Zurück im Alltag

Guido Wietlisbach begutachtete DM-Kampagnen für Cannes und wirkt als VR-Chef von OgilvyOne neu als deren Leiter Strategieplanung und Kreation.

Guido Wietlisbach begutachtete DM-Kampagnen für Cannes und wirkt als VR-Chef von OgilvyOne neu als deren Leiter Strategieplanung und Kreation.Die Ernennung zum Jurymitglied Direktmarketing beim grössten Werbefestival bezeichnet er als eine Ehre. Mehr Gewinn zog Guido Wietlisbach aber aus der Tatsache, dass er dank dieser schweisstreibenden Aufgabe Einblick in DM-Arbeiten aus der ganzen Welt bekam. Denn bei der Vorjurierung musste er 200 Konzepte auf ihre Tauglichkeit prüfen. Beim Direct Marketing sei die Qualität eben nicht auf den ersten Blick erkennbar. «Neben der Idee spielen verschiedene Aspekte eine zentrale Rolle, so auch die Zielgruppenbestimmung und das Material eines Mailings. Dazu kommt die kreative Ausgestaltung und vor allem die Strategie», schildert er die hohe Kunst seiner Branche. «Direkte Kommunikation ist der Megatrend. Es braucht immer mehr Druck, dass Werbung überhaupt noch wahrgenommen wird. Das führt irgendwann einmal dazu, dass man mit einzelnen und ausgewählten Partnern zu kommunizieren beginnt», sieht Wietlisbach die Zukunft seiner Arbeit. Entsprechend wichtig sei darum die Kreativität. Weil ein Mailing auch zwei- oder dreidimensional gestaltet werden kann, ist es für Wietlisbach erstaunlich, dass viele Kreative hier auf einer Einbahnstrasse fahren. «Die Möglichkeiten im Gestaltungsbereich sind grösser als bei klassischer Werbung.»
Seine Stärken liegen aber auch im kaufmännischen Bereich: «Zahlen und Analysen und damit die strukturierte Seite der Werbung haben mich schon immer fasziniert.» Nach einem Handelsschulabschluss in Basel und ersten beruflichen Erfahrungen ist Wietlisbach 1985 zum Weka-Verlag in Zürich gestossen. Nach ersten DM-Schritten bei Jelmoli hat er hier in verschiedenen Funktionen das Direktmarketing intensiv kennen und schätzen gelernt und damit den Grundstein für seine spätere DM-Karriere gelegt. «Werbeleiter und was man alles so macht», umschreibt der Vater zweier Kinder mit Wohnsitz am Zugersee seine Weiterbildung, bevor er 1989 in das Agenturbusiness wechselte und 1990 eine Direct-Marketing-Agentur im damaligen Konglomerat von Jean Etienne Aebi gründete.
1994 entschied er sich endgültig für die Selbstständigkeit. Die 1997 aus Wietlisbachs Einzelfirma entstandene Agentur beschäftigt heute 24 Mitarbeitende. «Unsere Stärken liegen im strategisch kreativen Bereich, vor allem für mittelgrosse und für grosse Aufgaben. Und das braucht einen Brand», sagt der VR-Präsident. Mit ein Grund, weshalb er zusammen mit seinem Mitinhaber Daniel Brügger beim internationalen Netzwerk OgilvyOne angedockt hat, was auch zu einem Namenswechsel führte.
Nach 24 Prozent Wachstum im letzten Jahr will Wietlisbach dieses Jahr einen Konsolidierungskurs fahren. Eine neue Erfahrung für ihn, weil OgilvyOne in den letzten Jahren stets ein Wachstum im zweistelligen Prozentbereich verbuchen konnte. Freilich, mit dem Umsatzwachstum wurden auch die Geschäftsführungsaufgaben immer umfangreicher. Eine Entwicklung, die den Vollblutwerber und begeisterten Golfspieler nicht mehr befriedigt hat. Darum ist er seit Anfang Jahr Leiter der strategischen Planung und Kreation. In die Niederungen des Agenturalltags stieg er aber im eigenen Interesse, denn «dort kann ich der Agentur am meisten bringen».
Mit wenigen Schlägen putten: Die hohe Kunst des Golfspiels ist für Guido Wietlisbach erholsame Ergänzung zum DM-Alltag.
Andreas Panzeri

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