Ringiers Luzerner Radio-Joker

Der Medienkonzern hält eisern an seiner Minderheitsbeteiligung an Radio Pilatus fest

Der Medienkonzern hält eisern an seiner Minderheitsbeteiligung an Radio Pilatus festVon Markus Knöpfli Derzeit wechseln Radios ihre Besitzer bekanntlich in Windeseile. Da macht es stutzig, dass ausgerechnet der international tätige Medienkonzern Ringier eisern an einem kleinen Anteil bei Radio Pilatus festhält. Und dies, obwohl er keine Regionalstrategie mehr fährt.
Dass Ringier in der Schweiz nur noch national oder zumindest sprachregional agieren will, leuchtete im Juni als Erklärung für den Ausstieg bei der Neuen Luzerner Zeitung (NLZ) sofort ein. Der Verkauf an die NZZ, die dadurch mit 33 Prozent bei der LZ Medien Holding einsteigen konnte, war nur konsequent. Auch aus der zur LZ Medien gehörenden Vertriebsorganisation ist Ringier ausgestiegen.
Nicht so beim lokalen Privatradiosender Pilatus. Dort hält der grösste Schweizer Medienkonzern weiterhin einen Anteil
von 18,2 Prozent und ist zudem über Bruno Blaser, Verlagsleiter Blick/SonntagsBlick, im Verwaltungsrat (VR) vertreten. Blasers VR-Kollegen stammen von den Einzelhandelsriesen Coop und Migros sowie von der Luzerner Kantonalbank (je 10 Prozent). Die LZ Medien als grösster Aktionär mit 36,4 Prozent stellt mit Erwin Bachmann den VR-Vizepräsidenten, als VR-Präsident amtet Leo Fischer (Ex-Cablecom), der 15,4 Prozent hält.
Im Medienpoker verspielt man einen Joker nicht ohne Not
Fragt man bei Ringier nach, erhält man keine erhellende Begründung für das Festhalten an Pilatus. «Der Sender ist hoch profitabel und die Beteiligung tut uns nicht weh, deshalb bleiben wir bis auf weiteres dabei», sagt COO Martin Werfeli. Was die Frage nicht ganz beantwortet, denn auch die Beteiligung an der NLZ war profitabel.
Verschlossen gibt sich auch Bruno Blaser. Er weist nur darauf hin, dass es bei Pilatus «sehr kompliziert» sei, Anteile zu verkaufen, weil alle andern Aktionäre ein Vorkaufsrecht hätten. Gleichwohl weist Blasers Aussage auf eine Spur, denn ein Vorkaufsrecht stellt für einen Verkäufer nur dann ein Problem dar, wenn er den Vorkaufsberechtigten keine höheren Anteile zuschanzen will – oder wenn er einen Aussenstehenden begünstigen möchte.
Als Interessentin kommt vor allem Tamedia in Frage, umso mehr als Radio Pilatus zusammen mit den drei Tamedia-Radiosendern 24, Basilisk und ExtraBern zum City-Pool gehört. Weshalb aber sollte Ringier der Konkurrentin Tamedia diesen Gefallen tun? Kommt dazu, dass Tamedia kürzlich ihre kleine und auch nur indirekte Beteiligung an Radio Pilatus abgestossen hat: Einen Anteil von 3,3 Prozent an den LZ Medien verkaufte sie still und heimlich – an die NZZ.
Aus Insiderkreisen ist von einem Gegengeschäft zu hören, was offiziell überall dementiert wird. Handelte sich Tamedia damit freie Hand für die Neulancierung des Express ein? Oder für die City-Pool-Strategien?
Indes, auch die NZZ könnte am Ringier-Anteil interessiert sein – um beim Sender direkt mitzureden. Beat Lauber, bei der NZZ zuständig für Regionalmedien, winkt ab. In der NZZ-Strategie werde jede Region als eigener Markt betrachtet, weshalb Beteiligungen an einer regionalen Medienholding Sinn machten, nicht aber an dazu gehörenden Einzelmedien.
Der Einzige, der sein Interesse an einem Pilatus-Anteil offen deklariert, ist Markus Ruoss, Chef von Radio Sunshine, die Nummer zwei der Innerschweiz. Der Grund: Die LZ Medien halten an Ruoss’ Radio einen Anteil von 16 Prozent, den dieser gerne zurückkaufen möchte, aber nicht kann. Der Ringier-Anteil käme ihm als Druckmittel da sehr entgegen. Doch selbst wenn Ringier dafür Hand böte, die andern Pilatus-Aktionäre, die übrigens alle ihren Anteil behalten wollen, täten es kaum.
Ringier scheint also mit dem Verkauf zuzuwarten und einen geeigneten Deal abzupassen, bei dem er den Pilatus-Trumpf aus dem Ärmel ziehen kann
Radio Pilatus wird aufgefrischt

Radio Pilatus startete am 1. Dezember in sein 20. Betriebsjahr. Aus diesem Anlass wird der Claim «der beste Mix der 80er und 90er und die Super-Hits von heute» auf Anfang 2003 durch «Wir spielen die Hits» ersetzt. Für das neu produzierte Layout-Paket arbeitet Radio Pilatus mit der österreichischen Produktionsfirma Foster Kent zusammen, die das akustische Design für Ö3 und Antenne Bayern entwickelt hat. Im Musikprofil setzt Pilatus weiterhin auf aktuelle und eingängige Hits. Pilatus-Geschäftsführer Joachim Freiberg bezeichnet die Änderungen nicht als Relaunch, sondern als «Refreshing». Dennoch sollen sie mit einer aus vier Sujets bestehenden Kampagne der Luzerner Werbeagentur Künzle breit kommuniziert werden. (mk)

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