Hitzige Eventwoche
Gleich für zwei Tage lud die Goldbach Media zur Mediarena in die neue Börse im Zürcher Selnauquartier.
Die Mediarena zeigte sich gut besucht, der Abschlussapéro hingegen etwas weniger. An den servierten Häppchen kanns diesmal ganz sicher nicht gelegen haben, denn diese waren über jeden Zweifel erhaben. Schuld waren wohl eher die draussen vorherrschenden, geradezu tropischen Temperaturen, mit denen die Zürcher seit geraumer Zeit schon ungewohnt grosszügig verwöhnt werden. Item, man wollte sich am Feierabend einfach nicht mehr im zwar durchaus angenehm klimatisierten Börsenfoyer aufhalten. Die meisten zogen schnurstracks in die nächste schattige Gartenbeiz oder zur Erfrischung ans Seeufer.
Dass man sich bei der Zahl der Gäste für den abschliessenden Umtrunk leicht verschätzt hatte, erkannte man nicht nur an den gelichteten Reihen unter den Anwesenden. Die Catering-Crew verteilte nach einer gewissen Zeit den sich verabschiedenden Gästen grosszügig Doggy-bags, auf dass die vielen Spezereien doch noch ihrem Zweck, dem endgültigen Verzehr nämlich, zugeführt werden konnten. Was mancher Anwesende beim Abschied mit einem artigen Dankeschön quittierte.
Nicht beirren von den tropisch-schwülen Temperaturen liessen sich die Besucher der ADC-Buchvernissage, die am selben Tag gleich um die Ecke, im Haus Konstruktiv im EWZ-Unterwerk Selnau, stattfand. Kein Wunder, scheinen doch Werber aus einem anderen,
vielleicht wetterbeständigeren Holz geschnitzt zu sein als die Mediafachleute.
Man nutzte das prima Klima gleich für die eigenen Zwecke und hielt die ganze Veranstaltung im Freien ab. Müssten ja keine Kreativen sein, die auf solche Ideen kommen! Flugs aufgestellte Zelte und die Mauern des modernen Museums spendeten kühlenden Schatten, und auch Durstlöscher waren reichlich vorhanden. Emsiges Servicepersonal war darum besorgt, dass die Gläser der Gäste schon gar nicht erst leer wurden. Und das war auch gut so, denn gleich zu Beginn wurde das Programm verzögert. Das für ein Jahr gewählte ADC-Ehrenmitglied fehlte noch. Schliesslich fand aber auch Blick-Kolumnist Jürg Ramspeck den Weg an die Sihl. Seine Rede hielt er, sichtlich stolz auf die ihm übertragene Ehrung, kurzerhand aus dem Stegreif. Die sehr persönlich eingefärbte Laudatio wurde von Hildegard Schwaninger, selbst eine Ikone des gehobenen Gesellschaftsjournalismus, vorgetragen.
Protagonistin des Abends war aber keine Person, sondern das ADC-Buch. Wie jedes Jahr wartete man gespannt darauf, was sich die Gestalter für die neueste Ausgabe des Kreativwälzers haben einfallen lassen – denn der Anspruch ist hoch: Zwischen der Gestaltung eines Buches und einer Anzeigenseite liegen Welten. «Ein bisschen ‹Indianerlis› spielen passt doch irgendwie zum ADC», muss sich das Team von Matter & Partner gedacht haben, als es zur Ideenfindung fürs Jahrbuch schritt. Das im Westernstil gehaltene Werk lohnt, sich näher damit zu befassen – nicht allein deshalb, weil man darin auch gute Ideen für eigene Kampagnen finden kann (aufpassen, Kupferschutz!). Man geniesst für einmal den erfrischenden Zugang zur Präsentation prämierter Werbung. Ein absoluter Hammer sind die gelungenen Fotomontagen der Jurypräsidenten, deren Gesichter in alte Indianerfotografien hineinretouchiert wurden. Und notabene in einer Qualität, die man als geradezu exzellent bezeichnen muss. So lernt man Häuptlinge wie Martin «The Bull» Fueter, Andreas «Adlerauge» Prokesch oder Daniel «Grosser Bär» Matter im neuen Jahrbuch kennen. Die ganzen Ideen dazu hatten die jungen Krieger Philipp Skrabal, Marcel Jäger, Sascha Fanetti, Ondrej Maczko und Martin Schlatter, die heuer für den Auftritt des Buchs verantwortlich zeichneten, das in gewohnt überraschender Weise daherkommt. Kleiner Tipp unter Kollegen: Für die nächste Prämierung des Wettbewerbs «Schönste Schweizer Bücher» einreichen.
