Schneeflocken statt Goldregen
ADC Drei Gold- und neun Silber-Würfel sind die magere Ausbeute der ADC-Jurierung des Jahrgangs 2004.
ADC Drei Gold- und neun Silber-Würfel sind die magere Ausbeute der ADC-Jurierung des Jahrgangs 2004. Alea iacta non est: Während draussen Frau Holle grosszügig die Flocken tanzen liess, fielen im World Trade Center in Oerlikon die Würfel ausgesprochen selten auf die Tische – die Abstimmungsmappen dafür umso häufiger unter die Tische. Die Juroren der 28. ADC-Prämierung stuften nur neun der 1011 eingereichten Beiträge als herausragend und gerade mal drei – alle in der Kategorie Film – als wegweisend ein. Mit 48 Auszeichnungen blieben auch die Bronze-Würfel rund zwei Drittel unter der Ausbeute des letzten Jahres. Dafür schafften es 132 Beiträge auf die neu eingeführte Shortlist. Das Ergebnis findet seine Erklärung im neuen Modus, der dieses Jahr zum ersten Mal angewandt worden ist (siehe Seite 9). Aber auch das eisige Wirtschaftsklima, das viele grosse Werbebudgets einfrieren liess, zeichnete sich in den Beiträgen ab. Fazit von Markus Gut, Jurypräsident der Kategorie Aussenwerbung: «Ein starker Modus plus ein schwacher Jahrgang ergibt weniger Preise.» Proteste in der Administration
Indiz für einen schwachen Jahrgang war auch die hohe Anzahl an Einzeleinsendungen. Diese wurden von den Jurys oftmals nachträglich zu Serien zusammengelegt, was in der Administration für einige Proteste sorgte. Auf diese Weise reduzierten sich die ursprünglich 1011 eingereichten Arbeiten schliesslich auf ein Total von 996.
Überflieger gab es in diesem Jahr keine. Trotzdem hat sich heuer an der Spitze des Würfel-Rankings etwas getan: Die im letzten Jahr zweitplatzierte Agentur Ruf Lanz schwang sich mit insgesamt elf Edelmetall-Auszeichnungen vor Publicis aufs oberste Podesttreppchen. Das Kreativ-Duo Markus Ruf und Danielle Lanz holte in der Königsdisziplin Film Gold für das Blindenheim Mühlehalde und Silber für den Ed-Fagan-Spot von Bank Coop. Silber gab es zudem in der Kategorie Anzeigen für VBZ und bei den Radiospots für Sport Factory Outlet.
Einstimmig vergoldet wurde auch die Migros-Spotserie «Werbeideen von Kunden» made by Publicis. Die Filme hatten bereits bei der Wahl zur Kampagne des Jahres 2003 den zweiten Platz errungen. Dass Fach- und Publikumsmeinung doch nicht immer kongruent sind, zeigte sich hingegen bei den Feldschlösschen-Filmen: Während die Leserschaft der Werbewoche die Spots auf den siebten Platz verwies, gabs für Spillman Felser Leo Burnett ADC-Gold. Zusätzlich erhielt die Agentur einen Silber-Würfel für die Anzeigen-Kampagne von Mammut.
Dass die spärlichen Gold-Prädikate allesamt in der Königsdisziplin vergeben wurden, ist für ADC-Jury-Chairman Andreas Prokesch ein Signal an die Auftraggeber, «dass wir es eigentlich können, es aber zu wenig beweisen dürfen».
Mehrwert der Auszeichnungen
Auch Markus Ruf ist überzeugt, dass man auf Grund der niedrigen Würfelzahl nicht darauf schliessen dürfe, dass die Schweizer Werbung schlechter geworden sei. «Eine Shortlist ist heuer mehr wert als eine Bronze vor einem Jahr», betont der Jurypräsident der Kategorie Verkaufsförderung. Die Mehrheit der Juroren hatte denn auch die härteren Beurteilungskriterien positiv aufgenommen. Trotzdem wurden in den zuweilen hitzigen Diskussionen vereinzelt Stimmen laut, man sei hier immer noch in Oerlikon und nicht in Cannes.
Als nach fast 24-stündigem Jurierungs-Marathon schliesslich die letzten Goldwürfel (nicht) fielen, geriet die arbitrale Verfahrensordnung des Jury-Chairmans langsam ins Wanken. Prokesch liess die Jury trotz heftiger Proteste geschlagene dreimal über die Sporttip-Radiospots von Jung von Matt (JvM) abstimmen. Am Endergebnis änderte dies allerdings nichts: Silber für JvM und eine dicke Schneedecke für Oerlikon.
Shootingstar Ruf LanzGerade mal neun Köpfe machen die
Werbeagentur Ruf Lanz aus. Trotzdem stiess sie bereits zwei Jahre nach der Gründung 2001 auf Platz 2 des ADC-Rankings vor und stellte bei der diesjährigen Jurierung mit dem strengeren Modus mit der grössten Edelmetall-Ausbeute die Goliaths der Branche in den Schatten. Die Agentur der beiden ehemaligen Werber des Jahres Danielle Lanz und Markus Ruf (r.) erweiterte im März 2003 die Geschäftsleirung mit dem
Berater Marcus Gretener (l.) und erwirtschaftete im vergangenen Jahr
einen Umsatz von 2,7 Millionen Franken. Trotz des grossen Erfolgs halten
sich die Wachstumsgelüste in Grenzen: «Wir möchten weiterhin interessante Werbung machen für Kunden, welche diese überhaupt zulassen. Und das sind nicht unbeschränkt viele.» (la)
Wegweisendes sah die Jury nur gerade in der Kategorie Film: Gold wert war ihr die Werbung für das Zürcher Blindenheim Mühlehalde, für Feldschlösschen und für die Migros.
