«Werbegeschenke sind oft Umweltverschmutzung»

Werbeartikel III Was hält die Eliteszene von Werbegeschenken? Wann setzt sie auf Werbegeschenke? Und welche Werbeartikel liegen bei den Kreativen im Trend?

Werbeartikel III Was hält die Eliteszene von Werbegeschenken? Wann setzt sie auf Werbegeschenke? Und welche Werbeartikel liegen bei den Kreativen im Trend?Antworten darauf bekam die werbewoche von Frank Bodin, Rolf Zimmermann, Markus Gut, Markus Ruf und Dominik Imseng. Rolf Zimmermann Managing Director Spillmann, Felser, Leo Burnett:
«Klar – wir entwickeln auf Wunsch auch Werbegeschenke. Ich rede dabei aber nicht von Kugelschreibern oder Schirmen, sondern von Artikeln, die mit der Aussage der Werbebotschaft respektive der Marke übereinstimmen. Um das passende Give-away zur vorhandenen Werbeidee zu finden,
lassen wir sehr oft die Artikel extra herstellen. Wichtig dabei ist, dass die Werbegeschenke in den meisten Fällen nicht allzu viel kosten und dennoch nicht gerade nach drei Tagen auseinander fallen. Eines unserer bekannteren Beispiele ist der Skifahrerbeschleuniger, der wie eine Rätsche funktioniert und den wir für unseren Kunden Swisscom für die Ski-Weltmeisterschaft in St.Moritz entwickelt haben.»
Markus Gut Executive Creative Director Publicis:
«Wenn Werbegeschenke Sinn machen, sind sie ein gutes Mittel, um Aufmerksamkeit zu wecken. Unabdingbar ist dabei aber, dass erst die Idee entwickelt und dann nach dem passenden Produkt gesucht wird. Die besten Beispiele für gelungene Werbegeschenke sind unsere Give-aways für Sportplausch Wider. Nicht umsonst wurden wir für diese schon zigfach ausgezeichnet. Sie passen in die Werbe- und Kommunikationsstrategie, sind überraschend und spannend.
Leider gibt es aber auch viele ideenlose Werbegeschenke, irgendwelche Produkte, auf denen lieblos irgendein Logo hingedruckt wurde und hinter denen absolut keine Werbeidee steht.»
Markus Ruf Creative Director und Mitinhaber Ruf Lanz:
«Ehrlich gesagt, fallen mir spontan wenig sinnvolle Anwendungen ein. Oft handelt es sich doch um Standardware, auf die Autogaragen, Pizzerias und Pubs einfach ihre Logos drucken. Ein nachvollziehbarer oder gar überraschender Zusammenhang zum Werbenden besteht nur selten. Allenfalls versucht man, dem Ganzen mit einem dünnen Wortspiel ein bisschen Sinn einzuhauchen (à la «Wir sind Feuer und Flamme für Ihren Auftrag» auf einem Feuerzeug). Was es auch nicht besser macht. Interessante Anwendungen entstehen, wenn zuerst eine gute Idee da ist, welche ein bestimmtes Werbegeschenk zwingend macht. Beispiel: die Give-aways, die Markus Gut und ich seit einigen Jahren dem Sportplausch Wider vorschlagen und die mit schöner Regelmässigkeit ausgezeichnet werden. Dabei ist bezeichnend, dass man diese Werbegeschenke meistens nicht im Katalog findet, sondern extra herstellen lassen muss.»
Dominik Imseng Creative Director McCann-Erickson Schweiz:
«Auch Werbegeschenke sind eine kreative Chance. Schön, wenn man sie eigens produzieren kann – wie beispielsweise unseren Flipchartblock fürs NZZ Grandplus. Aber auch ein gewöhnlicher Kugelschreiber kann entzücken – sofern die Headline stimmt.
Einmal mehr gilt also: Die Idee machts.»
Frank Bodin CEO Euro RSCG Schweiz:
«In den meisten Fällen sind Werbegeschenke eine Umweltverschmutzung. Oder eine aktive Bestechung. Sinn machen Werbegeschenke nur, wenn sie einen zusätzlichen Inhalt vermitteln oder der Werbeträger einen besonderen Bezug zum Produkt herstellt. Bei Werbegeschenken verhält es sich wie bei der richtigen Werbung: Ohne Idee ists Müll.»
SFLB für Swisscom.
Publicis für Sportplausch WiderPappstars als ‹Werbegeschenke› für den Privatsender NRJ.
McCann-Erickson für NZZ Grandplus
Umfrage: Annelies Friedli

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