Harmonie treibt die Preise

Radio Die Privatradios wollen einen möglichst einheitlichen TKP. Die Folge sind vorerst höhere Tarife.

Radio Die Privatradios wollen einen möglichst einheitlichen TKP. Die Folge sind vorerst höhere Tarife.
Erstmals ist es den Privatradios gelungen, die Tarife der Pools und deren Module gemeinsam und vor allem noch wesentlich vor Ende Kalenderjahr herauszugeben. Diverse einzelne Radios sind hingegen noch nicht so weit.Die relativ frühe und noch dazu gemeinsame Publikation der Pooltarife ist eine Innovation, die nicht zuletzt im Rahmen der im September vorgestellten Vereinigung Radiopower.ch (siehe WW 30/04) angepeilt und nun möglich geworden ist.
Doch damit nicht genug: Im selben Zug bemühten sich die Radios, den Tausendkontaktpreis (TKP) der Pools zu harmonisieren. Als Grund-TKP sollten 50 Rappen (Zielgruppe 15+) angepeilt werden, so die Vorgabe. Eingehalten wurde dies (noch) nicht überall, weshalb der Branchenwunsch primär preistreibende Folgen hat, so etwa beim One Pool, der mit 45 Rappen bisher vergleichsweise günstig war.
Auch bei der Hauptzielgruppe 15/49 wird dadurch der TKP signifikant erhöht, und er klafft – je nach Altersstruktur der Pools – weiterhin deutlich auseinander (siehe Tabelle). Dennoch ist die Harmonisierung zumindest auf der Ebene der ganzen Pools auch in dieser Zielgruppe zu spüren. So beträgt die preisliche Kluft zwischen dem höchsten Sekunden-TKP (Radio Romandie) und dem günstigsten (Pool 2000) neu 10 Rappen, 2004 betrug die grösste Preisdifferenz noch 13 Rappen. Auf der Ebene der Module dagegen kommt es vor allem dort zu beträchtlichen Ausreissern, wo ländliche Radios involviert sind: so etwa bei den Modulen Zentral- oder Südostschweiz des One Pool.
Die Preisveränderungen, die die Pools vornehmen, bewegen sich im Bereich –16,9 und +20,3 Prozent. Grob gesagt spiegeln sie die Reichweitenverluste oder -gewinne wider, wobei genau genommen wegen der Aufstockung des Radiocontrol-Panels Anfang 2004 diesmal keine direk-
ten Reichweiten- oder TKP-Vergleiche vorgenommen werden dürften.
Preissenkungen – sowohl absolut als auch beim TKP – nahm einzig der Pool 2000 vor. Ein Grund: Im neuen Jahr wird Canal 3 nicht mehr mit von der Partie sein (siehe Kasten Seite 15), weshalb die Poolreichweite sinkt. Doch es spielen wohl auch strategische Erwägungen eine Rolle: Der Pool 2000 – kombiniert mit dem neuen Modul Zürich des One Pool – lässt sich jetzt noch besser als Alternative zum City Pool anbieten.
Der Pool Radio Romandie Plus bleibt als einziger Pool auf seinem diesjährigen TKP. Punkto Reichweiten konnte er aber trotz Austritt von Canal 3 leicht zulegen.
Ebenfalls Reichweite zulegen kann der Swiss Radio Pool, dies dank dem Neumitglied Canal 3. Sein Preisaufschlag von 20,3 Prozent ist dennoch nicht ganz nachvollziehbar, beträgt doch der Reichweitengewinn nur etwa 11 Prozent. Kommt dazu, dass sein bisheriger TKP (64 Rappen) zu den tiefsten gehörte, jetzt aber mit 77 Rappen der zweithöchste wird.
Abschliessend noch ein Ausblick auf eine weitere preisliche Innovation dank Radiopower.ch: Vom 4. Juli bis 14. August 2005 werden alle Radios und Pools erstmals einen einheitlichen Sommerrabatt von 20 Prozent gewähren. Bisher fiel dieser unterschiedlich aus.
Die Radiopools verändern sichWeil die Espace Media Groupe hofft, die Konzession von Canal 3 übernehmen zu können, verlässt der Bieler Sender per Ende 2004 den Pool 2000. Der Grund: Im Pool 2000 ist auch BE1, der direkte Gegenspieler des Espace-Media-Senders ExtraBern. Da aber bei Radiopool-Sitzungen oft Internas ausgetauscht werden, käme ExtraBern künftig via Canal 3 zu sensiblen Informationen über BE1. Das will man vermeiden. Ab 2005 findet Canal 3 nun Anschluss beim Swiss Radio Pool, es fliegt demzufolge aber auch beim Radio Romandie Plus raus (der bisher Top Romandie Plus hiess).
Der One Pool mausert sich ebenfalls: Er erhält per 2005 ein neues, kleineres Modul Zürich (nur Top und Energy Zürich), und das bisherige Modul Zürch (Top, Energy, Sunshine, Argovia) wird neu zur Zürich-Plus-Variante. Dies, um den unterschiedlichen Kundenbedürfnissen besser Rechnung tragen zu können. Im Gegensatz dazu wird das bisherige Ostschweiz-Modul (Top, Ri) gestrichen. (mk)
Spezialfall GrischaNoch immer sind die von Radiocontrol (RC) ausgewiesenen Reichweitendaten von Radio Grischa gesperrt. Somit stellt sich die Frage, wie sich beim One Pool ein TKP berechnen lässt. «Für die Preisberechnungen haben wir bei Grischa die durchschnittlichen Reichweiten des ganzen Jahres 2003 als Basis genommen, und zwar Montag bis Freitag, Zielgruppe 15+. Die Werte der anderen One-Pool-Mitglieder entsprechen hingegen den RC-Daten des ersten Semesters 2004», sagt Roland Baumgartner, Geschäftsführer des One Pool.
Beim RC Planungstool hingegen bilden überall die effektiv gemessenen Daten des ersten Halbjahres 2004 die Basis. Technisch ist dies nicht anders möglich. «Wir geben die Daten unter dem Motto ‹besser unstimmige Daten als keine Daten› mit Vorbehalt frei; die Auswertungen können sich nach wie vor ändern, und die heutige Basis der Erhebung ist nicht als definitiv zu betrachten», schreibt dazu Grischa-Geschäftsführerin Claudia Glauser.
Die Sperrung der Grischa-Daten ist seit Frühjahr 2004 in Kraft. Damals war das RC-Panel um zusätzliche Uhren aufgestockt worden. In diesem Zusammenhang kam es bei Grischa zu einem Reichweitenverlust von bis zu 30 Prozent, der bis heute noch nicht abschliessend geklärt werden konnte. (mk)
Radios zeigen Flagge: Mit einheitlichen Tausendkontaktpreisen soll das Gattungsmarketing gestärkt werden.
Markus Knöpfli

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