Morbus Crisis
Luca Aloisi über die 27. ADC-Awards-Jurierung
Luca Aloisi über die 27. ADC-Awards-JurierungHaarscharf nur schrammte der Art Directors Club (ADC) Schweiz an einem Debakel vorbei. Igros – pardon: Migros – heisst die Retterin in der Not. Publicis’ resonanzstarke Kampagne «Big M» für das Expo.02-Engagement des Grossverteilers machte nicht nur die Ausstellung «Strangers in Paradise» auf dem Expo-Gelände zum Publikumsrenner. Sie stärkte auch das Image des grossen M – und rettete zudem den Kreativclub im Rezessionsjahr vor dem freien Fall in die Bedeutungslosigkeit. Denn die Migros, immerhin der zweitgrösste Werbeauftraggeber der Schweiz, war dieses Jahr das einzige Schwergewicht unter den prämierten Arbeiten.Vor dem Hintergrund der vom ADC favorisierten Gleichung «Kreativität gleich Effizienz» dürfen die zwei Goldwürfel für den Einzelhandelsriesen als eine Art Ehrenrettung des Kreativclubs gelten. Dennoch: Es fehlt dem ADC zunehmend an Glaubwürdigkeit, wenn es ihm nur noch gelingt, die Qualität der wenig prestige- und umsatzträchtigen Gefälligkeitskampagnen zu verbessern und die wirklich relevanten Players sich einen Deut ums ADC-Urteil scheren.
Entsprechend ist der Vorwurf nicht von der Hand zu weisen, dass herausragende oder gar wegweisende Kommunikationslösungen immer stärker zur Spielwiese unterforderter Kreativer verkommen, die ihrer Quartierbar oder dem Figaro an der Strassenecke zu etwas Publizität verhelfen wollen. Die meisten Big Spenders dagegen setzen in der harzigen Konjunktur wieder auf allzu bewährte Werbemuster. Schuld an dieser Misere ist indes weniger der ADC als mut- und fantasielose Auftraggeber.
Statt den Kreativen die Sporen zu geben, greifen sie flächendeckend in die Zügel.
> Luca Aloisi, stellvertretender Chefredaktor
Entsprechend ist der Vorwurf nicht von der Hand zu weisen, dass herausragende oder gar wegweisende Kommunikationslösungen immer stärker zur Spielwiese unterforderter Kreativer verkommen, die ihrer Quartierbar oder dem Figaro an der Strassenecke zu etwas Publizität verhelfen wollen. Die meisten Big Spenders dagegen setzen in der harzigen Konjunktur wieder auf allzu bewährte Werbemuster. Schuld an dieser Misere ist indes weniger der ADC als mut- und fantasielose Auftraggeber.
Statt den Kreativen die Sporen zu geben, greifen sie flächendeckend in die Zügel.
> Luca Aloisi, stellvertretender Chefredaktor
