Kopf der Woche: «England und Schweden haben eine ähnliche Werbekultur wie Holland»

Martijn Simoons verstärkt als AD das Team von McCann-Erickson, Genf

Martijn Simoons verstärkt als AD das Team von McCann-Erickson, GenfKopf der Woche
«England und Schweden haben eine ähnliche Werbekultur wie Holland»
Seiner französischen Frau zuliebe verliess Martijn Simoons sein geliebtes Amsterdam, um sich in Genf niederzulassen. Einen Kompromiss musste allerdings auch seine in den französischen Alpen geborene Ehefrau eingehen und in die Nähe von Genf ziehen – für Martijn Simoons stand ein Job in Frankreich nie zur Diskussion. Die französische Kultur sei ihm noch zu fremd. Auch die Sprache spreche er, trotz seiner französischen Partnerin, noch nicht geläufig. So verfolgte er, obwohl im benachbarten Frankreich lebend, die aufregenden Präsidentschaftswahlen eher wie ein Aussenstehender. Und mit dem frankofonen Humor muss er sich erst noch anfreunden. Das Gleiche gilt übrigens auch für Deutschland.
Die Schweiz ist das erste Land, für das der 29-Jährige Holland verlässt, um sich beruflich zu verändern. Genf empfindet er als internationale Stadt, und die Schweiz steht ihm als Land näher als Frankreich. Die Schweizer seien wie die Holländer: weltoffen und vor allem daran interessiert, was ausserhalb ihrer Landesgrenzen geschehe. Er denkt, dass die Schweiz gut daran tue, sich den Beitritt zur Europäischen Union wohl zu überlegen. Insgeheim bewundert er die Schweizer für ihren Mut zum Alleingang. Simoons könnte sich auch gut vorstellen, dereinst in England oder Schweden zu arbeiten, weil die Werbekultur dieser beiden Länder derjenigen von Holland sehr ähnlich sei, meint er.
Das Agenturleben in Holland sei viel hektischer als hier in der Schweiz, stellt Martijn Simoons nach dreimonatiger Arbeit bei McCann-Erickson, Genf, fest. In den Agenturen der Niederlande störten ihn vor allem Einzelkämpfer, die ohne Rücksicht auf ihre Kollegen die eigenen Ideen mit allen Mitteln verteidigten, um Erfolg zu haben. Bei McCann, Genf, gefällt ihm gerade darum der Teamgeist und der gegenseitige Respekt, mit dem man gemeinsam zu einem guten Resultat kommen wolle. Andererseits dürfe jedermann frei seine Meinung äussern, auch wenn diese kritischer Natur sei, ohne gleich eingeschüchtert zu werden.
Zur Werbung hat der Holländer ein eher distanziertes Verhältnis, und beeinflussen lässt sich Martijn Simoons darum eher durch den persönlichen Kontakt mit andern Menschen. Martijn Simoons möchte vor allem seine Erfahrung mit Grosskunden in das Team einbringen. Eine Herausforderung bei der Genfer Agentur ist für ihn andererseits die Internationalität des Teams. Werbung ist für ihn solides Handwerk. Wer sich aber vom Durchschnitt abheben wolle, müsse bereit sein, verstehen zu wollen, was in der Welt geschieht, auch wenn vieles nur schwer nachvollziehbar sei und dem eigenen Denken widerstrebe, glaubt er. Anita Vaucher

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