Die NZZ sucht eine Farbphilosophie
Presse Die Neue Zürcher Zeitung übt verschiedene Grade der Zurückhaltung mit Farbbildern. Ein Konzept fehlt.
Presse Die Neue Zürcher Zeitung übt verschiedene Grade der Zurückhaltung mit Farbbildern. Ein Konzept fehlt.Seit dem 30. September wird die NZZ vollständig auf neuen Rotationsmaschinen im Druckzentrum in Schlieren gedruckt. Längst vorbei die Zeiten, als das Anwerfen der alten Druckmaschinen im Parterre den Hauptsitz an der Falkenstrasse 11 erzittern liess. Was an digitalen Bild- und Textdaten in der Redaktion entsteht, das bringt die neue Rotation in der Schlieremer «Kathedrale der Technik» (Zitat NZZ) jetzt auch tatsächlich aufs Blatt.Kein Farbkonzept in Sicht
Bis anhin hatten die Drucker besonders dort Mühe, wo Gutenbergs Kunst schwarz ist. Die Bildreportagen in der Rubrik «Zeitbilder» am Wochenende verflachten regelmässig unter einem milchigen Wolkenschleier in den schwarzen Bildbereichen. Das ist vorbei. Neuerdings versucht man sich in den Redaktionsstuben vermehrt in Farbe. Kein leichtes Unterfangen, denn die Marke NZZ schreibt eine bald 225-jährige Tradition fort und ist akribisch auf Beständigkeit bedacht.
«Wir werden wohl nie eine durchgehend farbige Zeitung machen, sonst unterscheiden wir uns nicht mehr von einem Regionalblatt», sagt NZZ-Koordinator Beat Brenner kategorisch. Somit ist Zurückhaltung bereits Programm. Ein Farbkonzept jedoch ist noch keines ersichtlich, nimmt man einmal die Ausgaben der vergangenen Woche zur Hand. Die Zahl der pro Ausgabe zum Einsatz kommenden Farbbilder und deren Platzierung scheinen zufällig. Bereits regelmässig anzutreffen sind hingegen farbig unterlegte Grafiken und Karten. Grundsätzlich zeigen die Seiten mit Service- und Kulturthemen sowie der Sportteil weniger Berührungsängste mit der Farbe.
Obwohl laut Beat Brenner die Veränderung eine «diffizile» Angelegenheit sei und man der Redaktion, die übrigens wie beim Text auch beim Bild die Hoheit hat, keine expliziten Anweisungen erteile, scheint man sich in einigen Punkten schon einig zu sein. So sollen wo qualitativ möglich die Aufschlagsseiten von Beilagen wie «Automobil», «Luftfahrt», «Zeitfragen»,
«Literatur» und «Kunst» und so fort Farbbilder enthalten. Im Hauptblatt soll der Sport farbig aufmachen und im Wirtschaftsteil sollen farbige Grafiken die Lesbarkeit erhöhen. Ansonsten werde Farbe dort gesetzt, wo es sich aufdränge, sagt Brenner. Doch darüber gingen die Meinungen auseinander. «Im Zweifelsfall verzichten wir auf Farbe», sagt er. Und wenn sich die Redaktoren mit der Bildredaktion oder mit den Fotografen überwerfen, entscheidet Brenner zusammen mit dem jeweiligen Ressortchef. «Wir sammeln Erfahrungen und müssen unsere Farbphilosophie noch entwickeln.»
Brenner rechnet, dass sich der Prozess bis in einem halben Jahr eingeschliffen habe. So rigid wie die Frankfurter Allgemeine, mit starrem Farbkonzept, wolle die NZZ indessen nicht werden.
Sicher ist sicher: Die NZZ nimmt in ihrer Headline zur Münsterhof-Story auch Rücksicht auf Farbenblinde.
René Worni
Bis anhin hatten die Drucker besonders dort Mühe, wo Gutenbergs Kunst schwarz ist. Die Bildreportagen in der Rubrik «Zeitbilder» am Wochenende verflachten regelmässig unter einem milchigen Wolkenschleier in den schwarzen Bildbereichen. Das ist vorbei. Neuerdings versucht man sich in den Redaktionsstuben vermehrt in Farbe. Kein leichtes Unterfangen, denn die Marke NZZ schreibt eine bald 225-jährige Tradition fort und ist akribisch auf Beständigkeit bedacht.
«Wir werden wohl nie eine durchgehend farbige Zeitung machen, sonst unterscheiden wir uns nicht mehr von einem Regionalblatt», sagt NZZ-Koordinator Beat Brenner kategorisch. Somit ist Zurückhaltung bereits Programm. Ein Farbkonzept jedoch ist noch keines ersichtlich, nimmt man einmal die Ausgaben der vergangenen Woche zur Hand. Die Zahl der pro Ausgabe zum Einsatz kommenden Farbbilder und deren Platzierung scheinen zufällig. Bereits regelmässig anzutreffen sind hingegen farbig unterlegte Grafiken und Karten. Grundsätzlich zeigen die Seiten mit Service- und Kulturthemen sowie der Sportteil weniger Berührungsängste mit der Farbe.
Obwohl laut Beat Brenner die Veränderung eine «diffizile» Angelegenheit sei und man der Redaktion, die übrigens wie beim Text auch beim Bild die Hoheit hat, keine expliziten Anweisungen erteile, scheint man sich in einigen Punkten schon einig zu sein. So sollen wo qualitativ möglich die Aufschlagsseiten von Beilagen wie «Automobil», «Luftfahrt», «Zeitfragen»,
«Literatur» und «Kunst» und so fort Farbbilder enthalten. Im Hauptblatt soll der Sport farbig aufmachen und im Wirtschaftsteil sollen farbige Grafiken die Lesbarkeit erhöhen. Ansonsten werde Farbe dort gesetzt, wo es sich aufdränge, sagt Brenner. Doch darüber gingen die Meinungen auseinander. «Im Zweifelsfall verzichten wir auf Farbe», sagt er. Und wenn sich die Redaktoren mit der Bildredaktion oder mit den Fotografen überwerfen, entscheidet Brenner zusammen mit dem jeweiligen Ressortchef. «Wir sammeln Erfahrungen und müssen unsere Farbphilosophie noch entwickeln.»
Brenner rechnet, dass sich der Prozess bis in einem halben Jahr eingeschliffen habe. So rigid wie die Frankfurter Allgemeine, mit starrem Farbkonzept, wolle die NZZ indessen nicht werden.
Sicher ist sicher: Die NZZ nimmt in ihrer Headline zur Münsterhof-Story auch Rücksicht auf Farbenblinde.
René Worni
