Der Tod bleibt weiterhin umsonst

Mit Geld pfiffigen Marketingideen generiert das Solothurner Tagblatt Auflage und Abos

Mit Geld pfiffigen Marketingideen generiert das Solothurner Tagblatt Auflage und AbosMit Geld und pfiffigen Marketingideen generiert das Solothurner Tagblatt Auflage und Abos Von Markus Knöpfli
Gut neun Monate nach seinem Start bietet der Solothurner Split der Berner Zeitung ein zwiespältiges Bild. Die intensiven Marketinganstrengungen haben zwar 1500 Abonnenten generiert, die Verankerung im lokalen Inseratemarkt scheint aber noch gering. Das Solothurner Tagblatt verlängert darum die Aktion «Gratis-Todesanzeigen».
Ende Juni wären eigentlich die Einführungsaktionen «Vier für zwei» und «Gratis-Todesanzeigen» des Solothurner Tagblatts (ST) nach gut acht Monaten ausgelaufen. Doch schon in den ersten Juliwochen gab es offenbar ein Umdenken: In mehreren Eigeninseraten wurde deshalb angekündigt, dass die Aktion «Gratis-Todesanzeigen» bis 31. Dezember 2002 verlängert werde. Und eine weitere Verlängerung ist durchaus möglich, wie Franziska von Weissenfluh, Verlagsdirektorin der Berner Zeitung (BZ), durchblicken lässt. Der Grund ist klar: Die Zahl der Todesanzeigen weist wie kaum ein anderes Element auf die lokale Verankerung eines Titels hin. Von Weissenfluh sagt es so: «Für uns sind die Todesanzeigen ein wichtiger Lesestoff, aber nicht die wichtigste Einnahmequelle.»
Doch der Erfolg des Gratisangebotes ist – wie schon bisher – relativ gering: Im Juli zählte die WerbeWoche neun Solothurner Todesanzeigen, die ausschliesslich im ST erschienen, im August waren es nur vier. Bei den kommerziellen Inseraten kam das ST auf Grund einer Ausmessung der WerbeWoche im Juli auf acht und im August auf neun ganze Seiten – eine Grössenordnung, die die Verlagsdirektorin bestätigt. Was auffällt: Viele kleinere Inserate werden mehrfach wiederholt. Doch gemäss von Weissenfluh werden hier keine Vergünstigungen mehr gewährt. Ihre Bilanz: «Wir sind im Budget, und verglichen etwa mit dem längst verankerten BZ-Split Oberaargau, kommt das ST im lokalen Markt auf etwa denselben Inserateumfang.» Zudem sei ja das ST primär lanciert worden, damit die BZ dank grösserer Auflage im nationalen Werbemarkt besser bestehen könne.
Während das ST also im Inseratebereich nur wenig Geld einnimmt oder sogar darauf verzichtet, nimmt es andernorts viel in die Hand. Neben der Redaktion bildet zweifellos die Frühzustellung die gewichtigste Ausgabe. Beschränkte sie sich anfänglich noch auf Solothurn, Zuchwil und Biberist, so wurde sie mittlerweile auf sechs weitere Gemeinden ausgedehnt. Andere werden folgen. In jedem neu erschlossenen Gebiet wird das ST allen Haushalten sechs Monate lang gratis zugestellt. Der Erfolg bisher: Rund 1500 Abonnenten – und in wenigen Wochen, nach einer weiteren Umwandlungsphase von Test-in Festabos, dürften es etwas
mehr sein.
Bis 16. September lief zudem eine Umfrage bei den Abonnenten. Das Resultat: Die Mehrheit ist zufrieden mit dem Inhalt, immerhin 30% wünschen aber mehr lokale Informationen. Der Rücklauf betrug 41%. Kein Wunder: Wer die Fragen beantwortete, erhielt einen beim Stadt-Solothurner Gewerbe einlösbaren Gutschein. Womit indirekt auch wieder Inserenten geworben werden.

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