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Im Leserkampf mit 20 Minuten ist für Tamedia auch eine neue Deutschschweizer Pendlerzeitung ein Thema

Im Leserkampf mit 20 Minuten ist für Tamedia auch eine neue Deutschschweizer Pendlerzeitung ein ThemaVon Daniel Schifferle Nachdem 20 Minuten signalisiert hat, es werde nicht zu kaufen sein, sucht Tamedia andere Wege, um doch noch zu einer Pendlerzeitung zu kommen. Auch die Variante einer Neulancierung für die ganze Deutschschweiz – alleine oder zusammen mit anderen Medienhäusern – wird geprüft.
Als der neue Tamedia-CEO Martin Kall im Juli seine offensive Akquisitions- und Kooperationspolitik vorstellte, sagte er, man werde sich gegenüber 20 Minuten alle Optionen offen halten (WW 27/02). Doch nachdem in den vergangenen Wochen seitens 20 Minuten deutlich artikuliert worden ist, man sei nicht zu kaufen (siehe auch Seite 5), geht Tamedia selber in die Offensive. Man werde alle Möglichkeiten für einen Einstieg in den Pendlerzeitungs-markt prüfen. Mit dem Projekt und der Konzeptausarbeitung wurde Marius Hagger beauftragt, der zuletzt für das hausinterne Effizienzprogramm «Focus» verantwortlich war.
Zukunftsfähigkeit der Branche steht auf dem Spiel
«Wir können nicht akzeptieren, wenn sich in unserem Kerngeschäft und -gebiet ein anderer grosser Zeitungstitel breit macht», lässt sich Tamedia-Sprecher Peter Hartmeier mit kämpferischen Tönen vernehmen. Man werde jetzt abklären, wie sich das Businessmodell des ZürichExpress (ZE) weiterentwickeln lasse. Dies sei nötig, um die Zukunft der Zeitung zu sichern.
Doch nicht nur die Versorgung im Grossraum Zürich steht zur Debatte. «Eine der Varianten, die wir prüfen, ist eine Pendlerzeitung für die ganze Deutschschweiz», sagt Hartmeier. Ob alleine oder zusammen mit anderen Medienhäusern, sei im Moment noch dahingestellt, und er doppelt nach: «Die Zukunft der schweizerischen Medienlandschaft hängt davon ab, ob es den Unternehmern unter den Verlegern gelingt, unsere Branche zukunftsfähig zu gestalten.»
Dass eine solche Neulancierung auch riesige Geldsummen verschlingen würde, ist klar. Man habe die zu erwartenden Kosten noch nicht durchgerechnet, sagt Hartmeier. «Aber im Zusammenhang mit der nun angelaufenen Analyse wird man ganz konkret auch über die Budgets reden, die für die Lancierung einer Pendlerzeitung für die ganze Deutschschweiz notwendig wären.»
Doch käme ein solcher Verdrängungsversuch nicht viel zu spät – jetzt, wo 20 Minuten im Lesermarkt gut eingeführt ist und eine treue Stammleserschaft hat? Hartmeier gibt sich trotzdem selbstbewusst: «Wir haben das journalistische Potenzial für eine solche Zeitung, und wir verfügen in der ganzen Schweiz über die notwendigen Vertriebssysteme.»
Die andere Möglichkeit, dass Tamedia mit der angekündigten Marktanalyse vor allem Druck auf 20 Minuten machen will, damit dieses seine Halsstarrigkeit bezüglich Kooperation oder Kauf doch noch aufgibt, lässt Tamedia-Sprecher Peter Hartmeier offen. «Das ist eine Frage der Interpretation.»
Zum Vorpreschen von Tamedia hat sich die NZZ, die mit 40% Anteil Minderheitsaktionärin des ZE ist, bis jetzt noch nicht geäussert. Auch war bis Redaktionsschluss keine Stellungnahme erhältlich. Hartmeier beruhigt. Selbstverständlich würden alle Entscheide mit der NZZ abgesprochen. «Aber wir sind die Mehrheitsaktionäre und müssen deshalb die Entscheidungsgrundlagen erarbeiten. Wenn diese da sind, werden wir sie mit der NZZ diskutieren.» Spätestens bis zum Jahreswechsel soll die Analyse zum Pendlerzeitungsmarkt abgeschlossen sein.

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