Angst vor Gigantismus

Pendlerzeitung Die 20 Minuten Holding fürchtete, dass der geplante Express das eigene Blatt imagemässig ruinieren würde.

Pendlerzeitung Die 20 Minuten Holding fürchtete, dass der geplante Express das eigene Blatt imagemässig ruinieren würde.Warum ist die 20 Minuten Holding schon jetzt bereit, Teile der Schweizer Tochter an Tamedia abzutreten? Sie hätte dank der voraussehbar weiter steigenden Leserzahlen im Herbst bestimmt mehr fordern können. Doch bei der Holding machte offenbar die geplante Express-Auflage von 330000 Exemplaren Eindruck. «Wir wären gezwungen gewesen, unsere Auflage im Raum Zürich ebenfalls zu erhöhen», sagt Chris Tanner, der im VR der 20 Minuten Holding die Müller-Möhl-Erben und andere Schweizer Aktionäre vertritt. Das hätte nicht nur viel gekostet, sondern 20 Minuten auch imagemässig ruiniert: «Doppelt so viele Zeitungen auf der Strasse, eine aggressivere Verteilung und ein grösserer Abfallberg hätten unsere heutige Akzeptanz gefährdet», erklärt Tanner den Ausstieg.Keine vernünftigen Erlöse
Den Einwand, dank der hohen Reichweite und der klaren Zielgruppe hätte 20 Minuten kaum mehr Exemplare benötigt, lässt Tanner nicht gelten. «Der Gigantismus des Express hätte unsere Position bei den Werbern ausgehöhlt», sagt er. Selbst wenn 20 Minuten letztlich gesiegt hätte, hätte dies viel Geld und Goodwill gekostet sowie Einbussen gebracht. Und für die Investoren wäre kaum mehr ein vernünftiger Erlös zu erzielen gewesen.
Im Übrigen betonen sowohl Tanner als auch Christian Stahl, bei Apax zuständig für Medieninvestitionen, dass das Aktionariat der 20 Minuten Holding gleich bleibe. Apax halte weiterhin 27,8 Prozent, die Schweizer Teilhaber 29,1 Prozent und Schibsted den Rest. Nicht einzelne Aktionäre würden Anteile verkaufen, sondern es sei die Holding, die sich aus ihrer 100-Prozent-Tochter 20 Minuten Schweiz zurückziehe. Die Markenrechte für die Schweiz, die derzeit bei der Holding liegen, sollen nach der Zustimmung der Weko an 20 Minuten Schweiz und per Ende 2006 an die Tamedia übergehen. >> S. 16–17
(mk)

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