«Ein Börsengang ist derzeit kein Thema»

Klaus Kappeler, CEO Goldbach Media, zum Einstieg des Investors 3i bei seiner Holding.

Klaus Kappeler, CEO Goldbach Media, zum Einstieg des Investors 3i bei seiner Holding.ww Geht es Goldbach Media so schlecht, dass Sie einen Geldgeber brauchen?Klaus Kappeler Wie Sie vielleicht wissen, hat sich unser Aktienkurs in diesem Jahr mehr als verfünffacht. Somit dürfte es unserem Unternehmen nicht schlecht gehen. Das Aktienpaket hielten wir seit der Fusion von Goldbach Media und Medien Z Holding, damals machten wir einen Aktienrückkauf. Übrigens haben wir schon damals gesagt, dass wir diese zehn Prozent wieder im Markt platzieren werden. Genau das ist nun geschehen.
Im Sommer sagten Sie noch, dass man Goldbach aus eigener Kraft auf die Beine bringen werde. Nun lehnen Sie sich doch bei einem Investor an.
Das Schlechteste für ein Unternehmen ist ja, wenn es eigene Aktien kauft. Indem wir nun eigene Aktien platzieren, erhalten wir flüssige Mittel, mit denen wir eine Unit Mobil Marketing und Goldbach Media in Österreich aufbauen können.
Sie haben das 10-Prozent-Aktienpaket unter anderem auch der PubliGroupe angeboten. Ein Handel kam nicht zu Stande. Warum?
Dazu möchte ich nichts sagen.
3i wird im Goldbach-VR Einsitz nehmen. Wird der VR vergrössert?
Ja, um einen Sitz. Abgesehen vom 3i-Vertreter, der noch nicht feststeht, bleibt der VR genau wie bisher.
Und wie sieht das Aktionariat nun aus?
Die Anteile sind wie folgt verteilt: Der Verwaltungsrat hält 37 Prozent, das Management und die Mitarbeitenden halten 12 Prozent. Aktionäre aus dem Kundenkreis halten 17 Prozent, weitere Aktionäre 15 Prozent, 3i hält 10 Prozent, die Beisheim Holding 7 Prozent, und der Eigenbestand beträgt noch 2 Prozent.
Der Einstieg eines Investors könnte darauf hindeuten, dass Sie mittelfristig einen Börsengang anstreben.
Das ist derzeit kein Thema. 3i stieg bei uns ein, weil sie erkannten, dass der elektronische Medienmarkt jener Markt im Bereich Medien ist, der am stärksten wächst. Und dass Goldbach Media in diesem Markt die kompletteste Vermarktungsfirma ist. Kommt dazu, dass 3i uns ein Netzwerk zur Verfügung stellt, denn sie sind in ganz Europa tätig und haben auch sehr viel Investments in der Mobiltechnologie. Das ist für uns interessant, weil wir den Bereich Mobile ausbauen und nun dazu per 1. Dezember Mike Weber engagiert haben. Für Goldbach Media ist dieser neue Bereich ein weiterer Schritt innerhalb der Gesamtstrategie.
Würden Sie Mike Weber kurz vorstellen?
Im Jahr 2000 begann er seine Mobile-Ära als Head of Marketing Communications bei Swisscom Mobile. Zuvor war er Kommunikationsleiter Non Food bei der Migros. Unterstützt wird er durch Tobias Fehrlin, der in den letzten Monaten Crossmedia-Konzepte für Online und Radio entwickelt hat.
Haben Sie an dem Paket, das 3i nun hält, ein Vorkaufsrecht?
Ich gebe keine Vertragsinhalte bekannt. Zudem verkaufen wir ja keine Aktien, um sie später wieder zurückzukaufen.
Womöglich wollen Sie aber bei einem Weiterverkauf mitreden können.
Sie können sich denken, dass wir den Vertrag im Sinne der Goldbach Media gemacht haben. Mehr sage ich nicht.
Wer schlug hier wem die Tür zu?Vor einer Woche hat die europäische Investmentgesellschaft 3i bei der Goldbach
Media einen 10-Prozent-Anteil übernommen. Das wirft Fragen auf. Warum kam 3i zum Handkuss und nicht etwa die Schweizer PubliGroupe, die für dieses Jahr einen zweiten Schritt in der Vermarktung elektronischer Medien angekündigt hatte? Ist der 3i-Einstieg für Goldbach punkto Synergien ähnlich vorteilhaft, wie eine Beteiligung von PubliGroupe gewesen wäre? Sind die Lausanner in Goldbach abgeblitzt, oder haben sie den Einstieg verschlafen? Gab es kartellrechtliche Hindernisse? Und hat der Inseratevermittler jetzt, da die Goldbach-Türen wohl für eine Weile verschlossen bleiben, noch andere Optionen für seinen «zweiten Schritt»?
Um solche Fragen zu klären, hat die Werbewoche mit Stefan Staub von der PubliGroupe und mit Klaus Kappeler von Goldbach Media getrennte Gespräche geführt. (mk)
Interview: Markus Knöpfli

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