Bau mir den Traumwagen
Automarkt Fahrzeuge sollen immer individueller werden. Auch für Frauen.
Automarkt Fahrzeuge sollen immer individueller werden. Auch für Frauen.«Das Auto ist Identifikations- und Vergleichsobjekt wie kein anderer Gegenstand. Es wird sorgfältig ausgewählt und eingerichtet», behauptet das deutsche Trendbüro in seiner Studie «Zukunftsmarkt Mobilität». In Zukunft könne man vom Auto noch mehr Personalisierung und Hightech erwarten. «Wir kommen Ihren Träumen entgegen», behauptet folgerichtig Mercedes-Benz, und auch Daihatsu gibt sich Mühe, geheime Wünsche zu erfüllen: In diesem Jahr schickt der Japaner nicht nur eine sportlichere Version des Cuore ins Rennen, sondern doppelt mit einem rechtsgesteuerten Roadster nach. Mit dieser eher unpraktischen Steuerung ist auf jeden Fall ein Ziel erreicht: Über mangelnde Aufmerksamkeit werden Fahrer dieses Autos nicht zu klagen haben und müssen dafür bei einem Preis von 26 000 Franken zudem weniger tief in die Tasche greifen als anderswo.Die Autoindustrie ist offensichtlich guten Willens, Bubenträume wahr zu machen. Wie steht es mit den Mädchenträumen? Sportliche, schnelle Autos seien auch bei Frauen angesagt, heisst es in der Branche. Doch so richtig entdeckt haben Marketingleiter und Werbefachleute die Fahrerinnen noch nicht. Wie viele Schweizerinnen tatsächlich ein Auto besitzen, lässt sich leider nicht feststellen, da das eidgenössische Strassenverkehrsamt seine Daten fahrzeug- und nicht halterorientiert sammelt. Dennoch ist klar, dass sich Frauen auch auf der Strasse ihren Platz erobern: In den letzten zwanzig Jahren ist die Zahl derjenigen Frauen, die einen Führerschein besitzen, stärker angestiegen als diejenige der Männer. 1980 fuhren erst 41 Prozent Frauen Auto (gegenüber 67% Männer), 2003 waren es bereits 71 Prozent (89%). Während der Nischenmarkt Tuning und Zubehör noch von ganzen Kerlen dominiert und fast grundsätzlich gerne mit nackter Frauenbrust beworben wird, scheint man sich im restlichen Automobilmarkt damit zu begnügen, potenzielle Käuferinnen mit den Kampagnen zumindest nicht zu vergraulen. Die Idee, ein Auto ganz auf die Wünsche der Frauen auszurichten, scheint den Herstellern jedoch allzu fremd. Zumindest jetzt noch. Die jüngeren Damen unter uns dürften sich dennoch auf spannendere Kampagnen freuen. Spätestens im Jahr 2030, wenn laut Prognose von Zukunftsforscher Matthias Horx die Einkommensparität zwischen europäischen Männern und Frauen erreicht sein wird, dürfte die männliche Kühlerfigur als Kaufanreiz wohl etabliert sein.
Den Schlüssel zum Traumwagen in der Hand: Mercedes-Benz nimmt Frauen als Zielgruppe ins Visier.
Aktuelle Autowerbung: Für Familien und Raubtierbändiger.
Katrin Piazza
Den Schlüssel zum Traumwagen in der Hand: Mercedes-Benz nimmt Frauen als Zielgruppe ins Visier.
Aktuelle Autowerbung: Für Familien und Raubtierbändiger.
Katrin Piazza
