Bald auf Du mit der Popkultur
Die geplante Entstaubung des Tamedia-Sorgenkinds stösst auf Media-Skepsis
Die geplante Entstaubung des Tamedia-Sorgenkinds stösst auf Media-SkepsisVon Oliver Classen Attraktivität und Relevanz steigern, um neue Leser und Inserenten zu gewinnen: So lautet das reformatorische Credo des neuen Du-Chefredaktors Christian Seiler. Media-Kulturexperte Christoph Meier hält eine solche Zeitgeistkur für «spannend, aber ziemlich riskant».
Seinen Einstand als Autor der «Kultur-Enzyklopädie» (aktuelle Selbstdefinition) gab der Nachfolger des Mitte Juli nach zwölf Du-Jahren aus dem Chefamt geschiedenen – Insider sagen: gedrängten – Marco Meier schon 1990 im Heft zum Thema Schlaf. Titel des Erstlings: «Protokoll eines Schlaflosen». Sein neuer «Traumjob» bereite ihm allerdings keine durchwachten Nächte, meint Christian Seiler auf Nachfrage. Dazu weiss der Anfang Dezember offiziell antretende Noch-Magazin-Redaktor schon zu genau, wie er die etwas angegraute Eminenz unter Europas Kulturmagazinen «wieder zurück ins öffentliche Gespräch und auf die Mediapläne» bringen möchte.
Das Rezept des gerade mal 41 Jahre alten Seilers gemahnt rhetorisch an die jüngsten Relaunchs von Magazin und Weltwoche. Kein Wunder, ist es doch ebenso angelsächsisch inspiriert. Zur «inhaltlichen Aktualisierung und Aufbrechung überkommener Seh- und Lesegewohnheiten» tritt allerdings noch eine mit dem Generationenwechsel einhergehende Erweiterung des Kulturbegriffs. Konkret: Auch popkulturelle Bereiche wie Design, Mode, Medien und selbst Werbung sollen künftig vermehrt im Du Platz finden.
Zugleich wird der aus Kolumnen und Kommentaren bestehende Mantelteil «prominenter und meinungsbildender» gestaltet. Sakrosankt scheint momentan also einzig die monothematische Grundstruktur.
Leser bei der Special-Interest-Konkurrenz abschöpfen?
Aber auch hier will der Ex-Chef des Wiener Nachrichtenmagazins Profil neue Wege beschreiten und sich stark an übergeordneter Aktualität orientieren. Angesichts der schwelenden Irak-Krise etwa hätte Seiler «vermutlich längst ein Öl-Heft gemacht». Wer weiss, vielleicht kommt es ja noch dazu.
Christoph Meier, Kulturkenner und Medialeiter bei FCBLK, würde es jedenfalls freuen, hält er eine solche «Ausrichtung am gegenwärtigen Leserinteresse doch für «überaus interessant und begrüssenswert».
Als leichtsinnig bis gefährlich taxiert er hingegen die als Öffnung kaschierte Verpoppung des Tamedia-Edeltitels. «Wenn das Stammpublikum vergrätzt wird, müssen bei Special-Interest-Titeln wie Literaturen, Art oder Theater neue Leserschichten abgeworben werden», so Meier, «und das dürfte kaum gelingen.»
Keine Meinung zur Verjüngung der mittlerweile schon 61-jährigen Du-Dame hat man bislang bei deren Leadagentur Wirz. Aus deren Glashaus verlautet bloss, dass der Vertrag von Tamedia per Ende Jahr gekündigt wurde, die Schimpansen-Kampagne («Verkleinern Sie den Unterschied!») aber weiterlaufe, eventuell sogar bis nächstes Frühjahr. Dann spätestens wird Seiler also auch in Sachen Eigenwerbung versuchen, einen entscheidenden Unterschied zu machen.
Seinen Einstand als Autor der «Kultur-Enzyklopädie» (aktuelle Selbstdefinition) gab der Nachfolger des Mitte Juli nach zwölf Du-Jahren aus dem Chefamt geschiedenen – Insider sagen: gedrängten – Marco Meier schon 1990 im Heft zum Thema Schlaf. Titel des Erstlings: «Protokoll eines Schlaflosen». Sein neuer «Traumjob» bereite ihm allerdings keine durchwachten Nächte, meint Christian Seiler auf Nachfrage. Dazu weiss der Anfang Dezember offiziell antretende Noch-Magazin-Redaktor schon zu genau, wie er die etwas angegraute Eminenz unter Europas Kulturmagazinen «wieder zurück ins öffentliche Gespräch und auf die Mediapläne» bringen möchte.
Das Rezept des gerade mal 41 Jahre alten Seilers gemahnt rhetorisch an die jüngsten Relaunchs von Magazin und Weltwoche. Kein Wunder, ist es doch ebenso angelsächsisch inspiriert. Zur «inhaltlichen Aktualisierung und Aufbrechung überkommener Seh- und Lesegewohnheiten» tritt allerdings noch eine mit dem Generationenwechsel einhergehende Erweiterung des Kulturbegriffs. Konkret: Auch popkulturelle Bereiche wie Design, Mode, Medien und selbst Werbung sollen künftig vermehrt im Du Platz finden.
Zugleich wird der aus Kolumnen und Kommentaren bestehende Mantelteil «prominenter und meinungsbildender» gestaltet. Sakrosankt scheint momentan also einzig die monothematische Grundstruktur.
Leser bei der Special-Interest-Konkurrenz abschöpfen?
Aber auch hier will der Ex-Chef des Wiener Nachrichtenmagazins Profil neue Wege beschreiten und sich stark an übergeordneter Aktualität orientieren. Angesichts der schwelenden Irak-Krise etwa hätte Seiler «vermutlich längst ein Öl-Heft gemacht». Wer weiss, vielleicht kommt es ja noch dazu.
Christoph Meier, Kulturkenner und Medialeiter bei FCBLK, würde es jedenfalls freuen, hält er eine solche «Ausrichtung am gegenwärtigen Leserinteresse doch für «überaus interessant und begrüssenswert».
Als leichtsinnig bis gefährlich taxiert er hingegen die als Öffnung kaschierte Verpoppung des Tamedia-Edeltitels. «Wenn das Stammpublikum vergrätzt wird, müssen bei Special-Interest-Titeln wie Literaturen, Art oder Theater neue Leserschichten abgeworben werden», so Meier, «und das dürfte kaum gelingen.»
Keine Meinung zur Verjüngung der mittlerweile schon 61-jährigen Du-Dame hat man bislang bei deren Leadagentur Wirz. Aus deren Glashaus verlautet bloss, dass der Vertrag von Tamedia per Ende Jahr gekündigt wurde, die Schimpansen-Kampagne («Verkleinern Sie den Unterschied!») aber weiterlaufe, eventuell sogar bis nächstes Frühjahr. Dann spätestens wird Seiler also auch in Sachen Eigenwerbung versuchen, einen entscheidenden Unterschied zu machen.
