Mediale Ruheräume
Aufgefallen Qualitätszeitungen gedeihen nur in Unabhängigkeit. Öffentliche Förderung untergräbt diese. Ein Plädoyer wider die grassierende Subventionitis.
Kolumne Qualitätszeitungen gedeihen nur in Unabhängigkeit. Öffentliche Förderung untergräbt diese. Ein Plädoyer wider die grassierende Subventionitis.Wem das Wasser bis zum Halse steht, der kann offenbar auch nicht mehr klar denken. Wie anders soll man sonst verstehen, dass eines der überregionalen deutschen Tagesblätter in seiner Finanznot die Landesregierung um eine Millionenbürgschaft bittet? Ausgerechnet die Frankfurter Rundschau, die im rot-grünen Milieu angesiedelte Hüterin der politischen Korrektheit, lässt sich vom Kabinett des ihr verhassten Ministerpräsidenten Roland Koch Geld in die löchrigen Taschen stopfen. Und mancher gewerkschaftlich engagierte Journalist, der die laufenden Schreckensmeldungen über den Rückgang der Werbeeinnahmen im eigenen Hause verfolgt, überlegt jetzt halblaut, ob nicht auch für den Printsektor öffentlich-rechtliche Organisationsformen aufgebaut werden sollten. Wenn Zeitungen trotz publizistischen Erfolgs auf dem nach dem Prinzip ökonomischer Konkurrenz verfassten Markt scheitern, dann ist die für Demokratien unverzichtbare Medienöffentlichkeit in Gefahr. Warum also nicht eine Unterstützung für die gedruckten Leitmedien der Meinungsbildung aus dem Steuertopf?Wenn es in Unternehmen kriselt, muss es in Deutschland und offenbar auch in der Schweiz der Staat richten. Die Entscheidung auf den Märkten zu akzeptieren, gilt hier vielen als ruchlos. Wenn, zum Beispiel in Berlin, wirklich ein halbwegs renommiertes Blatt zusperren müsste, dann kann man schon jetzt die kulturkritischen Leitartikel formulieren, die mit bitteren Worten über die Vernichtung von politischer Kultur durch die Profitkalküle seelenloser Manager sich aufregen würden.
Diese alten Gassenhauer werden nicht dadurch besser, dass sie immer wieder gepfiffen werden. Dabei weiss jeder: Es gab und gibt gute Zeitungen nur, wenn sie von Privatunternehmen in grösstmöglicher Unabhängigkeit vom Staat betrieben werden. Kredite, selbst Bürgschaften und erst recht Förderung aus öffentlichen Mitteln untergraben diese Unabhängigkeit. Diese Freiheit ist vom Risiko des Scheiterns nicht zu trennen. In der Regel hat dieses Scheitern genau identifizierbare Gründe: Fehler im Management, mangelnde Anpassung des redaktionellen Angebots an veränderte Rezeptionsgewohnheiten und Interessen oder Unfähigkeit zur innovativen Erschliessung neuer Märkte. All das sind keine Gründe, nach staatlichen Hilfen zu rufen. Wenn es keine investitionsbereiten Verleger und keine kauflustigen Leser für eine Zeitung gibt, dann sollte sie auch nicht künstlich am Leben erhalten werden.
Das gilt auch deshalb, weil das Modell des öffentlich-rechtlichen Rundfunks zeigt, was geschieht, wenn man einen ganzen Sektor des Mediensystems von Markteinflüssen abkoppelt: Ein schwerfälliger Apparat, undurchschaubare Landnahme von Parteien und Interessengruppen in den Gremien und die Entwicklung eines journalistischen Milieus, das vor allem seine eigenen Gewissheiten für sendefähig hält. Man vergleiche zum Beispiel nur einmal die scheppernde Rhetorik von der Programmqualität, die in Deutschland anlässlich der neuen und unverschämten Forderung nach einer Gebührenerhöhung zu hören ist, mit der ARD- und ZDF-Berichterstattung über den Irak-Krieg: So viel Desinformation gabs bei kaum einem der Kommerzkanäle. Und was die Effizienz betrifft, so ist etwa das Missverhältnis zwischen der Zahl der Auslandskorrespondenten und ihren Programmleistungen{ schon grotesk. Durch diese Wärmestube des durch sichere Gebühren finanzierten Mediums wehen die Winde der Veränderung nicht. Noch mehr solcher medialen Ruheräume brauchen wir sicher nicht.
Heribert Seifert ist Medien- und Kulturkorrespondent der Neuen Zürcher Zeitung.
Diese alten Gassenhauer werden nicht dadurch besser, dass sie immer wieder gepfiffen werden. Dabei weiss jeder: Es gab und gibt gute Zeitungen nur, wenn sie von Privatunternehmen in grösstmöglicher Unabhängigkeit vom Staat betrieben werden. Kredite, selbst Bürgschaften und erst recht Förderung aus öffentlichen Mitteln untergraben diese Unabhängigkeit. Diese Freiheit ist vom Risiko des Scheiterns nicht zu trennen. In der Regel hat dieses Scheitern genau identifizierbare Gründe: Fehler im Management, mangelnde Anpassung des redaktionellen Angebots an veränderte Rezeptionsgewohnheiten und Interessen oder Unfähigkeit zur innovativen Erschliessung neuer Märkte. All das sind keine Gründe, nach staatlichen Hilfen zu rufen. Wenn es keine investitionsbereiten Verleger und keine kauflustigen Leser für eine Zeitung gibt, dann sollte sie auch nicht künstlich am Leben erhalten werden.
Das gilt auch deshalb, weil das Modell des öffentlich-rechtlichen Rundfunks zeigt, was geschieht, wenn man einen ganzen Sektor des Mediensystems von Markteinflüssen abkoppelt: Ein schwerfälliger Apparat, undurchschaubare Landnahme von Parteien und Interessengruppen in den Gremien und die Entwicklung eines journalistischen Milieus, das vor allem seine eigenen Gewissheiten für sendefähig hält. Man vergleiche zum Beispiel nur einmal die scheppernde Rhetorik von der Programmqualität, die in Deutschland anlässlich der neuen und unverschämten Forderung nach einer Gebührenerhöhung zu hören ist, mit der ARD- und ZDF-Berichterstattung über den Irak-Krieg: So viel Desinformation gabs bei kaum einem der Kommerzkanäle. Und was die Effizienz betrifft, so ist etwa das Missverhältnis zwischen der Zahl der Auslandskorrespondenten und ihren Programmleistungen{ schon grotesk. Durch diese Wärmestube des durch sichere Gebühren finanzierten Mediums wehen die Winde der Veränderung nicht. Noch mehr solcher medialen Ruheräume brauchen wir sicher nicht.
Heribert Seifert ist Medien- und Kulturkorrespondent der Neuen Zürcher Zeitung.
