Umstrittenste Kampagnen des Jahres

Drei Auftritte – eine im Frühjahr und zwei im Herbst – spalteten 2003 die Eidgenossenschaft.

Drei Auftritte – eine im Frühjahr und zwei im Herbst – spalteten 2003 die Eidgenossenschaft.Den Auftakt machten knackige Frauenpos, bekleidet mit einem Hauch von Nichts, Marke Sloggi. Die zarten Gewächse mit Barbie-Massen säten Zwiespalt unter den Geschlechtern: Während die Venusianerinnen sich ihrer Würde beraubt fühlten, verfielen die Marsianer den Reizen der Frühlingssirenen am Strassenrand. Dies wiederum zog heftige Diskussionen um die Verkehrssicherheit nach sich. Zumindest der Sexismus-Vorwurf konnte durch den negativen Entscheid der Lauterkeitskommission abgeschmettert werden. Im Herbst durfte die Franz AG die Früchte ihrer regionalen Imagekampagne pflücken: saftige Rassismus-Vorwürfe. Eigentlich wollten die Kreativen von MRM Partners mit einem Namenspiel auf die Kompetenz des Unternehmens in Sachen Peugeot-Vertretung hinweisen. Dass sie dafür Namen wie Goran, José, Giovanni oder Detlef kurzerhand rot durchstrichen und mit Franz – dem «richtigen Namen für Peugeot» – ersetzten, wurde ihnen übel genommen. «Verachtend und rassistisch», so das Fazit. Diese Vorwürfe erntete fast zur gleichen Zeit auch die Kampagne von Sigi Feigels Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus. Die von Wirz konzipierten Witze ohne lustige Pointe rissen einen tiefen Graben in der Schweizer Bevölkerung auf – allerdings zog sich dieser durch alle Geschlechter, Landesteile und politischen Gesinnungen. Vorwurf Nummer eins: Die eigenwillige Umsetzung schüre genau die Vorurteile, die sie eigentlich bekämpfen wolle. Diskriminierend oder nicht, eines sind alle drei Kampagnen: aufgefallen. Und was will denn Werbung mehr? Zogen den Zorn von Frauen und Antirassisten auf sich: Drei Kampagnen, die 2003 viel zu reden gaben.
(sk)

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