Selbst Schildkröten werden neidisch

Ohne Hast und Eile baut Boxx das Image von Berndorf auf Farben auf

Ohne Hast und Eile baut Boxx das Image von Berndorf auf Farben aufVon Ernst Weber Klare Worte wirken schnell, ruhige Farben tief und lang. Ein auf der Wirkungskraft von Farben beruhender Auftritt von Boxx, Zürich, nimmt sich darum ganze vier Jahre Zeit, um den Littauer Tischausstatter Berndorf als qualitätsbewusstes Unternehmen im Markt zu positionieren.
Das Vorgehen überrascht und steht in Kontrast zur Ungeduld der Werbung, die ihre Ziele lieber gestern als morgen erreicht sehen will: Die Zürcher Werbeagentur Boxx schlug dem Ausstatter Berndorf vor, pro Jahr eine Produktegruppe zu bewerben und sie in ein farblich stimmiges Kommunikationsgefüge zu integrieren.
Das Konzept, das auf die Budgetsituation des Auftraggebers Rücksicht nimmt, war erfolgreich. Die Kleinagentur gewann das Mandat 1999 in einem Pitch. Das Angebot des in Littau LU domizilierten Unternehmens umfasst Besteck, Porzellan und Gläser für Haushalt, Hotel und Gastronomie sowie Systeme für die Speiseverteilung in der Gemeinschaftsverpflegung.
Die gleiche Harmonie soll für alle Bereiche wirken
Das von Boxx entwickelte Corporate Design ordnet jeder Produktegruppe eine Grundfarbe zu, die jeweils in verschiedenen harmonischen Abstufungen zur Anwendung kommt. Die Farben werden einerseits flächenfüllend eingesetzt, andererseits wird das Erscheinungsbild dadurch geprägt, dass man die inszenierten Produktgruppen auf diese Farbtöne fotografiert. Zudem erreicht der Auftritt eine typografische Übereinstimmung.
Dass der Auftritt primär die Farben und erst in zweiter Linie den rationalen Kampagneninhalt fokussiert, hat vor allem psychologische Gründe. Es existiert kein zwingender Grund, den Produkten eine Farbe zu unterlegen.
«Die Farben sind emotional und ästhetisch begründet. Der Sinn ist, über alle Bereiche die gleiche Harmonie zu kommunizieren», sagt Christoph Stähli, CD bei Boxx. Ausserdem trägt die Farbgebung unverkennbar metalogische Züge.
Farben können schreien, also sind sie nicht stumm
So wie in einem Regenbogen die einzelnen Farben ineinander fliessen, begrenzen im Berndorf-Auftritt die Farben die einzelnen Produktegruppen und heben sie gleichzeitig auf. Es entsteht das Bild eines aus gleichwertigen autonomen Teilen bestehenden organischen Sortiments. Ein innerer Zusammenhalt wird symbolisiert, mithin ein in allen Sparten durchgängig gleicher Grad des Qualitätsbewusstseins. Zusätzlich unterstützt wird diese Aussage durch die Klarheit des Layouts. Sie vermittelt dem Betrachter ferner den Eindruck, der Hersteller lasse seinen Produkten besonders viel Sorgfalt angedeihen.
Durch das Zusammenspiel der tendenziell hellen Farben, des ausgewogenen, in keiner Weise überladenen Layouts und der unverkrampften Art der Argumentation (« bei dieser Langlebigkeit») erweckt der Auftritt zudem den Eindruck, man habe es mit einer freundlichen und offenen Firma zu tun.
Gefestigt wird der Eindruck durch die Tatsache, dass das Image über einen Zeitraum von bisher rund drei Jahren entstanden ist. Diese Entwicklung wurde nicht durch kurzfristig wechselnde Kampagnen gestört, die den gleichen Inhalt auf immer wieder andere Weise zu kommunizieren versuchten. Der Kunde konnte das Image sozusagen heranwachsen sehen.
Dass der Auftritt dem Unternehmen tatsächlich hilft, seine Ziele zu erreichen, bestätigt Gebhard Arnold, Marketingleiter bei Berndorf. «In den vergangenen Jahren konnten wir in weitere Vertriebskanäle vorstossen und im Bereich Besteck sind wir heute in der Schweiz die Nr. 1.»
Farbbilder bewirken tiefere Spuren in der Erinnerung

Die Wissenschafter Felix Wichmann vom Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik in Tübingen und Karl Gegenfurtner, Professor an der Justus-Liebig-Universität in Giessen, haben im Rahmen einer Serie von Experimenten nachgewiesen, dass sich der Mensch an Bilder von natürlichen Szenen besser erinnert, wenn sie farbig sind. Die höhere Gedächtnisleistung stellte sich jedoch nur bei farblich nicht verfremdeten Motiven ein. An Falschfarben-bilder erinnerten sich die Testpersonen nicht besser als an Schwarzweissmotive. (ew)

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