Alle Wege führen zu McDonald’s: DDB erntete für die Idee Silber.
Mammut im Nebel: Das brachte SFLB einen silbernen Lichtblick.
Simone Keller
Indiz für einen schwachen Jahrgang war auch die hohe Anzahl an Einzeleinsendungen. Diese wurden von den Jurys oftmals nachträglich zu Serien zusammengelegt, was in der Administration für einige Proteste sorgte. Auf diese Weise reduzierten sich die ursprünglich 1011 eingereichten Arbeiten schliesslich auf ein Total von 996.
Überflieger gab es in diesem Jahr keine. Trotzdem hat sich heuer an der Spitze des Würfel-Rankings etwas getan: Die im letzten Jahr zweitplatzierte Agentur Ruf Lanz schwang sich mit insgesamt elf Edelmetall-Auszeichnungen vor Publicis aufs oberste Podesttreppchen. Das Kreativ-Duo Markus Ruf und Danielle Lanz holte in der Königsdisziplin Film Gold für das Blindenheim Mühlehalde und Silber für den Ed-Fagan-Spot von Bank Coop. Silber gab es zudem in der Kategorie Anzeigen für VBZ und bei den Radiospots für Sport Factory Outlet.
Einstimmig vergoldet wurde auch die Migros-Spotserie «Werbeideen von Kunden» made by Publicis. Die Filme hatten bereits bei der Wahl zur Kampagne des Jahres 2003 den zweiten Platz errungen. Dass Fach- und Publikumsmeinung doch nicht immer kongruent sind, zeigte sich hingegen bei den Feldschlösschen-Filmen: Während die Leserschaft der Werbewoche die Spots auf den siebten Platz verwies, gabs für Spillman Felser Leo Burnett ADC-Gold. Zusätzlich erhielt die Agentur einen Silber-Würfel für die Anzeigen-Kampagne von Mammut.
Dass die spärlichen Gold-Prädikate allesamt in der Königsdisziplin vergeben wurden, ist für ADC-Jury-Chairman Andreas Prokesch ein Signal an die Auftraggeber, «dass wir es eigentlich können, es aber zu wenig beweisen dürfen».
Mehrwert der Auszeichnungen
Auch Markus Ruf ist überzeugt, dass man auf Grund der niedrigen Würfelzahl nicht darauf schliessen dürfe, dass die Schweizer Werbung schlechter geworden sei. «Eine Shortlist ist heuer mehr wert als eine Bronze vor einem Jahr», betont der Jurypräsident der Kategorie Verkaufsförderung. Die Mehrheit der Juroren hatte denn auch die härteren Beurteilungskriterien positiv aufgenommen. Trotzdem wurden in den zuweilen hitzigen Diskussionen vereinzelt Stimmen laut, man sei hier immer noch in Oerlikon und nicht in Cannes.
Als nach fast 24-stündigem Jurierungs-Marathon schliesslich die letzten Goldwürfel (nicht) fielen, geriet die arbitrale Verfahrensordnung des Jury-Chairmans langsam ins Wanken. Prokesch liess die Jury trotz heftiger Proteste geschlagene dreimal über die Sporttip-Radiospots von Jung von Matt (JvM) abstimmen. Am Endergebnis änderte dies allerdings nichts: Silber für JvM und eine dicke Schneedecke für Oerlikon.
Shootingstar Ruf LanzGerade mal neun Köpfe machen die
Werbeagentur Ruf Lanz aus. Trotzdem stiess sie bereits zwei Jahre nach der Gründung 2001 auf Platz 2 des ADC-Rankings vor und stellte bei der diesjährigen Jurierung mit dem strengeren Modus mit der grössten Edelmetall-Ausbeute die Goliaths der Branche in den Schatten. Die Agentur der beiden ehemaligen Werber des Jahres Danielle Lanz und Markus Ruf (r.) erweiterte im März 2003 die Geschäftsleirung mit dem
Berater Marcus Gretener (l.) und erwirtschaftete im vergangenen Jahr
einen Umsatz von 2,7 Millionen Franken. Trotz des grossen Erfolgs halten
sich die Wachstumsgelüste in Grenzen: «Wir möchten weiterhin interessante Werbung machen für Kunden, welche diese überhaupt zulassen. Und das sind nicht unbeschränkt viele.» (la)
Wegweisendes sah die Jury nur gerade in der Kategorie Film: Gold wert war ihr die Werbung für das Zürcher Blindenheim Mühlehalde, für Feldschlösschen und für die Migros.
Alle Wege führen zu McDonald’s: DDB erntete für die Idee Silber.
Mammut im Nebel: Das brachte SFLB einen silbernen Lichtblick.
Simone Keller
