Schmelzend und süss

Bonbonmarkt Doetsch Grether will mit einer FCBLK-Kampagne ihre Eigenmarke Grether’s Pastilles wieder in aller Munde bringen. Mit Coop hatdas Basler Unternehmen zudem einen neuen Distributionskanal erschlossen.

Bonbonmarkt Doetsch Grether will mit einer FCBLK-Kampagne ihre Eigenmarke Grether’s Pastilles wieder in aller Munde bringen. Mit Coop hat
das Basler Unternehmen zudem einen neuen Distributionskanal erschlossen.
Schwarze Johannisbeere, Glycerin und Agar Agar: Das sind die Ingredienzen von Grether’s Pastilles, die bis vor kurzem nur in Drogerien und Apotheken erhältlich waren. Per Anfang November hat die Herstellerin Doetsch Grether AG (DG) eine neue Distributionspartnerschaft mit Coop geschlossen und für den Detaillisten eine 60-Gramm-Dose eingeführt. Diese Veränderungen sind für das Basler Familienunternehmen Anlass genug, sein Produkt auch auf der Pull-Ebene der Kommunikation wieder zu verstärken. Eine neue Inseratekampagne aus dem Hause FCB Leutenegger Krüll (FCBLK) soll die Pastillen in aller Leute Munde bringen. «Der Ausbau der Bekanntheit soll Grether’s Pastilles in die Top Five der bekanntesten Bonbons-Brands bringen», erklärt Christoph Bögli, FCBLK-Berater, das hoch gesteckte Ziel. Denn die Verantwortlichen wollen die Pastille nicht nur mit ihresgleichen messen, sondern ihre Awareness innerhalb des gesamten Bonbonmarktes verdoppeln. Die Werbespendings der ersten neun Monate beliefen sich in dieser Branche auf rund 3,5 Millionen Franken. Am aktivsten bearbeiteten Fisherman’s Friend, Läkerol, Ricola und Tic Tac den Schweizer Markt.
Die Grether’s Pastilles wurden ursprünglich von der britischen Allen & Hanburys Ltd. nach einem Rezept aus dem 18. Jahrhundert hergestellt. Als Anfang der Siebzigerjahre die Produktion aus finanziellen Gründen eingestellt werden sollte, erwarb das Basler Grosshandelsunternehmen Doetsch Grether die Herstellungslizenz der Pastillen. Bereits seit 1930 war DG für den Vertrieb des Produktes in der Schweiz zuständig. Mit der Verlegung der Produktionsstätte von England in die Schweiz änderte sich ausser dem Namen – aus Allenbury’s wurden Grether’s Pastilles – nichts: Bis heute wird das Produkt nach Originalrezept mit erlesenen Zutaten in aufwändiger Handarbeit hergestellt.
Der Herkunft verpflichtet sah sich denn auch das Kerativteam um CD Mike Krüll. Die Umsetzung sollte den Ursprung der Halspastille visuell aufnehmen und unterstreichen. Mit dem Butler Ernest und seinem Lord haben die Kreativen zwei Identifikationsfiguren geschaffen. Inspiriert durch den Schlagabtausch der beiden Komiker Walther Matthau und Jack Lemmon in «Ein seltsames Paar», liefern sich die Protagonisten in very britischer Umgebung verbale Gefechte – die sich immer um Grether’s Pastilles drehen. Entstanden seien im Grunde «gedruckte Filme», bemerkt Mike Krüll nicht ohne Stolz.
Running Gag Porzellanhund
Dazu beigetragen hat auch der Fotograf David Stewart – selbst britischer Herkunft –, der mit viel Liebe zum Detail die Szenen auf Zelluloid gebannt hat. So findet der Betrachter zum Beispiel auf jedem der vier Sujets den Porzellanhund wieder. Die Umsetzung sollte das Englische hervorheben, allerdings mit einer Portion Humor, so Krüll. Neben der Herkunft wollen die Anzeigen auch die aufwändige Produktion der Cassis-Pastillen in Erinnerung rufen. Diese werden nämlich nach wie vor satzweise produziert – und sind deshalb auch teurer als ihre massenproduzierten Kopien.
Mit der Öffnung des Distribu-tionskanals sollen die Wachstumsgrenzen gesprengt und der Absatz von Grether’s Pastilles gesteigert werden. Dass diese Neuerung vom Fachhandel nicht durchwegs gut aufgenommen wird, überrascht nicht. Trotzdem ist Berater Bögli überzeugt, dass der «enorme Mediadruck» auch den Absatz in den Fachgeschäften steigern wird.
Doetsch Grether AGDas Familienunternehmen Doetsch Grether (DG) geht auf eine 1899 in Basel eröffnete Apotheke zurück. In den folgenden Jahren
wurde sie unter der Regie der Familie Grether zur Grosshandelsfirma von Pharma- und Kosmetikprodukten ausgebaut. Später folgten Distributionsaufträge, und seit Anfang der Sechzigerjahre ist DG auch Produktionsstätte. 1975 wurde Esther Grether-Kast Nachfolgerin
ihres verstorbenen Mannes Hans Grether, Inhaber in zweiter Generation. Die Alleinaktionärin von DG ist zugleich Verwaltungsratspräsidentin von Beiersdorf Schweiz, die je zur Hälfte ihr und dem deutschen
Konzern gehört. Zudem sitzt Grether im Verwaltungsrat der Swatch
Group und ist mit einem Anteil von rund sieben Prozent zweitgrösste
Einzelaktionärin. Neben Beiersdorf-Produkten produziert DG die
Eigenmarken Fenjal, Dikla, Crest-Kondome, Grether’s Pastilles und
Sulgan. Im vergangenen Jahr erzielte der Familienbetrieb einen Umsatz von rund 103 Millionen Franken. (sk)
«Gedruckte Filme»: Anzeigen für Grether’s aus der Bonbonküche von FCB Leutenegger Krüll.
Simone Keller

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