Optimistisch mit tiefroten Zahlen

Erst das Gebührensplitting verspricht eine Gesundung der Lokal-TV-Landschaft

Erst das Gebührensplitting verspricht eine Gesundung der Lokal-TV-LandschaftVon Daniel Schifferle Dank der eben besiegelten Zusammenarbeit mit der Publisuisse blickt das TeleNewsCombi zwar optimistisch in die Zukunft. Eine wirklich gesunde Lokal-TV-Landschaft wird aber gleichwohl erst mit dem Gebührensplitting erwartet.
Der Werbeverbund von acht Schweizer Lokal-TV-Sendern hat stürmische Zeiten hinter sich. Vergangene Woche erst hat das TeleNewsCombi (TNC) einen Zusammenarbeitsvertrag mit der Publisuisse unterschrieben und ein Werbekombi mit SF1 beschlossen (WW 35/02).
Dabei wurden zentrale Aufgaben, die bis anhin von der bisherigen TNC-Alleinvermarkterin Radiotele wahrgenommen wurden, neu an die Publisuisse übertragen. «Die Rahmenbedingungen waren für uns noch nie so gut wie heute», sagte TNC-Geschäftsführer Marcel Geissbühler anlässlich einer Präsentation, die der Privat-TV-Verbund auf einer ganztägigen Kreuzfahrt auf dem Zürichsee vom Stapel gelassen hatte (siehe Kasten). Der Zusammenarbeitsvertrag mit Publisuisse und das Werbekombi mit SF 1 seien ein Meilenstein in der Geschichte des TNC.
Letzteres verspricht sich viel von der neuen Zusammenarbeit – muss sich viel davon versprechen. Derzeit sind finanziell gesunde Lokal-TVs nur mehr blosser Wunschtraum. Viele Sender spielen knapp die Hälfte ihrer Budgets via Werbung und Sponsoring wieder ein. Die schwierige Situation demonstrierte Filippo Lombardi, Geschäftsführer des Privat-TV-Verbandes Telesuisse, Ständerat und Inhaber von Tele Ticino gleich selber. Zusammen hätten die 18 Mitglieder von Telesuisse jährliche Kosten in der Höhe von insgesamt 70 Millionen Franken. Diesem Kostensockel stünden aber nur Werbe- und Sponsoringeinnahmen in der Höhe von 40 Millionen Franken gegenüber. Rechnet man dazu noch die 5 Millionen Franken aus dem «kleinen Gebührensplitting», das bereits heute an die Lokalsender ausgeschüttet wird, bleibt unter dem Strich immer noch ein satter Verlust von 25 Millionen Franken. «Das ist
keine gesunde Situation», sagte Lombardi. Der Tessiner Ständerat weiss genau, wovon er spricht, war doch gerade erst sein eigener Sender TeleTicino im Zusammenhang mit Sparübungen – Lohnverzicht der Mitarbeitenden – in die Schlagzeilen geraten.
Gesunde Lokal-TV-Landschaft erst ab 2005
Mit einer gesunden Lokal-TV-Landschaft rechnet Lombardi erst, wenn die angekündigten Millionen aus dem Gebührensplitting fliessen. Falls die Debatte um die RTVG-Revision ohne weitere Verzögerungen verläuft, werde dies im Jahre 2005 so weit sein. Jedes konzessionierte Regional-TV könne dann mit einem Sockelbeitrag von 2 bis 3 Millionen Franken rechnen.
Für die Empfänger der Gebührenmillionen zeichnete Lombardi eine rosige Zukunft. «Mit einem Sockelbeitrag von 2 bis 3 Millionen Franken pro Sender werden alle TV-Stationen in die Lage versetzt, regionale Information sehr professionell und in hoher Qualität anzubieten.» Es werde mit dieser Gebührenstärkung dann auch einfacher sein, in Zusammenarbeit mit den Werbe- und Sponsoringpartnern neue Programme und Ideen zu entwickeln.
Nicht ohne Sorgen ist der Telesuisse-Geschäftsführer mit Blick auf seinen Verband, in dem 18 Privatsender organisiert sind. Alle werden kaum von den in Aussicht gestellten Splittingmillionen profitieren können. Der Bundesrat gedenkt nur 10 bis 12 Sender zu berücksichtigen.
TeleNewsCombi auf Kreuzfahrt

Einen ganzen Tag lang durften die Gäste des TeleNewsCombi mit einem der grossen Passagierschiffe auf dem Zürichsee kreuzen. Eine rundum gelungene und auch inhaltlich durchwegs als spannend gelobte Veranstaltung. Doch der grosse Aufwand hätte etwas mehr Publikum verdient. Konzipiert war der Anlass ursprünglich auch für rund 120 Personen gewesen. Doch gekommen sind laut Angaben der Veranstalter schliesslich nur rund 80. Zieht man davon noch die 30 Personen ab, die aus den Reihen des TNC anwesend waren, blieben gerade noch 50 Gäste. «Es war wohl etwas frech, die Leute für einen ganzen Tag von der Arbeit wegholen zu wollen», übte Geissbühler Selbstkritik. (dse)

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