ein bisschen Bammel?
Kollegen, von denen man das nicht behaupten kann, schildern dich auch im Daily Business als sehr fröhlich, sehr kreativ und sehr verspielt und fügen bewundernd an, dass du dich nicht durch strategische Vorgaben einschränken liessest. Markus Gut meint zum Beispiel, dass du stets die Normen durchbrachtest, und zwar in allen Dingen, und dass du – «im positiven Sinn» – ein Künstler warst.
Das letzte Mal habe ich dich an der Vernissage deiner Bilder so richtig wahrgenommen. Ich kaufte eines. Es war genau jenes, das auch Helen Müller am liebsten gehabt hätte. Es hängt seither als Leihgabe in der ADC-Geschäftsstelle. Jedes Mal, wenn ich dort aufkreuze, schauen wir es miteinander an.
An der diesjährigen Jurierung erfuhren die ADC-Mitglieder, dass du sehr krank seiest. Martin Fueter und André Benker besuchten dich an deinem Geburtstag im Februar und brachten dir im Namen des ADC ein Geschenk. Sie berichteten, dass du dich gefreut hättest, auch wenn du sie nicht mehr richtig wahrnehmen konntest.
Was für ein Zufall: Heute Abend war ich bei Publicis, in deiner Agentur – eingeladen zur famosen Sechseläuten-Party. Claude, wir haben dich dabei sehr vermisst.
