Die Gratis-Ausreden ziehen nicht mehr
Wemf-Auflagestatistik I: Zeitungsmarkt Alle grossen Tageszeitungen haben im vergangenen Jahr einen herben Auflageneinbruch erlitten.
Wemf-Auflagestatistik I: Zeitungsmarkt Alle grossen Tageszeitungen haben im vergangenen Jahr einen herben Auflageneinbruch erlitten.Um zehntausende von Exemplaren geschrumpft präsentieren sich die neuesten Auflagenzahlen der Schweizer Tages- und Wochenzeitungen nach der jüngsten Wemf-Erhebung. Allein der Blick verlor 5,5 Prozent der Auflage, der Tages-Anzeiger 6,2 Prozent. Ein bescheidenes Wachstum war nur wenigen Titeln vergönnt. Nur Der Landbote sorgte für eine Überraschung: Im Stammland Winterthur von 20 Minuten arg bedrängt, konnte er seine Auflage nicht nur halten, sondern ausbauen (+2,8 %). Gemäss Wemf AG für Werbemedienforschung verloren die grossen Titel im letzten Jahr insgesamt über 100000 Exemplare. Erstmals geht das grosse Auflagenbluten nicht mehr nur aufs Konto der Gratiszeitungen. Wie erwartet, ist es dieses Mal der Sonntagsmarkt, der von der NZZ am Sonntag (NZZaS) durchgeschüttelt wurde. Die während Jahren stabilen Auflagen von SonntagsBlick und SonntagsZeitung sind erstmals eingebrochen: Rund 43000 Exemplare haben beide zusammen verloren. Und was besonders überrascht: Die grössten Verluste streicht nicht die SonntagsZeitung ein, wie im Vorfeld praktisch unisono vermutet wurde, sondern der SonntagsBlick (minus 24000 Exemplare).
«Natürlich haben wir gewusst, dass auch wir nicht ganz von der NZZaS verschont werden. Wenn so viele Gratisexemplare im Markt sind, hinterlässt das bei allen Spuren», erklärt Bernhard Weissberg, Leiter Zeitungen bei Ringier. Dass sein Blatt zum unerwarteten Verlierer auf dem Deutschschweizer Sonntagszeitungsmarkt geworden ist, führt er auf die trübe Konjunktur zurück. «Wenn die Leute sparen, ist das Gift für Zeitungen, die sich zu einem grossen Teil am Kiosk und in Boxen verkaufen müssen.»
NZZaS tat nicht so weh
Nur gut die Hälfte der 19000 verlorenen SonntagsZeitungs-Exemplare gehen laut Tamedia-Zeitungschef Jürg Brauchli aufs NZZaS-Konto: «Wegen den Unsicherheiten mit Swiss haben wir deren Exemplare nicht mehr beglaubigen lassen.» Zudem habe man eine Umstellung auf «nachhaltige Auflagen» in Angriff genommen (siehe auch Seite 23). «Wir fahren die Schnupperabos runter und setzen auf ein- oder möglichst zweijährige Abonnements.»
Noch kräftiger durchgeschüttelt wurde Ringier. Die Verluste des Blick übertreffen jene des Tages-Anzeigers um über 2000 Exemplare. Mit diesem Einbruch fällt der Blick erstmals seit vielen Jahren unter die 300000er-Grenze. Nur der SonntagsBlick bleibt über dieser magischen Schwelle.
Einen hohen Rückgang verzeichnet das Giornale del Popolo: Die Tessiner Tageszeitung verlor beinahe einen Viertel ihrer Auflage. Verlagsdirektor Matteo Oleggini verbindet den Verlust auch mit der Abnabelung der Zeitung vom Bistum Lugano. Unter der neuen Eigentümerkonstellation habe man die Auflage «aufgeräumt» und stärker auf «Nachhaltigkeit» gesetzt.
Nach dem Auflagenraubzug der Pendlerzeitungen sind die Verluste der Printtitel nun hausgemacht.
Infiszierte WirtschaftsblätterVor zwei, drei Jahren schossen die Auflagen der Wirtschaftspresse im Gleichschritt mit den Aktienkursen in die Höhe – jetzt fällt der massive Vertrauensverlust in Wirtschaft und Börse mit erstaunlicher Heftigkeit auf diese Titel zurück. Über 30000 Exemplare beträgt der Rückgang, den die fünf wichtigsten Deutschschweizer Wirtschaftstitel zusammen zu verzeichnen haben. Insgesamt ein Rückgang um über 15 Prozent. Besonders einschneidende Einbussen – je über 7000 Exemplare – erlitten Bilanz und Cash. Und auch Finanzblätter wie Stocks sowie Finanz und Wirtschaft verloren wie nie zuvor an Auflage. Mit einem Minus von 2500 Exemplaren ist die HandelsZeitung am glimpflichsten weggekommen. (dse)
Tops und Flops(Abweichung gegenüber Vorjahr in %)
Zeitlupe +11.4
Weltwoche +7.2
PCtip +7.1
GesundheitSprechstunde +6.0
Cucina di Stagione +3.3
Bieler Tagblatt +3.2
Fit for Life +2.9
Der Landbote +2.8
Schweizer Familie +2.7
Wir Eltern +2.6
Basler Zeitung -5.0
Le Matin Dimanche -5.2
Blick -5.5
Pegasus -6.0
Tages-Anzeiger -6.2
Revue Automobile -6.4
WoZ Wochenzeitung -7.0
HandelsZeitung -7.1
SonntagsBlick -7.1
Automobil Revue -7.3
Das Beste -7.3
Sélection -7.8
Puls-Tipp -8.3
SonntagsZeitung -8.6
Cash -11.0
Finanz und Wirtschaft -12.1
Bilanz -14.6
Bolero -17.0
Du -19.3
Stocks -21.7
Facts -22.4
Giornale del Popolo -24.3
Annabelle -26.3
Dimanche.ch macht Pause
Der Westschweizer Sonntagsmarkt geht eigene Wege: Nach Le Matin Dimanche hat auch Dimanche.ch die Hauszustellung eingestellt – gleichzeitig aber die Zahl der Verkaufskästen verdoppelt. In diesem Zusammenhang will das Sonntagsblatt von Ringier Romandie erst im kommenden Jahr wieder beglaubigen, «wenn die Wemf-Regeln zur Berechnung insbesondere der in Kästen verkauften Exemplare geändert sind», hält Ringier Kommunikation fest. Die dieses Mal «nur» notariell bestätigte Dimanche.ch-Druckauflage liege mit 67700 Exemplaren aber in der Nähe der Wemf-Zählverfahren. (dse)
Daniel Schifferle
«Natürlich haben wir gewusst, dass auch wir nicht ganz von der NZZaS verschont werden. Wenn so viele Gratisexemplare im Markt sind, hinterlässt das bei allen Spuren», erklärt Bernhard Weissberg, Leiter Zeitungen bei Ringier. Dass sein Blatt zum unerwarteten Verlierer auf dem Deutschschweizer Sonntagszeitungsmarkt geworden ist, führt er auf die trübe Konjunktur zurück. «Wenn die Leute sparen, ist das Gift für Zeitungen, die sich zu einem grossen Teil am Kiosk und in Boxen verkaufen müssen.»