Die Buchpremiere war aber auch Auftakt zu einer Ausstellung im Haus Konstruktiv, die letzte Woche ihre Türen öffnete (ADC-Geschäftsführerin Helen Müller hat uns gebeten, hier noch ein bisschen die Werbetrommel zu rühren). In der Ausstellung Off Side Art 1 im Rahmen der neuen Präsentationsreihe Off Side Art schlägt das Haus Konstruktiv eine Brücke von der reinen Kunst zur aktuellen Gegenwartsgestaltung. In Zusammenarbeit mit dem ADC entstand eine Hommage an die Gegenwartskultur, die prämierte Arbeiten aus allen Kommunikationsdisziplinen zeigt; eine durchaus sinnvolle Ausstellung, haben sich doch konstruktives künstlerisches Schaffen und kreative Gestaltung seit eh und je gegenseitig inspiriert und ergänzt – zur Erinnerung für Leser, die dem Konstruktivismus bisher nicht viel abgewinnen konnten: Camille Graeser zum Beispiel hatte auch Möbel entworfen… Die punktgenaue Performance der Gegenwart (so der Katalogtext) kann bis am 14. September besucht werden. Das Haus Konstruktiv ist geöffnet von Mittwoch bis Freitag, 12 bis 18 Uhr, sowie Samstag und Sonntag von 11 bis 18 Uhr (und es ist übrigens schön kühl dort, weil Museen auf Grund
ihrer Exponate naturgemäss über Luxusklimaanlagen verfügen müssen). Eine Extrawurst gibts zudem für Gruppen, die sich voranmelden und so in den Genuss einer Privatführung durchs Haus Konstruktiv kommen.
Die Ausstellung ist unbedingt sehenswert, vor allem auch für die CDs, ADs, Gestalter und Texter der ausgestellten Arbeiten. Denn wer kann schon von sich behaupten, im gleichen Museum ausgestellt zu werden, in dem auch Werke von Glarner oder Bill zu sehen sind. Da könnte man glatt die Freundin oder gleich die ganze Familie bei einem Besuch riesig beeindrucken.
Jürg Ramspeck (r.), jüngstes ADC-Ehrenmitglied, mit dem Clubvorsitzenden Andreas Prokesch.
Beat Fritsch
traf Hildegard Schwaninger, quasi die Mutter aller Shortlists, an der ADC-Buchvernissage. Schwaningers Gesellschaftskolumne im Züri Leu gehörte bereits in frühester Jugend zum unentbehrlichen Lesestoff des Shortlist-Autors. Die Journalistin hielt heuer die Laudatio auf das neue ADC-Ehrenmitglied Jürg Ramspeck. Ebenfalls gesehen letzte Woche: Die Gäste am Schlussapéro der Mediarena in der neuen Börse, der wegen Traumwetters allerdings nicht gerade in Massen frequentiert wurde.
Wo sich die Kommunikations-, Media- und Verlagsszene zu ihren Events trifft, orten wir an den verschiedensten Veranstaltungen. Haben Sie schon jetzt etwas zu berichten? Greifen Sie zum Hörer (01 296 97 98) oder in die Tasten ([email protected]). Veranstaltungstipps und weitere Shortlistbilder gibt es online unter www.werbewoche.ch
