Ein Denkmal für die Selbstversorgung

Die Errungenschaften der Lebensmittelindustrie werden zu Recht als sozialer Fortschritt gefeiert.

Die Errungenschaften der Lebensmittelindustrie werden zu Recht als sozialer Fortschritt gefeiert.Als Julius Maggi im 19. Jahrhundert die Erbsenfertigsuppe erfand, wurde die Neuheit dankbar aufgenommen. Heute käme es niemandem mehr in den Sinn, die Weltbevölkerung des 21. Jahrhunderts ohne Fliessbandfood ernähren zu wollen. Doch je unverzichtbarer die konfektionierten Lebensmittel für die Versorgung der hungrigen Massen sind, desto stärker wird die gute alte Zeit verklärt, wo man seine Nahrung noch selbst herstellte und zubereitete. Zu den vehementesten Kritikern industriell erzeugter Lebensmittel gehören bekanntlich unsere Fresspäpste und Spitzenköche, denn Industriefood kann und darf nicht gut sein.
Eine Grossmutter aus Nordrhein-Westfalen bricht dieses Tabu: «Ich habe euch 30 Jahre angelogen», outet sie sich – allerdings anonym – in einer Anzeige für ein Aachener Pflaumenmus, das sie immer als ihr eigenes ausgegeben hat.
Die Agentur McCann-Erickson führt uns eine Frau mit Zivilcourage vor, die sich dem gesellschaftlichen Druck entzogen hat. Und bietet besten Anschauungsunterricht für das «Konformitätsverhalten in Gruppensituationen», das Elisabeth Noelle-Neumann, die Grand Dame der deutschen Demoskopie, 1980 in ihrem Hauptwerk «Die Schweigespirale» analysierte. Möge die Omi die freie Zeit, die sie nicht am Herd verbringen musste, in vollen Zügen genossen haben.
(sh)

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