New-Business-Bibel

«Märkte sind Gespräche», lautete die erste der 95 Cluetrain-Thesen, so viele, wie Martin Luther einst ans Wittenberger Kirchenportal schlug.

«Märkte sind Gespräche», lautete die erste der 95 Cluetrain-Thesen, so viele, wie Martin Luther einst ans Wittenberger Kirchenportal schlug.Knapp drei Jahre ists bereits wieder her, dass die amerikanischen New-Economy-Priester um Web-Papst Doc Searls ihre frohe Business-Botschaft – der Forderungskatalog umfasste nebst grösserer Transparenz, Direktheit, Dezentralisierung und Fehlertoleranz auch «more (self) irony» – unters Nadelstreifenvolk zu bringen versuchten. Der mässige Erfolg dieses Reformationsversuchs ist indes weniger dessen ideeller Substanz als der sich seitdem real stetig verschlechternden Wirtschaftslage geschuldet.
Sicher, Experimentierlust muss man sich erst mal leisten können. Andererseits: Nichts wirkt lust- und kreativitätsfeindlicher, als Kosten zu drücken, ohne damit ein weitergehendes Umdenken zu verbinden. Dafür aber bietet der Ex-Bestseller immer noch den wortwörtlichen
Güterzug voller Tipps und Anregungen («cluetrain»). Zum Beispiel der Authentizitätsappell ans Marketing des 21. Jahrhunderts. Denn «bald wird uns der unmenschliche Klang von Inseraten, Spots und Broschüren so affektiert vorkommen wie die Sprache am Königshof von Ludwig dem Vierzehnten».
>Das Cluetrain Manifest: Thesen für die Unternehmenskultur im digitalen Zeitalter von Doc Searls, Rick Levine u. a. Econ Verlag, München 2000. 287 Seiten, Fr. 33.–.
(oc)

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