NZZaS tat nicht so weh
Nur gut die Hälfte der 19000 verlorenen SonntagsZeitungs-Exemplare gehen laut Tamedia-Zeitungschef Jürg Brauchli aufs NZZaS-Konto: «Wegen den Unsicherheiten mit Swiss haben wir deren Exemplare nicht mehr beglaubigen lassen.» Zudem habe man eine Umstellung auf «nachhaltige Auflagen» in Angriff genommen (siehe auch Seite 23). «Wir fahren die Schnupperabos runter und setzen auf ein- oder möglichst zweijährige Abonnements.»
Noch kräftiger durchgeschüttelt wurde Ringier. Die Verluste des Blick übertreffen jene des Tages-Anzeigers um über 2000 Exemplare. Mit diesem Einbruch fällt der Blick erstmals seit vielen Jahren unter die 300000er-Grenze. Nur der SonntagsBlick bleibt über dieser magischen Schwelle.
Einen hohen Rückgang verzeichnet das Giornale del Popolo: Die Tessiner Tageszeitung verlor beinahe einen Viertel ihrer Auflage. Verlagsdirektor Matteo Oleggini verbindet den Verlust auch mit der Abnabelung der Zeitung vom Bistum Lugano. Unter der neuen Eigentümerkonstellation habe man die Auflage «aufgeräumt» und stärker auf «Nachhaltigkeit» gesetzt.
Nach dem Auflagenraubzug der Pendlerzeitungen sind die Verluste der Printtitel nun hausgemacht.
Infiszierte WirtschaftsblätterVor zwei, drei Jahren schossen die Auflagen der Wirtschaftspresse im Gleichschritt mit den Aktienkursen in die Höhe – jetzt fällt der massive Vertrauensverlust in Wirtschaft und Börse mit erstaunlicher Heftigkeit auf diese Titel zurück. Über 30000 Exemplare beträgt der Rückgang, den die fünf wichtigsten Deutschschweizer Wirtschaftstitel zusammen zu verzeichnen haben. Insgesamt ein Rückgang um über 15 Prozent. Besonders einschneidende Einbussen – je über 7000 Exemplare – erlitten Bilanz und Cash. Und auch Finanzblätter wie Stocks sowie Finanz und Wirtschaft verloren wie nie zuvor an Auflage. Mit einem Minus von 2500 Exemplaren ist die HandelsZeitung am glimpflichsten weggekommen. (dse)
Tops und Flops(Abweichung gegenüber Vorjahr in %)
Zeitlupe +11.4
Weltwoche +7.2
PCtip +7.1
GesundheitSprechstunde +6.0
Cucina di Stagione +3.3
Bieler Tagblatt +3.2
Fit for Life +2.9
Der Landbote +2.8
Schweizer Familie +2.7
Wir Eltern +2.6
Basler Zeitung -5.0
Le Matin Dimanche -5.2
Blick -5.5
Pegasus -6.0
Tages-Anzeiger -6.2
Revue Automobile -6.4
WoZ Wochenzeitung -7.0
HandelsZeitung -7.1
SonntagsBlick -7.1
Automobil Revue -7.3
Das Beste -7.3
Sélection -7.8
Puls-Tipp -8.3
SonntagsZeitung -8.6
Cash -11.0
Finanz und Wirtschaft -12.1
Bilanz -14.6
Bolero -17.0
Du -19.3
Stocks -21.7
Facts -22.4
Giornale del Popolo -24.3
Annabelle -26.3
Dimanche.ch macht Pause
Der Westschweizer Sonntagsmarkt geht eigene Wege: Nach Le Matin Dimanche hat auch Dimanche.ch die Hauszustellung eingestellt – gleichzeitig aber die Zahl der Verkaufskästen verdoppelt. In diesem Zusammenhang will das Sonntagsblatt von Ringier Romandie erst im kommenden Jahr wieder beglaubigen, «wenn die Wemf-Regeln zur Berechnung insbesondere der in Kästen verkauften Exemplare geändert sind», hält Ringier Kommunikation fest. Die dieses Mal «nur» notariell bestätigte Dimanche.ch-Druckauflage liege mit 67700 Exemplaren aber in der Nähe der Wemf-Zählverfahren. (dse)
Daniel Schifferle
