Zugkräftig in die Zukunft

Die SBB haben in ihrem Jahresbericht 2001 neue Ideen aufgegleist

Die SBB haben in ihrem Jahresbericht 2001 neue Ideen aufgegleistVon Andreas PanzeriMit einem Prognoseteil wollten sich die SBB für einmal vom traditionellen Strickmuster gängiger Geschäftsberichte abheben. 16 Zukunftsszenarien sollten die blosse Retrospektive auf das abgelaufene Geschäftsjahr ergänzen – und intern der Bahn auch Material für die Weiterbildung liefern.
«Wohl einmalig in der 100-jährigen SBB-Geschichte ist die Tatsache, dass der Geschäftsbericht 2001 keinen einzigen Zug abbildet», meint Stefan Haas, Leiter Public Relations SBB, zum neuen Stil. Der Geschäftsbericht 2001 der Schweizerischen Bundesbahnen ist grafisch völlig umgekrempelt worden. «Unser Thema waren die Kunden – und diese Idee haben wir radikal verfolgt», präzisiert Haas.
Statt Alltagsszenen aus dem Jahresverlauf der Bahn, die im Bericht 2000 als Auflockerung in verschiedensten Bildformaten quer durch die rund 60-seitige Publikation abgebildet sind, gibt es im Geschäftsbericht 2001 neu einen konzentrierten Bildteil gleich zu Beginn. In den hinteren Kapiteln des Berichts finden sich nur noch Texte, Zahlen und grafische Tabellen.
Der Bildteil als «Vorspann» zeigt in ganzformatigen Fotos ausschliesslich Porträts zahlreicher SBB-Kunden. Rund um diese Bilder ist auf dreizeiligen Legenden jeweils eine kleine Geschichte gestrickt worden. So freut sich etwa ein Bub an der Milch, die per Bahn mit Cargo Domino an verschiedene Verarbeitungszentren in der Schweiz transportiert wird.
Ein Seniorenpaar geniesst das Reisen mit dem GA. Eine Studentin lobt die schnellen Zugverbindungen zur Uni. Ein Früchtehändler schätzt den schnellen Transport seiner Zitrusfrüchte von Sizilien bis ins Verteilzentrum in der Schweiz. Eine junge Frau fährt per Bahn in ein Frühlingswochenende, ein anderer zur Street Parade und und und…
Vom Gewicht der Zahlen für die Zukunftsentwicklung
Radikal anders als die grafische Gestaltung mit solchen Kunstfotos ist aber am neuen Jahresbericht die inhaltliche Ausrichtung. Im Auftrag der SBB hat das Institut Prognos in Basel 16 unterschiedliche Zukunftsszenarien erarbeitet. Diese Ausblicke in die Zukunft zeichnen ein Bild der möglichen Verkehrsentwicklung in den nächsten 20 Jahren. Mit diesem Prognoseteil wollen sich die SBB für einmal vom traditionellen Aufbau von Geschäftsberichten abheben.
Statt einer blossen Retrospektive auf das abgelaufene Geschäftsjahr und einer sterilen Faktenhuberei wollen die SBB den Leser des Berichts zur Feier ihres heurigen Jubiläumsjahres mit 100 Jahren Bahn in der Schweiz auf eine Reise mit der Eisenbahn in die nicht ganz ferne Zukunft nehmen.
Diese futuristischen Verkehrsszenarien werden ausserdem SBB-intern als Denkanstösse in Kaderschulungen und Weiterbildungskursen eingesetzt. «Sie dienen somit auch als Diskussionsgrundlage für die Weiterentwicklung der Bundesbahnen», erklärt PR-Leiter Stefan Haas.
Konkret behandelt werden bei diesen Visionen die unternehmerische Freiheit in den EU-Netzen, verschiedene Hintergründe zu einer flexiblen Planung, Zukunftsprognosen zur Entwicklung der Personenkilometer oder auch die Zukunft des Wirtschaftsraums Zürich.
Als «gestalterisches Experiment» bezeichnen die Ideenlieferanten des Berichts das «Gesetz der grossen Zahl». Demnach beginnt jedes Kapitel des Geschäftsberichts mit einer grafisch auffälligen Zahl. «Die Grösse, das Angebot und die Marktstellung der SBB fördern immense Zahlen zu Tage», heisst es im Kommentar dazu. Im Detail lässt sich im Geschäftsbericht somit schliesslich nachlesen, dass die SBB im Jahr 2001 über 304 Millionen Personenfahrten durchführten und dabei 13,3 Milliarden Personenkilometer zurücklegten.
Der neu konzipierte Geschäftsbericht wurde von der Agentur New Identity Ltd., Basel, realisiert und inhouse von der Abteilung Kommunikation in Bern betreut. Als Fotografen wirkten Donald Christie, Duc Liao, Gerhard Linnekogel, David Roth, Comenius Röthlisberger, Ursula Sprecher, Paul Wetherall und Kia Naddermier.

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