TV-Pläne reduziert

Privatfernsehen Die Cablecom hat das Gesuch für den Ausbau des Infokanals entschärft. Das Programm Canal Suisse wird wohl zurückgestellt.

Privatfernsehen Die Cablecom hat das Gesuch für den Ausbau des Infokanals entschärft. Das Programm Canal Suisse wird wohl zurückgestellt.Seit über einem Jahr arbeiten die Cablecom, der Privat-TV-Verband Telesuisse und die SRG an einem TV-Programm namens Canal Suisse (Arbeitstitel), das die Regionen der Schweiz medial verbinden sollte. Geplant war, etwa Volksbräuche, die von Privat-TVs übertragen werden, über einen separaten Kanal für die ganze Schweiz zugänglich zu machen. Gedacht wurde aber auch an Livesendungen aus dem Parlament oder an Wiederholungen von SRG-Sendungen. Noch war einiges offen, auch ein Konzessionsgesuch war nicht eingereicht. Doch nun wird das Projekt vermutlich schubladisiert.Der Grund für den wahrscheinlichen Rückzug ist das Nein des Preisüberwachers zu den Plänen der Cablecom, ihre Abogebühren zu erhöhen. Ohne diese Zusatzeinnahmen werde der Kabelnetzbetreiber punkto Investitionen kürzer treten müssen, hatte Cablecom-Chef Rudolf Fischer verlauten lassen. «Wir sind gezwungen, nun gewisse Ideen zu überdenken», ergänzt auch Cablecom-Sprecher Stephan Howeg. Noch stehe zwar nicht fest, welche Projekte warten müssen. «Doch es ist nicht auszuschliessen, dass es auch Canal Suisse treffen könnte.» Die Cablecom wolle bis Ende Jahr Klarheit schaffen.
Cablecom muss kürzer treten
Beim Privat-TV-Verband Telesuisse rechnet man mit einem Stopp. «Jetzt wird Canal Suisse auf Eis gelegt, denn die Mittel dafür müssten von der Cablecom kommen», sagt Telesuisse-Präsident Filippo Lombardi.
Auch bei einem zweiten TV-Projekt tritt die Cablecom kürzer. Sie hatte dieses Jahr ein Konzessionsgesuch für einen Ausbau ihres bestehenden Infokanals gestellt. Weil die Privat-TVs aber befürchteten, dass ein Content anbietender Kabelnetzbetreiber in Interessenkonflikte geraten könnte, hagelte es Einsprachen. Tatsächlich wollte die Cablecom gemäss Gesuch «gesponserte und werbegestützte Inhalte» anbieten (WW 29/04), aber auch «Kooperationen mit Programmanbietern» eingehen und neue TV-Formate» entwickeln können.
Mittlerweile hat die Cablecom ihre Absichten «präzisiert», wie Howeg erklärt. «Missverständliche Formulierungen» wurden weggelassen oder anders umschrieben. Genaue Passagen waren jedoch weder vom Bakom noch von Howeg erhältlich. Letzterer hielt aber fest, es komme jetzt zum Ausdruck, «dass wir auf dem Infokanal kein Programmveranstalter sein wollen.» Der zuständigen Bakom-Sachbearbeiter Alfons Birrer bestätigt dies. Und was werbliche Inhalte anbelangt, so möchte die Cablecom gemäss Howeg lediglich ihre TV-Werbespots auch auf dem eigenen Kanal zeigen können.
Canal Suisse, ein Projekt der Cablecom, der SRG und der Telesuisse, wird vorerst schubladisiert.
Cablecom bringt Digital-TV voranUm die erforderliche Kapazität für eine grössere Auswahl an Fernsehprogrammen und Zusatzfunktionen zu schaffen, verlegt die Cablecom die bisher analog ausgestrahlten, aber relativ wenig genutzten Sender France 3 und RTP Internacional ins digitale Fernsehen. Sie sind ab 1. Dezember nur noch innerhalb des Digital-TV-Grundangebotes und mittels Set-Top-Box empfangbar. Die frei werdenden analogen Kanäle will die Cablecom für den Ausbau des Digitalfernsehens nutzen: Pro analogem Kanal können rund zehn digitale Programme übertragen werden.
Im Verlauf des nächsten Jahres möchte die Cablecom die wichtigsten Free-TV-Sender auch ins digitale Angebot aufnehmen. Dessen Abonnenten erhalten so bequemeren Zugriff auf diese Programme, ohne zwischen Digitalempfänger und TV-Gerät hin und her schalten zu müssen. (mk)
Markus Knöpfli

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