Finanzmedien im Börsencrash

Stocks und Moneycab sind trotz widrigem Umfeld überzeugt vom Überleben

Stocks und Moneycab sind trotz widrigem Umfeld überzeugt vom ÜberlebenVon Daniel Schifferle Wenn der Börse die Anleger davonlaufen, müssen die Finanzmedien um ihr Publikum bangen. Doch Stocks und Moneycab, die beiden Kinder des Börsenbooms, glauben trotz Börsencrash an ihre Zukunft.
Der Börsenhype hatte sie hervorgebracht, wird sie der Börsencrash wieder nehmen? Für Stocks und Moneycab, die beiden Kinder der Langzeithausse, hatte sich das Umfeld bereits mit der Lancierung radikal gewandelt.
Stocks war Anfang November 2000 gestartet – doch kaum war das neue Heft der Verlagsgruppe HandelsZeitung im Markt, war die Börsenparty auch schon vorbei. Trotz widrigen Umfelds sagte Herausgeber Ralph Büchi noch im April in der WerbeWoche: «Das Magazin steht felsenfest da.»
Jetzt, nachdem die Börse nochmals markant abgestürzt ist, sieht Büchi immer noch keinen Anlass, dieses Bekenntnis zu revidieren. «Was uns entscheidend hilft, ist der hohe Anteil vermögender Leute in der Schweiz, die trotz Baisse an der Börse investiert bleiben und weiterhin um Finanzinformationen nachsuchen. In diesem Publikumssegment haben wir auch die meisten Abonnenten», erklärt Büchi (siehe auch das unten stehende Interview). Im rabenschwarzen Börsenmonat Juli seien lediglich 200 bis 300 Aboabgänge zu verzeichnen gewesen. Tiefe Spuren hinterliess der Börsencrash hingegen beim Kioskverkauf. Büchi: «Im Moment setzt Stocks im Schnitt rund 1500 Exemplare pro Ausgabe am Kiosk ab, in normalen Zeiten würde diese Zahl bei 3000 bis 4000 Exemplaren liegen.»
Trotz der anhaltend schlechten Performance der internationalen Aktienmärkte sieht Büchi für Stocks keine Gefahr. «Wir betreiben Lean-Publishing, die operativen Verluste bei Stocks bewegen sich in sechsstelliger und nicht in siebenstelliger Grössenordnung. Das verschafft uns sehr gute Chancen, die getätigten Investitionen in guten Jahren rasch zurückzuverdienen.» Trotzdem wird die Zeit für den operativen Break-even, den man innert drei Jahren erreichen wollte, nun knapp, denn die Halbzeit auf dem Weg dorthin ist längst vorüber. Büchi bleibt mit Blick auf dieses Ziel trotzdem optimistisch: «Wird das zweite Halbjahr 2003 gut, werden wir operativ sehr schnell schwarze Zahlen schreiben.»
Auch für das im Frühjahr 2001 lancierte Internetangebot Moneycab war es bereits vor dem Börsencrash der vergangenen Wochen eng. Doch entgegen den Erwartungen führte die zusätzliche Verdüsterung an den Börsen nicht zu einem Publikumsverlust. «Wir verzeichnen keine negativen Auswirkungen», sagt Fredy Hämmerli, Geschäftsleiter von Moneycab. «Kurzfristig waren die Auswirkungen für uns sogar positiv. Wir hatten nie zuvor so viele Abrufe unserer Site wie zu jenem Zeitpunkt, als der Börsencrash am stärksten war.»
Auch für die Zukunft rechne er nicht mit negativen Auswirkungen auf Grund der geschwächten Börse. Moneycab sei in erster Linie ein Portal für Wirtschaftsinformationen und werde nicht primär von jenen genutzt, welche bloss Börsenkurse abrufen wollen. «Deshalb haben wir jetzt auch keine Abgänge bei unseren Nutzern», sagt Hämmerli.
Ebenfalls vom Börsenboom profitiert hatte die Finanz und Wirtschaft (FuW). Ihre Auflage war zwischen 1996 und 2000 um über dreissig Prozent oder gut 12000 Exemplare geklettert. Vorbei war die wilde Kletterpartie erst 2001. Nach Jahren des ungebrochenen Aufwärtstrends gingen jetzt gut 2500 Exemplare oder fünf Prozent der Auflage verloren.
Mit einem weiteren Abbröckeln rechnet Tamedia-Sprecher Peter Hartmeier jedoch nicht. «Die FuW ist nicht das Organ jener, die in letzter Minute auf den Börsenboom aufgesprungen sind. Sie ist die kritische und analysierende Zeitung für die langfristigen Börsianer – und die wissen sehr genau, dass die Börse mittel- und langfristig ein entscheidender Teil der Wirtschaft unseres Landes bleiben wird.» Aus diesem Grund werde der grösste Teil der Leserschaft der FuW auch in Zukunft die Treue halten, ist Hartmeier überzeugt.

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