«Krise des Internets war Teil unserer Motivation»

Markus Britschgi verwahrt sich gegen Vorwurf des Kopierens

Markus Britschgi verwahrt sich gegen Vorwurf des KopierensMit seinem psychografischen Test will der ehemalige Demoscope-Forscher Markus Britschgi nicht nur in der Internetforschung eine Offensive fahren. Ein rascher Export nach Deutschland ist geplant.Wenn keiner im Internet werben will, besteht auch kaum Nachfrage nach zusätzlicher Forschung. Kommt Bluemind nicht zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt?
Markus Britschgi: Überhaupt nicht. Die Krise des Internets war ein wesentlicher Teil unserer Motivation, Bluemind jetzt zu lancieren. Internetangebote können sich der Werbewirtschaft nicht überzeugend genug verkaufen, weil sie über keine tauglichen Forschungstools verfügen. Die heute ausgewiesenen Zahlen interessieren Werbetreibende nicht, denn sie sagen zu wenig aus über die Zielgruppe. Online-Werbung hat Zukunft, aber dazu braucht sie eine differenziertere Forschung.
Die Sites haben aber im Moment kein Geld für teure Forschung übrig. Haben Sie die Rechnung ohne Ihre Kunden gemacht?
Britschgi: Jetzt braucht es viel Überzeugungsarbeit, um den Website-Betreibern beizubringen, dass sie mit Bluemind im Werbemarkt mehr Chancen haben. Was die Kosten betrifft, sind wir extrem günstig. Ein Online-Test in dieser Dimension kam einen Site-Betreiber bisher zwischen 8000 und 9000 Franken zu stehen. Zusammen mit dem Igem-Angebot bekommt man es bei uns für die Hälfte. Ich bin überzeugt, dass auch die anderen nachziehen werden, sobald einige Sites mitmachen, denn sonst würden sie rasch an Konkurrenzfähigkeit verlieren.
Wie viele Sites sind notwendig, damit Sie das Tool starten und kostendeckend betreiben können?
Britschgi: Zwanzig Sites müssten wir für die erste Welle im Oktober haben. Das wäre mein Traum. Aber es ist natürlich schon so: Je mehr mitmachen, desto interessanter wird es. Erst mit einer angemessenen Auswahl an Sites macht das Vergleichen Sinn. Kostendeckendes Arbeiten wäre für Bluemind mit rund 30 teilnehmenden Sites möglich. Aber unsere Ideen gehen weiter. Wir wollen das Tool so rasch wie möglich nach Deutschland exportieren, diesbezüglich reden wir bereits mit Interessenten. Das Besondere an unserem Psychografietest ist ja, dass man ihn für jede beliebige Marktforschung einsetzen kann. Ganz egal, von welchem Institut eine Studie durchgeführt wird.
Andere Marktforschungsinstitute werden an der neuen Konkurrenz wenig Freude haben. Was unterscheidet Bluemind vom Demoscope-Marketradar, für den Sie noch bis vor anderthalb Jahren arbeiteten?
Britschgi: Bluemind ist ein völlig neues Produkt, mit völlig anderem Ansatz als jener von Demoscope. Wir verfolgen zwei Hauptziele: Die Online-Tauglichkeit und die gerade erwähnte freie Einsetzbarkeit unseres Tools. Zugegeben, auch Parallelen mit anderen Marktforschungen sind vorhanden. Das hat aber nichts mit Kopieren zu tun. Alle Studien mit psychografischen Segmentierungen ähneln sich in einem gewissen Sinne, das liegt in der Natur des Ansatzes.
Welche besondere Wirkung erwarten Sie von Bluemind für die Internetwerbung?
Britschgi: Wenn im kommenden November die erste Welle von Bluemind durch ist, wird deswegen im Internet noch kein Werbeboom folgen. Das ist auch uns klar. Aber unser Tool macht die Zielgruppen im Internet transparent, und das ist ein notwendiger erster Schritt, damit das Internet gezielt und effizient eingesetzt werden kann.
Interview: Daniel Schifferle

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